Gründerinnen: AVGS für Frauen nach Elternzeit oder Familienphase

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Elternzeit oder längeren Familienphase stellt viele Frauen vor besondere Herausforderungen. Häufig haben sich berufliche Ziele verändert, Qualifikationen müssen aufgefrischt werden oder der Wunsch nach einer selbstbestimmten Tätigkeit ist entstanden. In diesem Kontext gewinnt der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) zunehmend an Bedeutung. Er bietet Frauen nach der Elternzeit oder einer Familienphase die Möglichkeit, sich gezielt auf eine neue berufliche Perspektive – insbesondere auf eine Selbstständigkeit – vorzubereiten und dabei professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Dieser Beitrag erläutert, was der AVGS ist, welche Voraussetzungen Frauen nach einer Familienphase erfüllen müssen, wie das AVGS-Coaching abläuft und welche strategischen Vorteile sich daraus für Businessplan, Marketingstrategie und eine mögliche spätere Finanzierung ergeben.

Was ist der AVGS?

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ist ein Förderinstrument der Arbeitsförderung. Er ermöglicht es arbeitslosen oder arbeitssuchenden Personen, kostenfrei an zertifizierten Coaching- und Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen. Ziel ist es, die Chancen auf eine nachhaltige berufliche Eingliederung zu verbessern.

Der AVGS wird von der Bundesagentur für Arbeit oder vom Jobcenter ausgegeben und kann unter anderem für ein Gründungscoaching genutzt werden. Dabei werden angehende Gründerinnen individuell bei der Entwicklung ihres Geschäftsmodells unterstützt.

Ausgangslage von Frauen nach Elternzeit oder Familienphase

Frauen, die nach einer Elternzeit oder längeren Familienphase wieder in das Erwerbsleben einsteigen, befinden sich häufig in einer besonderen Situation:

  • Der frühere Arbeitsplatz ist nicht mehr vorhanden oder passt zeitlich nicht mehr zur familiären Situation.

  • Der berufliche Wiedereinstieg gestaltet sich aufgrund von Teilzeitwünschen oder Betreuungspflichten schwierig.

  • Die Selbstständigkeit erscheint als flexible Alternative zur klassischen Festanstellung.

Gleichzeitig bestehen oft Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Tragfähigkeit einer Gründung, der Finanzierung oder der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum. Genau hier setzt der AVGS an.

Voraussetzungen für Förderung nach der Elternzeit

Grundsätzlich gilt: Ein AVGS ist eine Ermessensleistung. Das bedeutet, es besteht kein automatischer Rechtsanspruch, jedoch gute Bewilligungschancen bei plausibler Begründung.

Typische Voraussetzungen sind:

  • Meldung als arbeitssuchend oder arbeitslos nach Ende der Elternzeit

  • Kein bestehendes sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis

  • Nachvollziehbare berufliche Neuorientierung, z. B. in Richtung Selbstständigkeit

  • Motivation zur aktiven Mitarbeit im Coaching

Wichtig ist, dass die geplante Maßnahme – etwa ein Gründungscoaching – realistische Perspektiven eröffnet und die Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt.

Inhalte eines Gründungscoachings für Frauen

Ein AVGS-Coaching für Frauen nach der Elternzeit ist in der Regel individuell aufgebaut und berücksichtigt die besondere Lebenssituation. Typische Inhalte sind:

  • Entwicklung oder Schärfung der Geschäftsidee

  • Erstellung eines tragfähigen Businessplans

  • Finanzplanung und Liquiditätsrechnung

  • Markt- und Wettbewerbsanalyse

  • Entwicklung einer passenden Marketingstrategie

  • Zeit- und Ressourcenplanung unter Berücksichtigung familiärer Verpflichtungen

Gerade der Businessplan spielt eine zentrale Rolle, da er nicht nur als internes Planungsinstrument dient, sondern auch die Grundlage für spätere Förderanträge oder Bankgespräche bildet.

AVGS als Vorbereitung auf eine Selbstständigkeit

Für viele Frauen ist das AVGS-Coaching der erste strukturierte Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Anders als bei einer sofortigen Gründung bietet der AVGS den Vorteil, dass:

  • kein finanzielles Risiko entsteht,

  • fachliche und betriebswirtschaftliche Lücken geschlossen werden können,

  • die Geschäftsidee realistisch geprüft wird,

  • eine fundierte Entscheidungsgrundlage geschaffen wird.

Nicht jede Teilnehmerin entscheidet sich nach dem Coaching tatsächlich für die Gründung. Auch das ist ein gewünschter Effekt: Ziel ist es, tragfähige Perspektiven zu entwickeln – nicht um jeden Preis zu gründen.

Verbindung von AVGS, Businessplan und Finanzierung

Ein wesentlicher Mehrwert des Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins liegt in der professionellen Vorbereitung auf spätere Finanzierungsschritte. Banken und Förderstellen erwarten einen strukturierten Businessplan mit nachvollziehbarer Finanzplanung. Frauen nach der Elternzeit profitieren hier besonders von der fachlichen Begleitung.

Im Coaching werden unter anderem folgende Aspekte erarbeitet:

  • realistische Umsatz- und Kostenannahmen,

  • Berücksichtigung von Teilzeitmodellen und Betreuungszeiten,

  • Planung von Anlaufphasen mit geringeren Einnahmen,

  • Darstellung des Kapitalbedarfs.

Auf dieser Basis kann später ein gefördertes Darlehen beantragt werden, etwa zur Finanzierung von Investitionen oder zur Sicherung der Liquidität in der Startphase. Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein selbst ist zwar keine direkte Finanzierung, erhöht jedoch die Erfolgschancen erheblich.

Sie möchten prüfen, ob ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für Ihre Situation infrage kommt?
Nutzen Sie unsere Beratersuche und finden Sie einen erfahrenen Ansprechpartner, der Sie zu AVGS, Businessplan und Gründungswegen berät.

Berater suchen

Redaktionstipp: Auf unserer Übersichtsseite zur Gründung aus ALG I und Bürgergeld finden Sie gebündelte Informationen zu Voraussetzungen, Fördermöglichkeiten und typischen Abläufen beim Schritt in die Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit. Die Seite bietet eine strukturierte Orientierung für Gründerinnen und Gründer, die Leistungen der Arbeitsagentur mit einer beruflichen Neuorientierung verbinden möchten.

Das Familienportal des Bundes bietet umfassende und verlässliche Informationen rund um Elternzeit, Elterngeld und die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit. Es unterstützt Eltern insbesondere beim Übergang von der Elternzeit zurück in das Berufsleben und bei der Orientierung zu staatlichen Leistungen.

Marketingstrategie unter besonderen Rahmenbedingungen

Ein zentrales Thema für Frauen nach der Familienphase ist die Frage, wie Marketing mit begrenzten zeitlichen Ressourcen umgesetzt werden kann. Im AVGS-Coaching wird daher häufig eine Marketingstrategie entwickelt, die:

  • auf langfristige Sichtbarkeit statt kurzfristige Werbemaßnahmen setzt,

  • digitale Kanäle effizient nutzt,

  • automatisierbare Prozesse einbindet,

  • realistisch in den Familienalltag integrierbar ist.

Diese strategische Herangehensweise stärkt nicht nur die unternehmerische Stabilität, sondern wirkt sich auch positiv auf die Bewertung durch Förderstellen aus.

Abgrenzung zu anderen Förderinstrumenten

Der AVGS unterscheidet sich klar von anderen Förderungen wie dem Gründungszuschuss, dem Einstiegsgeld oder einem Förderdarlehen. Während diese auf die finanzielle Unterstützung nach oder während der Gründung abzielen, setzt der AVGS deutlich früher an.

Er eignet sich besonders für Frauen, die:

  • sich noch in der Orientierungsphase befinden,

  • ihre Geschäftsidee professionell prüfen möchten,

  • eine fundierte Entscheidungsgrundlage benötigen,

  • nach der Elternzeit strukturiert neu starten wollen.

In vielen Fällen ist der AVGS der logische erste Schritt, bevor weitere Förderinstrumente genutzt werden.

Fazit

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein bietet Frauen nach der Elternzeit oder einer Familienphase eine wertvolle Möglichkeit, den beruflichen Neustart strukturiert und risikofrei anzugehen. Insbesondere für Frauen mit Gründungsinteresse stellt das geförderte Coaching eine sinnvolle Brücke zwischen Familienphase und unternehmerischer Tätigkeit dar.

Durch die professionelle Unterstützung bei Businessplan, Finanzplanung und Marketingstrategie entsteht ein realistisches und tragfähiges Fundament für die Selbstständigkeit. Gleichzeitig werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um später erfolgreich ein gefördertes Darlehen oder weitere Fördermittel zu beantragen.

Wer den Wiedereinstieg aktiv gestalten und langfristig tragfähige Perspektiven entwickeln möchte, sollte den AVGS daher frühzeitig in die eigene Planung einbeziehen.

Sie möchten Ihren beruflichen Neustart nach der Elternzeit professionell planen?
Nehmen Sie jetzt Kontakt zu uns auf. In einem kostenlosen und unverbindlichen Gespräch klären wir, wie ein AVGS-Coaching Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen kann.

Kontakt aufnehmen

FAQ

Was ist ein AVGS und wofür kann er genutzt werden?
Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ermöglicht die kostenfreie Teilnahme an zertifizierten Coachings, unter anderem zur Vorbereitung einer Selbstständigkeit.

Können Frauen nach der Elternzeit einen AVGS erhalten?
Ja, wenn sie arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet sind und eine berufliche Neuorientierung anstreben, bestehen gute Chancen auf eine Bewilligung.

Besteht ein Rechtsanspruch auf den AVGS?
Nein, der AVGS ist eine Ermessensleistung. Die Entscheidung trifft die zuständige Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.

Welche Inhalte umfasst ein AVGS-Gründungscoaching?
Typische Inhalte sind die Entwicklung der Geschäftsidee, Businessplan-Erstellung, Finanzplanung, Marketingstrategie und die Vorbereitung auf Fördermittel.

Ist der AVGS eine finanzielle Förderung?
Nein, der AVGS ersetzt keine Finanzierung. Er finanziert das Coaching, das auf eine spätere Gründung oder Beschäftigung vorbereitet.

Kann nach dem AVGS ein Förderdarlehen beantragt werden?
Ja, ein professionell erarbeiteter Businessplan aus dem Coaching kann die Grundlage für die Beantragung eines geförderten Darlehens sein.

Unser kostenfreier Gründer-Service für Sie!

Schreiben Sie einen Kommentar