Für viele Existenzgründer gilt es als sehr attraktiv, sich mit einem eigenen Mode-Label selbstständig zu machen. Insbesondere textilaffine Personen haben einen Bezug zum Produkt und generieren viele Ideen, um Designs zu entwickeln und diese auf den Markt zu bringen.
Stellvertretend für die Modebranche soll anhand von Streetwear veranschaulicht werden, wie eine Kalkulation und die Erstellung eines Finanzplans im Modebereich angegangen werden kann. Denn die Aufnahme von Fremdkapital ist für viele Existenzgründer notwendig, um in die Selbstständigkeit zu gehen. Ein Finanzplan ist erforderlich, um z.B. ein staatlich gefördertes Gründerdarlehen zu erhalten.
Streetwear hat sich von einer urbanen Subkultur zu einem festen Bestandteil der internationalen Modebranche entwickelt. Sie steht heute nicht mehr nur für bequeme Kleidung, sondern für Haltung, Zugehörigkeit, Wiedererkennung und persönlichen Ausdruck. Gerade im Premiumsegment kaufen Kunden nicht allein Stoff, Schnitt und Verarbeitung. Sie entscheiden sich für Marken, mit denen sie sich identifizieren können. Mit einem eigenen Mode-Label kann man eine Premium-Streetwear-Marke aufbauen, die genau an diesem Punkt ansetzt. Eine kreierte Marke verbindet hochwertige Produkte mit einer klaren Identität, einem sichtbaren Markenauftritt und einer modernen Designsprache. Der Einstieg in den Markt kann sinnvoll sein, weil Streetwear weiterhin stark nachgefragt wird, digitale Vertriebswege den Markteintritt erleichtern und Kunden zunehmend Marken suchen, die über das reine Produkt hinaus Bedeutung schaffen.
Vorbereitung zur Erstellung eines Finanzplans für ein Förderdarlehen
Ein bankenfähiger Finanzplan ist ein wichtiger Bestandteil für die Beantragung eines Förderdarlehens im Rahmen einer Existenzgründung. Dieser Finanzplan prognostiziert die wichtigsten betrieblichen Kennzahlen eines gegründeten oder auch eines bereits bestehenden Unternehmens für die nächsten drei Geschäftsjahre ab. Da neu gegründete Unternehmen oder sogenannte Jungunternehmen, die noch nicht lange am Markt agieren, noch keine Jahresabschlüsse oder Bilanzen vorzeigen können, gilt der Finanzplan als Grundlage zur Prüfung der Vergabe von einem Gründerdarlehen.
Als Vorbereitung zur Erstellung eines Finanzplans muss man sich als Gründer oder abgehender Selbstständiger mit den folgenden wichtigen Fragestellungen beschäftigen:
- Wie soll das Produktportfolio aussehen? Sind T-Shirts, Hoodies, Jogger, Hosen oder andere Kategorien geplant?
- In welchem Design sollen die Kleidungsstücke produziert werden?
- Zu welchem Verkaufspreis können die Textilien vermarktet werden? Wo sollen diese produziert werden und wie hoch ist der Einkaufspreis?
- Wie viele Käufe sind pro Tag/ Woche/ Monat realistisch?
- Welche Umsätze ergeben sich daraus?
- Wie hoch sind die laufenden Kosten für das Unternehmen?
- Welche steuerlichen Abgaben, wie z.B. die Gewerbesteuer, sind zu berücksichtigen?
Förderbanken oder auch andere potentielle Finanzierer möchten natürlich schnell erkennen können, wie rentabel ein im Businessplan und im Finanzplan vorgestelltes Geschäftsmodell ist. Insbesondere ist entscheidend, ob man mit der Selbstständigkeit dauerhaft ausreichende Gewinne erzielt, um das Förderdarlehen zurückzahlen zu können. Daher müssen die oben genannten Fragestellungen in einem bankfähigen Finanzplan schlüssig wiedergegeben werden.
Finanzplan-Erstellung für ein Mode-Label
Um ein staatlich gefördertes Darlehen beantragen zu können, muss neben einem schriftlichen Teil eines Businessplans ebenfalls ein bankenfähiger Finanzplan erstellt werden. Dieser muss die folgenden Bestandteile enthalten:
- Investitionsplan/ Kapitalbedarfsplan: hier wird zusammengetragen, welche Investitionen getätigt werden müssen, um erfolgreich in die Selbstständigkeit mit einem Mode-Label starten zu können. Im Textilbereich sind dies natürlich in erster Linie die Kleidungsstücke an sich, die produziert werden müssen. Vorgelagert muss ggfs. die Erstellung der ersten Designs sowie die Produktion von Samples/ Prototypen finanziert werden. Zusätzlich können Kosten für die Anmietung einer kleinen Lagerfläche anfallen. Ein großer Kostenblock besteht in den Ausgaben zur Umsetzung einer Marketingstrategie. Diese sorgt für die Sichtbarkeit und den nachhaltigen Aufbau der Marke.
- Umsatzentwicklung: Hier ist abzubilden, mit welcher Anzahl an Verkäufen der einzelnen Produktkategorien man pro Monate rechnet. Verknüpft wird dies mit dem durchschnittlichen Verkaufspreispreis pro Kategorie (T-Shirt, Hoodie etc.). Daraus ergibt sich der monatliche und jährliche Netto-Umsatz.
- Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung): in dieser werden neben dem kalkulierten Umsatz auch die Kosten für den Warenbezug, also für die Produktion der Textilien, berücksichtigt. Zudem werden etwaige Personalkosten im Arbeitgeberbrutto angesetzt. Hinzu kommen die laufenden betrieblichen Kosten wie Miete, Reisekosten, Software, Marketing etc. Auch die Zinsen für ein gefördertes Darlehen, Abschreibungen sowie eventuelle Steuerabgaben je nach Rechtsform und Standort des Unternehmens sind in der Rentabilitätsvorschau zu berücksichtigen. So wird der monatliche und jährliche Gewinn des Unternehmens errechnet.
- Cash-Flow und Liquiditätsplanung: Es ist sehr wichtig, den Bestand an Liquidität eines Unternehmens zu kalkulieren. Denn ohne vorhanden liquide Mittel kann ein Unternehmen nicht agieren. Die Liquiditätsplanung ergibt sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung und wird noch um Zahlungsziele (z.B. für den Warenbezug) sowie Steuerzahlungen und -rückerstattungen ergänzt.
- Tilgungsplan: in diesem wird der sogenannte Kapitaldienst berechnet. Hier wird die Summe aus den Zinsen für das Darlehen sowie der monatlichen Tilgungsrate gebildet. So sieht man, welche monatliche Gesamtrate im Zeitverlauf an die Bank zurückzuzahlen ist.
- Abschreibungen. Einige Investitionen, wie z.B. ein Firmen-Kfz, können über einen definierten Zeitraum abgeschrieben werden. Hierzu gibt es veröffentlichte Abschreibungstabellen, an denen man sich orientieren kann.
All diese Parameter des Finanzplans müssen auf Monatsbasis für die ersten drei Geschäftsjahre nach der Existenzgründung oder bei einem Bestandsunternehmen nach dem Erhalt des Darlehens abgebildet werden. Für die Erstellung eines Finanzplans kann man auf eine staatlich geförderte Existenzgründungsberatung zurückgegriffen werden. Im Rahmen dieser Beratung unterstützen erfahrene Gründungsberater bei der Kalkulation der Zahlenwerke.
Gründerfinanzierung – Kapitalbedarfsplan erstellen
Im Bereich der Existenzgründung im Modebereich kann man von einem sechsstelligen Betrag ausgehen, wenn man mit einem umfassenden Portfolio in die Selbstständigkeit starten möchte. Man sollte die ersten beiden Launches/ Kollektionen durchfinanzieren, um selbige z.B. im Frühjahr und im Herbst zu launchen. Denn es sind lange Vorlauf- und Produktionszeiten zu berücksichtigen. Man sollte im Kapitalbedarfsplan auch nicht davon ausgehen, dass der erste Launch komplett verkauft wird und man aus diesen Einnahmen die nächste Kollektion/ den nächsten Drop bezahlen kann.
Für die Umsetzung einer Marketingstrategie sollten ausreichend finanzielle Mittel eingeplant werden. Über Social Media wie TikTok und Instagram kann sich im Erfolgsfall schnell eine Awareness aufbauen und Begehrlichkeiten nach der Marke geweckt werden. Allerdings sind hierfür entsprechende Ausgaben für die Contentproduktion erforderlich, ebenfalls für begleitende PR-Maßnahmen, später eine Präsenz auf Messen oder anderen Events, auf denen die Marke stattfindet.
Über ein Förderdarlehen, wie z.B. das KfW-StartGeld, können die oben genannten Aufwände finanziert werden. Zur Beantragung eines solchen Gründerdarlehens wird der Finanzplan mit einem aussagekräftigen Businessplan bei der Hausbank eingereicht. Diese wickelt die Bereitstellung des Darlehens mit der KfW ab.
Fazit
Es ist generell sehr wichtig, einen Finanzplan zu erstellen. Diesen kann man für die eigene Planung nutzen, um sich gezielt auf die Zeit nach der Existenzgründung vorzubereiten und sich Meilensteine zu setzen.
Um den Finanzplan in der Form und dem Umfang zu erstellen, wie er von Förderbanken zur Prüfung eines Finanzierungsvorhabens erwartet wird, kann man eine Existenzgründungsberatung in Anspruch nehmen. Diese wird staatlich gefördert. Der Start in die Selbstständigkeit mit einem Mode-Label kann mit der Aufnahme eines Förderdarlehens unterstützt werden. Für die Beantragung dieser Gelder ist der bankfähige Finanzplan unerlässlich.
Sie möchten sich bei Ihrer Finanzplan-Erstellung für die Existenzgründung mit einem Mode-Label beraten lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten. Für die Beratungsleistung können auch staatliche Fördermittel beantragt werden.
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FAQ
Warum ist ein Finanzplan für ein Mode-Label wichtig?
Ein Finanzplan zeigt, ob ein Mode-Label wirtschaftlich tragfähig ist. Er bildet Umsätze, Produktionskosten, Marketingaufwand, laufende Betriebskosten, Liquidität und Kapitalbedarf ab und ist häufig Voraussetzung für die Beantragung eines Förderdarlehens.
Welche Kosten müssen bei einem eigenen Mode-Label eingeplant werden?
Zu den wichtigsten Kosten gehören Designentwicklung, Samples, Produktion der ersten Kollektionen, Warenlager, Verpackung, Onlineshop, Marketing, Contentproduktion, Lagerfläche, Software, Steuerberatung und gegebenenfalls Personal.
Warum ist der Kapitalbedarf bei einem Mode-Label oft hoch?
Mode-Labels müssen häufig in Vorleistung gehen. Stoffe, Produktion, Musterteile, Verpackung, Marketing und Lagerbestand entstehen meist, bevor nennenswerte Umsätze erzielt werden. Deshalb sollte der Kapitalbedarf nicht zu knapp kalkuliert werden.
Welche Rolle spielt Marketing im Finanzplan eines Mode-Labels?
Marketing ist für ein Mode-Label besonders wichtig, weil Sichtbarkeit, Markenidentität und Wiedererkennung entscheidend für den Verkauf sind. Deshalb sollten Ausgaben für Social Media, Contentproduktion, PR, Influencer Marketing und Events realistisch eingeplant werden.
Kann ein Mode-Label mit einem Förderdarlehen finanziert werden?
Ja. Ein Mode-Label kann grundsätzlich mit einem Förderdarlehen finanziert werden, wenn Businessplan und Finanzplan die wirtschaftliche Tragfähigkeit überzeugend darstellen. Die Mittel können häufig für Investitionen und Betriebsmittel eingesetzt werden.
Welche Bestandteile gehören in den Finanzplan für ein Mode-Label?
Ein professioneller Finanzplan enthält Kapitalbedarfsplan, Umsatzplanung, Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplanung, Tilgungsplan und Abschreibungen. Diese Bestandteile sollten auf Monatsbasis für die ersten drei Geschäftsjahre dargestellt werden.