Mehr als 1.000 Teilnehmer verzeichnete das diesjährige International Impact Forum in Frankfurt am Main, so die Bilanz des Hauptsponsors DN Group AG vom 29. Mai 2026. Eine unabhängige Erhebung der Besucherzahl gibt es nicht. Auf der Agenda standen Paneldiskussionen mit dem früheren Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der Bertelsmann-Stiftungsvorstandsvorsitzenden Dr. Brigitte Mohn und der Gründerin Lea-Sophie Cramer. Das Motto lautete „Bridging Purpose and Performance“.
Nach Veranstalterangaben markiert die Teilnehmerzahl einen Höchststand für die Reihe.
Wer sprach auf dem Podium?
Den Auftakt bildete eine Runde zu Unternehmertum und Verantwortung. Dr. Brigitte Mohn verwies dabei auf die Geschichte ihres Hauses: „Soziale Verantwortung und unternehmerisches Handeln leben wir seit 7 Generationen auch in der Familie und im Unternehmen Bertelsmann. Soziale Verantwortung geht über die Verantwortung für das Unternehmen deutlich hinaus.“
Wolfgang Grupp stellte die Vorbildfunktion von Unternehmern in den Mittelpunkt. „Es ist wichtig, als Unternehmer eine Vorbildfunktion für seine Mitarbeiter zu haben. Dazu gehört auch, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen und entfalten können“, sagte er.
Zum Verhältnis von Ressourcen und Erfolg ergänzte Grupp: „Je nachhaltiger ich mit den Ressourcen umgehe, desto besser geht es den Menschen, der Gesellschaft und damit unserem Unternehmen.“
Lea-Sophie Cramer argumentierte aus Sicht einer Start-up-Investorin: „Die Unternehmen, die Haltung zeigen und Nachhaltigkeit konsequent in den Fokus nehmen, werden belohnt. Somit ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Erfolgsfaktor.“ Sämtliche Rollenbezeichnungen der Panelisten stammen aus der Veranstaltungsbilanz der DN Group AG.
Welche Themen prägten die weiteren Panels?
Ein zweites Panel befasste sich mit dem Zustand des Impact Investings in Deutschland und international. Teilnehmer waren nach Angaben der DN Group AG deren Vorstand Dr. Andreas Rickert, die Investorin Kelley Luyken, die Geschäftsführerin der Bundesinitiative Impact Investing Susanne Bregy sowie die EBRD-Geschäftsführerin Maya Hennerkes.
Nach Darstellung des Veranstalters kam die Runde überein, dass Impact Investments keine Nische mehr darstellen. Gefordert wurde zudem, deutlich mehr privates Kapital für die Finanzierung von Nachhaltigkeitsprojekten zu mobilisieren.
Der Hinweis auf private Mittel zielt auf eine bekannte Finanzierungslücke. Öffentliche Haushalte und Entwicklungsbanken decken nur einen Teil des Kapitalbedarfs, der für Klima- und Infrastrukturprojekte veranschlagt wird. Institutionelle Anleger verfügen über entsprechende Volumina, verlangen jedoch belastbare Risiko- und Renditeprofile.
Am Nachmittag stellten mehrere Portfoliounternehmen ihre Geschäftsmodelle vor, darunter Soapeya, Algene und Epix Sports. Solche Präsentationsblöcke dienen bei Investorenveranstaltungen dazu, Beteiligungen einem institutionellen Publikum vorzustellen.
Die genannten Unternehmen stehen für unterschiedliche Segmente. Soapeya ist ein Hygieneprodukt der SW Save the Water GmbH, Algene produziert hochreine Mikroalgen, Epix Sports ist im Sportbereich tätig. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zum Beteiligungskreis des Hauptsponsors gehören.
Eine Trennung zwischen Fachprogramm und Investorenkommunikation lässt sich bei gesponserten Formaten daher nicht scharf ziehen. Teilnehmer erhalten Fachbeiträge und Unternehmenspräsentationen im selben Rahmen.
Wie groß ist der deutsche Impact-Investing-Markt?
Zahlen zur Marktgröße liefert die Marktstudie der Bundesinitiative Impact Investing, erstellt gemeinsam mit Prof. Dr. Timo Busch von der Universität Hamburg, Advanced Impact Research und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.
- Das selbstdeklarierte Volumen an Impact Assets lag bei 38,9 Milliarden Euro.
- Zwei Jahre zuvor hatte die Vorgängerbefragung 17,3 Milliarden Euro ausgewiesen.
- Nach strengeren Definitionen gilt lediglich etwa ein Drittel dieses Volumens als impact-kompatibel.
Diese Einschränkung ist bemerkenswert, weil sie die Lücke zwischen Selbstauskunft und methodisch enger Zuordnung sichtbar macht. Mehr als eine Verdopplung des gemeldeten Volumens innerhalb von zwei Jahren sagt daher wenig darüber aus, wie viel Kapital tatsächlich zusätzliche Wirkung erzeugt.
Erhoben wurden die Daten per Online-Befragung unter Investoren. Wie eine Auswertung zum Impact Investing festhält, liefern Selbstauskünfte dieser Art einen Marktüberblick, ersetzen jedoch keine geprüften Angaben, weil weder Definitionen noch Erfassungsgrenzen einheitlich vorgegeben sind.
Worin sich Impact Investing von ESG-Anlagen unterscheidet
ESG-Kriterien beschreiben, wie ein Unternehmen mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Fragen umgeht. Sie dienen häufig dazu, Risiken zu bewerten oder Titel auszuschließen.
Impact Investing setzt zusätzlich voraus, dass eine Wirkung beabsichtigt und messbar ist. Genau an dieser Messbarkeit setzt die Kritik an, die auch die Marktstudie der Bundesinitiative aufgreift.
Ein zweiter Unterschied betrifft die Anlageklasse. ESG-Kriterien lassen sich auf börsennotierte Aktien und Anleihen anwenden, während Wirkungsinvestments häufig in nicht börsennotierte Unternehmen fließen, wo Kapital direkt neue Vorhaben finanziert.
Für Anleger ergibt sich daraus eine praktische Prüffrage: Lässt sich beziffern, welche Veränderung durch das eingesetzte Kapital entstanden ist, und wäre diese Veränderung ohne das Investment ausgeblieben. Anbieter beantworten diese Frage bislang unterschiedlich detailliert.
Erschwert wird die Beurteilung durch fehlende einheitliche Standards. Anders als bei Finanzkennzahlen existiert für Wirkungsdaten keine verbindliche Berichtspflicht mit geprüften Werten, wie die Studie der Bertelsmann Stiftung zum deutschen Markt festhält. Unternehmen wählen Indikatoren und Bezugsgrößen weitgehend selbst.
Die Panelforderung nach mehr privatem Kapital trifft damit auf ein ungelöstes Messproblem. Solange Wirkung unterschiedlich definiert wird, lassen sich Angebote nur begrenzt miteinander vergleichen.
Aussagen der DN Group AG
Ole Nixdorff, CEO der DN Group AG, fasste die Veranstaltung so zusammen: „Wir haben es heute in nahezu jedem Panel gehört: Die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist nicht mehr zu stoppen. Je komplexer und herausfordernder die globalen Krisen werden, desto wichtiger sind Impact-Unternehmen, die einen klar positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft haben.“
Messbare soziale und ökologische Wirkung und ökonomische Rendite gingen dabei Hand in Hand, so Nixdorff weiter. Solche Bewertungen geben die Position des Hauptsponsors wieder. Eine unabhängige Auswertung der Veranstaltungsinhalte liegt nicht vor.
Die Gesellschaft investiert nach eigenen Angaben in Impact-Unternehmen aus Branchen wie Mobilität, zirkuläre Ökonomie, Ernährung, Gesundheit und Energie, darunter das in Krisenregionen eingesetzte Portfoliounternehmen Save the Water. Sponsoring-Aufwendungen für das Forum hat sie nicht beziffert.
Wie geht die Veranstaltungsreihe weiter?
Das Forum ist als Reihe mit mehreren Stationen im Jahr angelegt. Den Jahresauftakt 2026 bildete eine Ausgabe in Monaco mit rund 200 Teilnehmern und Schwerpunkt auf Circular und Blue Economy.
Die nächste Station ist für den 24. September 2026 in Zürich angesetzt. Als Termine des International Impact Forum sind Frankfurt und Zürich für das laufende Jahr verzeichnet; als Frankfurter Datum wird dort der 20. Mai 2026 geführt.
Frühere Ausgaben fanden unter anderem in Abu Dhabi statt. Das Format richtet sich an Fund- und Assetmanager, Family Offices, Stiftungen sowie Vertreter aus Politik und Wissenschaft.
Begleitend betreibt das Forum einen Podcast mit dem Titel „Shift Happens“, in dem Beiträge aus Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Gesellschaft aufgegriffen werden. Solche Formate verlängern die Reichweite einer Veranstaltungsreihe über die einzelnen Termine hinaus.
Für Frankfurt als Finanzplatz hat die Ansiedlung der Hauptveranstaltung einen eigenen Wert. Mit mehr als 1.000 Teilnehmern erreicht das Forum eine Größenordnung, die es von kleineren Fachkonferenzen abhebt.
Bilanz der Veranstaltung
Mit über 1.000 Teilnehmern hat das International Impact Forum in Frankfurt die bislang größte Ausgabe der Reihe erreicht. Inhaltlich dominierte die Frage, wie sich unternehmerische Verantwortung und Rendite verbinden lassen, unterlegt durch Beiträge bekannter Unternehmerpersönlichkeiten. Die Marktzahlen der Bundesinitiative Impact Investing zeigen zugleich, dass die Abgrenzung echter Wirkungsinvestments weiterhin umstritten ist. Für die DN Group AG als Hauptsponsor bleibt Zürich im September die nächste Gelegenheit, das Format fortzuführen.