Bei Innovation denken viele zuerst an Forschungslabore, neue Technologien und Entwicklungen, die es zuvor noch nie gegeben hat. Im August haben wir uns genau diese Segmente angeschaut. In der Unternehmenspraxis entsteht Neues jedoch häufig sehr viel unspektakulärer. Ein vorhandenes Produkt wird besser an seinen Nutzer angepasst, ein bislang wenig beachteter Rohstoff erhält eine neue Verwendung oder zwei bekannte Lösungen werden so miteinander kombiniert, dass daraus ein neues Angebot entsteht.
Wie groß dieser Bereich ist, zeigen aktuelle Zahlen. Laut KfW Research haben 41 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland innerhalb der Jahre 2022 bis 2024 mindestens eine Innovation hervorgebracht. Das entspricht rund 1,6 Millionen Unternehmen und einem Anstieg um zwei Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Erhebung. Besonders Produktinnovationen wurden wieder häufiger umgesetzt. Gleichzeitig stiegen die Innovationsausgaben des Mittelstands auf 35,4 Milliarden Euro. Selbst preisbereinigt ergab sich gegenüber dem Vorjahr ein Plus von knapp drei Prozent.
Dabei ist Innovation keineswegs gleichbedeutend mit eigener Forschung und Entwicklung. Die Innovationserhebung des ZEW Mannheim zeigt für 2024, dass 37,6 Prozent der untersuchten Unternehmen Innovationsaktivitäten betrieben, ohne selbst Forschung und Entwicklung durchzuführen. Dieser Anteil nahm gegenüber dem Vorjahr deutlich zu. Insgesamt waren 51,7 Prozent der erfassten Unternehmen Innovatoren, knapp ein Viertel brachte Produktinnovationen hervor.
Auch wirtschaftlich spielen solche Weiterentwicklungen eine erhebliche Rolle. Nach Berechnungen des ZEW erzielten Unternehmen in Deutschland 2024 rund 927 Milliarden Euro Umsatz mit Produkten, die innerhalb der vorangegangenen drei Jahre neu eingeführt oder merklich verbessert worden waren. Das entsprach 12,6 Prozent ihres Gesamtumsatzes. Nur rund 240 Milliarden Euro davon entfielen auf echte Marktneuheiten, also Produkte, die vorher in dieser Form noch nicht auf dem jeweiligen Markt erhältlich waren. Der wesentlich größere Teil wurde mit Neuerungen erwirtschaftet, für die es grundsätzlich bereits vergleichbare Angebote gab.
Eine Geschäftsidee muss folglich nicht zwangsläufig eine völlig neue Produktkategorie schaffen. Ebenso kann sie an einer Schwachstelle eines bestehenden Angebots ansetzen, einen Produktionsprozess verändern, eine bisher getrennte Leistung zusammenführen oder eine bekannte Lösung auf eine neue Zielgruppe übertragen. Gerade alltägliche Situationen bieten dafür reichlich Ansatzpunkte. Wo Menschen improvisieren, sich über umständliche Lösungen ärgern, Produkte zweckentfremden oder vorhandene Angebote nur deshalb nutzen, weil es nichts Passenderes gibt, kann eine Marktlücke liegen.
Die folgenden Geschäftsideen zeigen unterschiedliche Wege, solche Lücken zu erkennen und daraus ein tragfähiges Angebot zu entwickeln. Mal beginnt die Gründung mit einem ungenutzten Material, mal mit einem sehr speziellen Problem und manchmal lediglich mit der Frage, warum ein vertrautes Produkt eigentlich noch immer so funktioniert, wie es funktioniert.
Um Existenzgründer und Unternehmen zu fördern, haben wir bei „Deutschland startet“ das Format „7 interessante Geschäftsideen kurz vorgestellt“ ins Leben gerufen. Mit diesem bieten wir Existenzgründern mit interessanten Geschäftsideen die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell vorzustellen.
Service-Tipp: Für die (Weiter-)Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsideen, die Erstellung von Businessplänen und eine Existenzgründungsberatung können Fördermittel beantragt werden. Nutzen Sie hierfür unseren kostenfreien Fördercheck!
Rheinwolle – Jahrgangsteppiche aus Kölner Schafwolle
Manchmal liegt eine Geschäftsidee buchstäblich auf der Wiese. In Köln grasen Schafe auf den Rheinwiesen und übernehmen dabei einen Teil der Landschaftspflege. Ihre Wolle fand lange kaum Abnehmer und wurde teilweise entsorgt oder zu Düngepellets verarbeitet. Rheinwolle macht aus diesem regionalen Rohstoff hochwertige Teppiche, deren Herkunft bis zu den Schafen am Rhein zurückverfolgt werden kann.
Gegründet wurde Rheinwolle 2024 von Martin Hoffmann aus Köln. Der Architekt und Produktdesigner beschäftigte sich bereits im Studium mit natürlichen und kreislauffähigen Materialien. Die konkrete Idee entstand durch den Kontakt zum Kölner Wanderschäfer Thomas Schneider. Hoffmann erfuhr, dass dessen Schurwolle wirtschaftlich kaum verwertbar war. Für feine Kleidung ist sie vergleichsweise grob, für robuste und langlebige Teppiche eignet sie sich dagegen gut.
Rheinwolle orientiert die Produktion am Rhythmus der Schafschur und verkauft sogenannte Jahrgangsteppiche. Nach der Schur im Mai beginnt die Vorbestellung, anschließend werden nur die tatsächlich nachgefragten Teppiche produziert und zum Jahresende ausgeliefert. Die Größe legt der Kunde selbst fest. Für den Jahrgang 2026 verlangt Rheinwolle 300 Euro je Quadratmeter. Ein Teppich mit 140 mal 200 Zentimetern kostet damit beispielsweise 840 Euro, ein Modell mit 200 mal 300 Zentimetern 1.800 Euro. Einen klassischen Onlineshop gibt es nicht. Angebote werden individuell erstellt, Interessenten können sich vorab außerdem einen kleinen Musterteppich gegen Pfand zuschicken lassen.
Auch die Herstellung folgt einem klaren Weg durch spezialisierte europäische Betriebe. Nach der Schur wird die Kölner Wolle in Belgien gewaschen, in Deutschland zu Teppichgarn verarbeitet und schließlich in Ungarn verwebt. Das Hauptgarn besteht vollständig aus Schurwolle und bleibt als Naturmaterial auch nach seiner Nutzung verwertbar. Rheinwolle arbeitet bereits an Möglichkeiten, alte Teppiche später beispielsweise zu Dämm- oder Polstermaterial weiterzuverarbeiten.
Parallel entwickelt Hoffmann das Material gestalterisch weiter. Gemeinsam mit der Textildesignerin Sanja Lulei entstand eine eigene Musterkollektion für individuelle Boden- und Wandteppiche. Lulei fertigt die Unikate in ihrem Düsseldorfer Studio und kombiniert unterschiedliche Farben, Muster, Strukturen und Garne. Auch mit natürlichen Färbungen, etwa mit Indigo oder Farbtönen aus Avocadoschalen, beschäftigt sich Rheinwolle.
Die verarbeitete Menge wächst bereits. 2025 nutzte Rheinwolle nach Angaben Hoffmanns rund eine Tonne Schafwolle. Künftig möchte er Schneider die komplette jährliche Schur von etwa 1,5 Tonnen abnehmen. Daraus könnten ungefähr 300 Quadratmeter Teppich entstehen. Aus einem Nebenprodukt der Landschaftspflege wird damit ein maßgefertigtes Designprodukt, dessen begrenzte Rohstoffmenge nicht zum Hindernis wird, sondern sogar das Produktions- und Verkaufskonzept bestimmt.
Zenbox – Digital Detox im Kasten
Viele Funktionen zur Begrenzung der Bildschirmzeit haben einen entscheidenden Schwachpunkt. Wer eine Sperre selbst eingerichtet hat, kann sie häufig mit wenigen Klicks wieder deaktivieren. Zenbox verlagert diesen Schritt deshalb aus dem Smartphone heraus. Die kleine Box enthält einen NFC-Chip und arbeitet mit einer App zusammen. Dort legt der Nutzer fest, welche Anwendungen oder Webseiten blockiert werden sollen. Aktiviert und aufgehoben wird die Sperre, indem das Smartphone an die Box gehalten wird. Wer die Zenbox beispielsweise im Flur oder in der Küche platziert, muss seinen Platz tatsächlich verlassen, bevor zuvor gesperrte Angebote wieder zugänglich sind.
Entwickelt wurde Zenbox von Konstantin Singer aus Stuttgart. Ende 2024 begann er mit der Umsetzung, nachdem eigene Versuche mit herkömmlichen Bildschirmzeitbegrenzungen nicht den gewünschten Effekt erzielt hatten. Innerhalb weniger Wochen entstand ein erster Prototyp aus App und NFC-Hardware. Im Mai 2025 kamen die ersten Geräte auf den Markt.
Das Geschäftsmodell basiert auf dem Direktverkauf der Hardware. Eine Zenbox kostet aktuell 49,99 Euro, ein Doppelpack 79,99 Euro. Die zugehörige App kann anschließend ohne laufende Abonnementgebühren genutzt werden. Ein Gerät lässt sich mit mehreren Smartphones verbinden und eignet sich damit auch für die gemeinsame Nutzung innerhalb eines Haushalts. Über die App können einzelne Anwendungen und Webseiten gesperrt sowie Fokuszeiten, Nutzungslimits und unterschiedliche Sperrmodi eingerichtet werden.
Die Hardware selbst ist bewusst einfach gehalten. Der verbaute NFC-Chip arbeitet passiv, weshalb weder Akku noch Stromanschluss, WLAN oder Bluetooth erforderlich sind. Auch ein Benutzerkonto oder eine Cloudanbindung sind nicht notwendig. Die Einstellungen werden lokal auf dem jeweiligen Smartphone gespeichert. Zusätzliche Funktionen können damit über die Software ergänzt werden, ohne das physische Produkt grundlegend verändern zu müssen.
Auch bei der Fertigung setzt Zenbox zunächst auf eine flexible Lösung. Die Gehäuse werden in Stuttgart im 3D-Druck hergestellt. Dadurch konnten erste Serien produziert werden, ohne bereits zu Beginn hohe Investitionen in Werkzeuge und Spritzgussformen vornehmen zu müssen. Den dafür eingesetzten Fertigungspartner WMT lernte Singer bei einer Veranstaltung der Stuttgarter Gründerszene kennen. Bis August 2026 waren nach seinen Angaben bereits rund 2.000 Geräte auf diesem Weg gefertigt worden.
Select Living – Maßanfertigungen für IKEA-Möbel
Ein IKEA-Schrank ist praktisch und vergleichsweise günstig, sieht aber meist auch nach einem standardisierten Möbelstück aus. Select Living möchte genau das ändern. Das Unternehmen fertigt individuelle Fronten, Außenseiten, Wandblenden und Aufsatzschränke für bestehende IKEA-Systeme wie PAX, BESTÅ und METOD. Der Korpus und die Innenausstattung bleiben erhalten, während die sichtbaren Elemente nach Maß ersetzt oder ergänzt werden. So lässt sich beispielsweise aus einem gewöhnlichen PAX-Schrank eine deckenhohe Einbaulösung machen.
Die Marke wurde 2024 von einem dreiköpfigen Gründerteam aufgebaut. Zwei der Gründer, Niklas Müller und Tarik Mohrbacher, führen heute die Select Living GmbH. Nach mehreren Monaten Entwicklungsarbeit und zahlreichen Prototypen ging Select Living 2024 an den Markt. Die GmbH folgte 2025. Eng verbunden ist das Unternehmen mit der familiengeführten Tischlerei T-WeMo im Ruhrgebiet, die auf mehr als 30 Jahre Erfahrung im Möbelbau zurückgreift und die maßgefertigten Bauteile produziert.
Das Sortiment reicht von einzelnen Fronten bis zu umfangreichen Einbaulösungen. Maßgefertigte Fronten für PAX beginnen derzeit bei rund 190 Euro, deckenhohe Varianten bei etwa 235 Euro. Mit zusätzlichen Aufsatzschränken lassen sich Lösungen für Raumhöhen von bis zu 3,80 Metern realisieren. Zur Auswahl stehen unter anderem Dekoroberflächen, lackierte MDF-Fronten mit Anti-Fingerprint-Beschichtung und Echtholzfurniere. Mehr als 30 Farben und Oberflächen ermöglichen es, aus demselben IKEA-Grundsystem sehr unterschiedliche Möbel zu gestalten.
Die Verbindung aus standardisiertem Korpus und individueller Maßanfertigung prägt auch das Geschäftsmodell. Kunden planen zunächst ihr IKEA-Möbel und bestellen anschließend die passenden Ergänzungen bei Select Living. Maße können selbst genommen und vor der Fertigung geprüft werden. Ein 3D-Konfigurator unterstützt die Planung, Materialmuster werden kostenlos verschickt. Die fertigen Bauteile kommen vorgebohrt und montagebereit per Spedition zum Kunden, sodass für die individuelle Optik kein vollständiger Schreinerauftrag erforderlich ist.
Inzwischen erweitert Select Living das ursprünglich stark auf PAX ausgerichtete Konzept auch auf andere IKEA-Systeme. Für BESTÅ werden Fronten und Verkleidungen angeboten, für METOD maßgefertigte Küchenfronten in denselben Farben, Lacken und Echtholzfurnieren wie bei den Schränken. Zusätzlich betreibt das Unternehmen einen Showroom in der Düsseldorfer Innenstadt, in dem Kunden Materialien auswählen und ihre Projekte gemeinsam mit dem Team planen können. Nach eigenen Angaben wurden die maßgefertigten Lösungen bereits bei mehr als 10.000 Kunden eingesetzt.
Spreewälder BioMühle – regionale Wertschöpfung bis ins Bio-Regal
Hirse gehört zu den ältesten Kulturpflanzen, spielt auf deutschen Äckern bislang aber nur eine Nebenrolle. Dabei benötigt sie vergleichsweise wenig Wasser, kommt gut mit längeren Trockenperioden zurecht und ist von Natur aus glutenfrei. Im Spreewald soll daraus nun wieder ein regionales Lebensmittel mit eigener Wertschöpfungskette werden. Die Spreewälder BioMühle verarbeitet Hirse und weitere Feldfrüchte aus Brandenburg und vermarktet daraus erzeugte Produkte unter der Marke Höfemühle Spreewald.
Die heutige Gesellschaft wurde 2024 gegründet, der Mühlenstandort in Kolkwitz-Krieschow selbst ist jedoch deutlich älter. Bereits seit 2004 wurde dort eine Hirsemühle betrieben. Als der bisherige Eigentümer den Verkauf plante, schlossen sich fünf Landwirtschaftsbetriebe, zwei Großhändler und die Regionalwert AG Berlin-Brandenburg zusammen und übernahmen den Betrieb. Seit dem 1. März 2025 läuft die Mühle unter neuer Gesellschaft, neuer Geschäftsführung und erweitertem Konzept weiter. Geschäftsführer ist Thomas Büssert. Die Regionalwert AG hält 40 Prozent der Anteile und übernimmt neben der Finanzierung auch eine vernetzende Funktion zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel.
Die Besonderheit liegt in der Eigentümerstruktur. Ein Teil der Landwirte, deren Ernte in der Mühle verarbeitet wird, ist zugleich am Unternehmen beteiligt. Auch der Handel sitzt mit am Tisch. Dadurch werden Anbau, Verarbeitung und Absatz von Beginn an gemeinsam geplant. Die Mühle kauft und verarbeitet vor allem Rohware aus Brandenburg, bereitet sie auf, verpackt sie und bringt die Produkte über den Naturkostfachhandel in den Verkauf. Erhältlich sind sie unter anderem bei Bio Company und in Bioläden in Berlin und Nordostdeutschland.
Gestartet ist die neue Höfemühle mit Goldhirse, inzwischen gehören auch Hirseflocken und Buchweizen zum Sortiment. Weitere Getreide und Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Amaranth, Hafer oder Dinkel sollen folgen. Bei der Hirse bleibt jede Charge getrennt, ein QR-Code auf der Verpackung macht die Herkunft bis zum jeweiligen Landwirtschaftsbetrieb nachvollziehbar. Beim Buchweizen zeigt sich zugleich, wie das Netzwerk schrittweise ausgebaut wird. 2025 wuchs er auf rund 34 Hektar bei beteiligten Betrieben, wurde dort getrocknet und gelagert, anschließend bei einem Partner geschält und schließlich wieder von der Spreewälder BioMühle abgepackt.
Die vorhandene Mühlentechnik ermöglicht bereits größere Mengen. In der Erntesaison 2025 nahm der Betrieb rund 500 Tonnen Hirse an und damit etwa doppelt so viel wie in den Vorjahren am alten Standort. Neben dem Verkauf eigener Produkte schafft die Mühle damit eine regionale Verarbeitungskapazität, ohne die Landwirte ihre Ernte über deutlich längere Wege vermarkten müssten. Unterstützt wird der Aufbau dieser Wertschöpfungskette durch das Land Brandenburg und Mittel der Europäischen Union aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Das dazugehörige Projekt läuft bis 2028.
Sizeless – mitwachsende Kinderschuhe
Bei Kinderschuhen ist die Nutzungsdauer oft erstaunlich kurz. Kaum sitzt ein Paar richtig, sind die Füße schon wieder gewachsen. Sizeless entwickelt deshalb Schuhe, deren Länge nachträglich angepasst werden kann. Ein in die Sohle integrierter Mechanismus lässt sich stufenlos um acht Millimeter verstellen und deckt damit zwei Schuhgrößen ab. Eltern müssen so nicht vorsorglich zu groß kaufen, gleichzeitig kann ein Paar deutlich länger getragen werden.
Gegründet wurde Sizeless 2025 von Alexander Schemel, Leander Peters und Louis Smith in Köln. Die Idee entstand bereits 2023 im Rahmen einer Open-Innovation-Challenge des Schweizer Schuhherstellers On. Schemel und Peters entwickelten dort das Konzept eines größenverstellbaren Kinderschuhs und gewannen den Wettbewerb. Anschließend entstanden an der Deutschen Sporthochschule Köln erste Prototypen, die gemeinsam mit Fachleuten aus Biomechanik und Orthopädie weiterentwickelt und mit Familien im Alltag getestet wurden.
Für den weiteren Aufbau erhielt das Team 2025 eine EXIST-Förderung. Dadurch konnten sich die Gründer vollständig auf die Produktentwicklung konzentrieren und Schuhdesigner Louis Smith in das Team aufnehmen. Parallel kam ein Entwicklungspartner in Portugal hinzu, über den Sizeless Zugang zu Produktionsanlagen und Erfahrung aus der Schuhfertigung erhielt. Im September 2025 meldete das Unternehmen den Verstellmechanismus zum Patent an und sicherte ihn zusätzlich über ein Gebrauchsmuster ab.
Die erste größere Produktionsserie finanzierte Sizeless zusätzlich über Kickstarter. Für die Kampagne im Frühjahr 2026 setzte das Unternehmen ein Ziel von 8.000 Euro. Am Ende beteiligten sich 193 Unterstützer mit insgesamt 17.861 Euro. Im Juli 2026 folgte die erste regulär verfügbare Kollektion.
Vertrieben werden die Schuhe direkt über den eigenen Onlineshop. Die Modelle Galaxy, Reef und Sprout kosten jeweils 99,99 Euro. Neben der Längenverstellung setzt Sizeless auf eine flexible Sohle und eine breite Zehenbox, damit der Fuß während der längeren Nutzungsdauer ausreichend Bewegungsfreiheit behält. Ergänzend zum Onlinevertrieb nutzt das Unternehmen Pop-up-Flächen, auf denen Familien die Schuhe anprobieren und den Verstellmechanismus direkt ausprobieren können.
beZUG – hygienischer Kissenbezug für den ICE
Wer regelmäßig mit dem ICE fährt, kennt die kleinen Kopfkissen an den Sitzen. Genau daraus entstand in Stuttgart eine überraschend einfache Geschäftsidee. beZUG bietet einen waschbaren persönlichen Kissenbezug an, der über die vorhandenen ICE-Kissen gezogen und nach der Fahrt wieder eingepackt wird. Der elastische Baumwollstoff und ein eingenähter Gummizug sorgen dafür, dass derselbe Bezug auf die unterschiedlichen Kissenformen der ICE-Baureihen passt. Geliefert wird er in einem kleinen Schutzbeutel für unterwegs.
Gegründet wurde die beZUG UG im November 2025 von Johanna und Stefan Hoeflich aus Stuttgart. Ausgangspunkt waren Stefans tägliche Fahrten zwischen Stuttgart und Mannheim. Weil er die Kopfkissen im Zug ungern nutzte, suchte das Ehepaar zunächst nach einem passenden Überzug und fand keinen. Johanna Hoeflich, die einige Jahre zuvor einen Nähkurs besucht hatte, begann daraufhin, selbst zu experimentieren. Stefan vermaß morgens die ICE-Kissen, während zu Hause auf den Zeichenblöcken der Kinder erste Schnittmuster entstanden. Mehrere Prototypen wurden direkt im Zug getestet. Durchgesetzt hat sich schließlich die fünfte Version, deren Prinzip Hoeflich mit einem Spannbettlaken vergleicht.
Zum Unternehmen wurde das Nähprojekt erst durch die Reaktionen im persönlichen Umfeld. Freunde und Bekannte wollten eigene Exemplare bestellen und zeigten damit, dass das sehr spezielle Problem eine größere Zielgruppe haben könnte. Auch der Markenname entstand aus dem Produkt selbst. Aus dem Kissenbezug für den Zug wurde schlicht beZUG. Um das Konzept gegen direkte Nachahmungen abzusichern, ließ das Unternehmen ein Gebrauchsmuster für waschbare und wiederverwendbare Bezüge für ICE-Kissen eintragen.
Der Verkauf erfolgt bislang vor allem direkt über den eigenen Onlineshop. Ein Bezug kostet 14,95 Euro. Der verwendete Baumwolljersey ist nach OEKO-TEX Standard 100 zertifiziert, waschbar und auf eine wiederholte Nutzung ausgelegt. Produziert wird in Europa. Ursprünglich suchten die Gründer nach einer deutschen Lohnnäherei, stießen dort jedoch auf lange Vorlaufzeiten und fanden schließlich einen Produktionspartner in Tschechien. Schon kleine Sortimentserweiterungen müssen dabei sorgfältig geplant werden. Die Mindestbestellmenge für einen Stoff liegt nach Angaben Hoeflichs bei 100 Metern, woraus rund 500 Bezüge entstehen. Das Unternehmen ist bislang eigenfinanziert.
Neben dem Verkauf an Reisende öffnet beZUG das Produkt auch für Geschäftskunden. Unternehmen können Bezüge und Verpackungen individualisieren und mit einem eigenen Branding versehen lassen. Damit eignet sich das Produkt beispielsweise als Reiseaccessoire für Mitarbeiter oder als Werbegeschenk. Parallel spricht das Unternehmen Händler an Bahnhöfen an, um den Bezug künftig auch dort anzubieten, wo Reisende ihn unmittelbar vor der Fahrt kaufen können.
DishDrop – Plattform für Gerichte statt Restaurants
Ein Restaurant mit hervorragenden Bewertungen muss nicht automatisch die beste Carbonara der Stadt servieren. Genau an dieser Lücke setzt DishDrop an. Statt Restaurants als Ganzes zu bewerten, konzentriert sich die Plattform auf einzelne Gerichte. Nutzer können Speisen mit bis zu fünf Sternen bewerten, Fotos und Erfahrungen teilen und gezielt danach suchen, welches Gericht sich in einem bestimmten Restaurant oder einer Stadt lohnt. Eine Kartenansicht, Filter nach Küche und Kategorie sowie Bestenlisten sollen aus den einzelnen Bewertungen nach und nach eine kulinarische Landkarte entstehen lassen.
DishDrop wurde 2026 vom damals 22-jährigen Hildesheimer Bertin Kabanda gestartet. Die erste Version erschien am 25. Juni im Apple App Store. Kabanda entwickelte die Anwendung innerhalb von rund drei Monaten weitgehend allein. Zu Beginn konnte er nach eigenen Angaben nicht programmieren und arbeitete sich mithilfe von KI-Werkzeugen wie ChatGPT und Claude in Entwicklung, Gestaltung und Fehlersuche ein. Auf diese Weise entstand das Produkt zunächst ohne klassisches Entwicklerteam. Als Anbieter der App tritt Kabanda selbst auf.
Die Community liefert gleichzeitig den wesentlichen Inhalt der Plattform. Nutzer tragen neue Gerichte ein, laden Bilder hoch und bewerten ihre Erfahrungen. Hinzu kommen Profile für Food-Creator, Merklisten, wöchentliche Challenges und Auszeichnungen für besonders aktive Mitglieder. DishDrop kann dadurch auch kleinere Restaurants oder einzelne Spezialitäten sichtbar machen, die in einer allgemeinen Restaurantbewertung leicht untergehen. Kurz nach dem Start zählte die Plattform 41 registrierte Nutzer und 57 bewertete Gerichte. Für den weiteren Aufbau spricht Kabanda gezielt Food-Creator und Restaurants an und verteilt unter anderem Tischkarten vor Ort.
Noch befindet sich auch das Erlösmodell in der Aufbauphase. Die App ist kostenlos und erzielt derzeit keine Umsätze. Statt Restaurants für eine bessere Platzierung zahlen zu lassen oder Bewertungsdaten an Gastronomiebetriebe zu verkaufen, plant Kabanda zunächst kostenpflichtige Zusatzfunktionen für die Nutzer. Welche Funktionen und Preise daraus entstehen, steht noch nicht fest. Der Wert der Plattform soll zunächst über die wachsende Zahl an Bewertungen, Fotos und wiederkehrenden Nutzern entstehen.
Parallel wird die Anwendung funktional erweitert. Bereits integriert sind personalisierte Empfehlungen, eine KI-gestützte Hilfe beim Formulieren von Bewertungen, Rankings und ein Creator-System. Bisher ist DishDrop vor allem über iOS verfügbar, weitere Plattformen sollen folgen. Der Ansatz verschiebt damit die bekannte Logik von Google Maps oder Tripadvisor um eine Ebene. Gesucht wird nicht mehr nur nach einem guten Italiener oder Burgerladen, sondern unmittelbar nach der Lasagne, dem Ramen oder dem Curry, für das sich ein Besuch lohnt.

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Auf zu unseren 7 interessanten Geschäftsideen aus dem August 2026.