Erfolgreiche Gründerinnen können völlig unterschiedlich auftreten. Manche analysieren Märkte, Zahlen und Geschäftsmodelle bis ins Detail. Andere gewinnen Kunden über Beziehungen und Sichtbarkeit, bauen ihre Marke auf ausgeprägtem Fachwissen auf oder verfolgen eine Vision, die weit über das eigentliche Produkt hinausgeht. Gerade für die eigene Positionierung lohnt sich dieser Vergleich. Denn gutes Marketing entsteht nicht dadurch, dass Gründerinnen den Auftritt anderer Unternehmerinnen kopieren. Interessanter ist die Frage, welche eigenen Stärken sich konsequent in Angebot, Marke und Kommunikation übersetzen lassen.
Dabei geht es nicht darum, Unternehmerinnen in starre Persönlichkeitsschubladen zu stecken. Die folgenden vier Gründerinnen-Typen Strategin, Netzwerkerin, Expertin und Visionärin sind bewusst vereinfachte Archetypen. Die Zuordnung prominenter Gründerinnen ist eine redaktionelle Interpretation ihres öffentlich sichtbaren unternehmerischen Profils und keine psychologische Einordnung der jeweiligen Person.
Gründerinnen bleiben im deutschen Gründungsgeschehen unterrepräsentiert
Dass unterschiedliche weibliche Unternehmerrollen sichtbarer werden, ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen Gründungszahlen relevant. Laut KfW-Gründungsmonitor 2026 lag der Gründerinnenanteil 2025 bei 35 Prozent und damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 39 Prozent. Bei Vollerwerbsgründungen ging der Frauenanteil sogar von 33 auf 27 Prozent zurück. Gleichzeitig weist KfW Research darauf hin, welche Rolle sichtbare Gründungsvorbilder für die Wahrnehmung von Selbstständigkeit spielen können.
Weitere Daten zur Entwicklung der Gründungstätigkeit veröffentlicht KfW Research im aktuellen Gründungsmonitor 2026.
Die Strategin: Wachstum beginnt mit einem klaren Modell
Die Strategin denkt in Zahlen, Strukturen und Zusammenhängen. Sie möchte verstehen, wie ein Geschäftsmodell funktioniert, welche Wachstumshebel vorhanden sind und wo Ressourcen den größten Effekt erzielen. Entscheidungen über Marketingkanäle oder neue Angebote trifft sie eher auf Grundlage von Daten als aus dem Bauch heraus.
Als Beispiel lässt sich Miriam Wohlfarth heranziehen. Sie ist Gründerin und Co-CEO des FinTech-Unternehmens Banxware. Ihr öffentliches unternehmerisches Profil rund um digitale Finanzierungslösungen und den Aufbau skalierbarer Finanzierungsinfrastruktur eignet sich gut, um den Typ der Strategin zu verdeutlichen.
Die Herausforderung dieses Gründerinnen-Typs liegt häufig nicht in fehlender Strategie, sondern in ihrer Kommunikation. Kunden möchten nicht zunächst das gesamte Geschäftsmodell verstehen. Sie müssen schnell erkennen, welches Problem gelöst wird und welchen konkreten Nutzen das Angebot bietet. Strategische Komplexität muss deshalb in eine einfache Positionierung übersetzt werden.
Die Netzwerkerin: Beziehungen werden zum Wachstumskanal
Die Netzwerkerin baut Verbindungen auf, bringt Menschen zusammen und nutzt Sichtbarkeit gezielt als Teil ihrer unternehmerischen Strategie. Kooperationen, Empfehlungen, Veranstaltungen, Community-Aufbau oder persönliche Netzwerke können für sie wesentlich stärkere Vertriebskanäle sein als klassische Werbung.
Ein prominentes Beispiel ist Tijen Onaran. Sie verbindet Unternehmertum und Investments mit Themen wie Sichtbarkeit, Kommunikation, Community-Aufbau und strategischer Positionierung. Damit zeigt ihr öffentliches Profil besonders deutlich, welchen wirtschaftlichen Wert eine konsequent aufgebaute Personenmarke und ein starkes Netzwerk entwickeln können.
Für die Netzwerkerin besteht die Herausforderung häufig darin, Reichweite in eine klare wirtschaftliche Positionierung zu übersetzen. Viele Menschen zu kennen oder sichtbar zu sein, reicht allein nicht aus. Potenzielle Kunden müssen verstehen, wofür das Unternehmen steht, welches Problem es löst und warum gerade dieses Angebot relevant ist.
Die Expertin: Fachwissen schafft Vertrauen
Die Expertin baut ihre Positionierung stark auf Kompetenz und Erfahrung auf. Sie möchte mit Qualität überzeugen und kennt ihr Fachgebiet bis ins Detail. Gerade bei beratungsintensiven Leistungen, B2B-Geschäftsmodellen oder erklärungsbedürftigen Produkten kann dieses Profil einen erheblichen Vertrauensvorsprung schaffen.
Als Beispiel eignet sich Verena Pausder. Sie ist Unternehmerin und Investorin und wurde 2025 erneut als Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands bestätigt. Ihr öffentliches Profil verbindet langjährige unternehmerische Erfahrung mit einer starken fachlichen Positionierung im deutschen Start-up- und Digitalumfeld.
Die Marketingfalle der Expertin besteht häufig darin, zu viel erklären zu wollen. Eine Website kann fachlich hervorragend und trotzdem schwer verständlich sein. Expertise entfaltet ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn potenzielle Kunden erkennen können, welchen konkreten Vorteil dieses Wissen für ihr eigenes Problem bietet.
Von der eigenen Stärke zur klaren Positionierung
Strategische Stärke, Netzwerk, Expertise oder Vision können zu einem wichtigen Bestandteil der Marke werden. Sie ersetzen jedoch keine systematische Positionierung. Im Marketing-Mastery-Positionierungs-Workshop von Deutschland startet werden deshalb unter anderem Zielgruppe, Werteversprechen, Wettbewerb, Alleinstellungsmerkmal und Markenkommunikation miteinander verbunden. Ziel ist nicht, eine künstliche Unternehmerpersönlichkeit aufzubauen, sondern vorhandene Stärken so zu positionieren, dass ihr Wert für die Zielgruppe verständlich wird. Alternativ können Sie auch über die Beratersuche einen passenden Experten für Ihre Positionierung finden:
Die Visionärin: Eine große Idee gibt der Marke Richtung
Die Visionärin denkt vom gewünschten Zukunftsbild aus. Ihr Unternehmen entsteht häufig nicht nur aus einer Marktchance, sondern aus dem Wunsch, eine Branche, ein Verhalten oder ein gesellschaftliches Problem grundlegend zu verändern. Entsprechend stark können Mission und Storytelling ihre Marke prägen.
Ein Beispiel ist Lubomila Jordanova, Gründerin und Geschäftsführerin des Climate-Tech-Unternehmens Plan A. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Verbindung von Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung und wirtschaftlichen Unternehmensdaten. Auch nach der angekündigten Übernahme von Plan A durch Diginex wird Jordanova auf der Unternehmensseite weiterhin als Gründerin und CEO beziehungsweise Geschäftsführerin geführt.
Visionärinnen besitzen häufig eine starke Geschichte. Doch auch eine überzeugende Mission ersetzt keinen Kundennutzen. Aus „Wir wollen eine Branche verändern“ muss für potenzielle Kunden ein konkretes „Deshalb löst unser Angebot Ihr Problem besser“ werden.
Was haben Gründerinnen-Typen mit Archetypen zu tun?
Die vier Typen dieses Beitrags sind keine klassischen Jung-Archetypen. Sie greifen jedoch denselben Grundgedanken auf: Wiederkehrende Muster können dabei helfen, Persönlichkeit, Werte und Kommunikation besser zu verstehen. Wer tiefer in die psychologische Grundlage einsteigen möchte, findet im Beitrag „Die Welt der Archetypen – Psychologie und Marketing vereint“ eine ausführlichere Betrachtung dazu, wie Archetypen für Marken, Zielkundenprofile und Storytelling genutzt werden können.
Dabei gilt jedoch immer: Ein Archetyp ersetzt keine Marktanalyse. Unternehmerpersönlichkeit ist nur ein Teil der Positionierung. Sie muss mit Zielgruppe, Angebot, Wettbewerb und Zahlungsbereitschaft zusammenpassen.
Welcher Gründerinnen-Typ sind Sie?
Die meisten Gründerinnen werden sich nicht ausschließlich einem Typ zuordnen. Eine Strategin kann gleichzeitig ausgezeichnet netzwerken. Eine Expertin kann eine starke Vision besitzen und eine Visionärin ausgesprochen zahlenorientiert arbeiten. Interessanter als eine eindeutige Einordnung ist deshalb die Frage, welche Stärke Kunden bei Ihnen besonders deutlich wahrnehmen sollen.
Daraus lassen sich konkrete Marketingentscheidungen ableiten. Die Strategin kann stärker mit Daten, Ergebnissen und strukturierten Prozessen arbeiten. Für die Netzwerkerin können Kooperationen, Community und persönliche Sichtbarkeit besonders wirkungsvoll sein. Die Expertin kann Vertrauen über Fachartikel, Fallstudien oder Webinare aufbauen. Die Visionärin kann ihre Mission und das Zukunftsbild stärker für Storytelling einsetzen.
Wie daraus ein konsistenter Marktauftritt entsteht, hängt wiederum von Zielgruppe, Angebot und Wettbewerb ab. Eine Marketingstrategie sollte deshalb nicht nur festlegen, wo ein Unternehmen kommuniziert, sondern auch, welche Botschaft dort vermittelt werden soll und warum diese für die gewünschte Zielgruppe relevant ist.
Fazit: Erfolgreiche Gründerinnen müssen nicht gleich auftreten
Strategin, Netzwerkerin, Expertin oder Visionärin: Keiner dieser Gründerinnen-Typen ist grundsätzlich besser für unternehmerischen Erfolg geeignet. Die prominenten Beispiele zeigen vielmehr, wie unterschiedlich unternehmerische Stärken sichtbar werden können.
Für die eigene Positionierung bedeutet das: Gründerinnen müssen weder besonders laut auftreten noch einem bestimmten Bild der erfolgreichen Unternehmerin entsprechen. Entscheidend ist, die eigenen Stärken zu erkennen und daraus einen Marktauftritt zu entwickeln, der gleichzeitig authentisch und wirtschaftlich relevant ist.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: „Welchem erfolgreichen Vorbild sollte ich ähnlicher werden?“ Sondern: „Welche meiner Stärken erzeugt für meine Zielgruppe einen echten Mehrwert und wie mache ich genau diesen Unterschied sichtbar?“
Positionierung und Marketing gezielt weiterentwickeln
Sie möchten Ihre Positionierung schärfen oder wissen noch nicht, wie Sie Ihre Stärken, Zielgruppe und Ihr Angebot überzeugend miteinander verbinden? Dann können Sie über Deutschland startet Kontakt aufnehmen und Ihren individuellen Beratungsbedarf schildern.
FAQ
Welche Gründerinnen-Typen gibt es?
Im Beitrag unterscheiden wir vier vereinfachte Gründerinnen-Typen: Strategin, Netzwerkerin, Expertin und Visionärin. Die Einteilung ist keine wissenschaftliche Persönlichkeitstypologie, sondern ein Modell, mit dem sich unterschiedliche unternehmerische Stärken und deren Bedeutung für Positionierung und Marketing verdeutlichen lassen.
Was zeichnet den Gründerinnen-Typ Strategin aus?
Die Strategin denkt strukturiert, analytisch und wirtschaftlich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Geschäftsmodell, Zahlen, Prozessen und Wachstum. Für diesen Gründerinnen-Typ ist besonders wichtig, komplexe strategische Zusammenhänge anschließend in ein leicht verständliches Leistungsversprechen zu übersetzen.
Was zeichnet den Gründerinnen-Typ Netzwerkerin aus?
Die Netzwerkerin baut Beziehungen auf, bringt Menschen zusammen und nutzt Sichtbarkeit, Kooperationen und Empfehlungen als Wachstumstreiber. Ihre Herausforderung besteht häufig darin, die vorhandene Reichweite mit einer klaren Positionierung und einem verständlichen Angebot zu verbinden.
Was zeichnet den Gründerinnen-Typ Expertin aus?
Die Expertin gewinnt Vertrauen durch Fachwissen, Qualität und Kompetenz. Fachartikel, Fallstudien, Webinare oder ausführlicher Content können besonders gut zu diesem Gründerinnen-Typ passen. Wichtig ist jedoch, Fachwissen nicht unnötig kompliziert zu kommunizieren, sondern daraus einen klar erkennbaren Kundennutzen abzuleiten.
Was zeichnet den Gründerinnen-Typ Visionärin aus?
Die Visionärin verfolgt ein starkes Zukunftsbild und möchte häufig Märkte verändern oder gesellschaftliche Herausforderungen lösen. Storytelling und Mission können deshalb wichtige Bestandteile ihrer Marke sein. Damit daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, muss die große Vision jedoch mit einem konkreten Produkt- und Kundennutzen verbunden werden.
Kann eine Gründerin mehreren Gründerinnen-Typen entsprechen?
Ja. Die meisten Unternehmerinnen lassen sich nicht ausschließlich einem Gründerinnen-Typ zuordnen. Eine Strategin kann gleichzeitig hervorragend netzwerken, während eine Expertin zusätzlich eine starke Vision verfolgen kann. Interessant ist vor allem, welche Eigenschaften das eigene unternehmerische Auftreten besonders stark prägen.
Was haben Gründerinnen-Typen mit Archetypen zu tun?
Archetypen beschreiben wiederkehrende Persönlichkeits- und Verhaltensmuster. Im Marketing können solche Muster genutzt werden, um Markenpersönlichkeiten, Zielgruppen und Kommunikationsstile verständlicher zu strukturieren. Die vier Gründerinnen-Typen dieses Beitrags sind eine vereinfachte unternehmerische Übertragung dieses Grundgedankens und nicht mit den klassischen Jung-Archetypen gleichzusetzen.
Wie helfen Archetypen bei der Positionierung?
Archetypen können dabei helfen, Werte, Persönlichkeit, Tonalität und Storytelling einer Marke konsistenter auszurichten. Entscheidend bleibt jedoch, die eigene Unternehmerpersönlichkeit mit den Bedürfnissen der Zielgruppe, dem Angebot und dem Wettbewerb zu verbinden.
Welcher Gründerinnen-Typ ist am erfolgreichsten?
Es gibt keinen grundsätzlich erfolgreichsten Gründerinnen-Typ. Wirtschaftlicher Erfolg kann aus strategischer Stärke, Fachkompetenz, Netzwerken oder einer starken Vision entstehen. Entscheidend ist, ob die jeweiligen Stärken zum Geschäftsmodell passen und für potenzielle Kunden verständlich sichtbar werden.
Warum ist die eigene Persönlichkeit für das Marketing wichtig?
Besonders bei personenbezogenen Dienstleistungen, Beratungsangeboten und jungen Marken beeinflusst die Unternehmerpersönlichkeit stark, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird. Kommunikation wirkt häufig glaubwürdiger, wenn Tonalität, Inhalte und Marktauftritt zu der Person hinter dem Unternehmen passen.
Ersetzen Gründerinnen-Archetypen eine Zielgruppenanalyse?
Nein. Gründerinnen-Typen und Archetypen können bei Markenidentität und Kommunikation helfen, ersetzen jedoch keine Markt- und Zielgruppenanalyse. Eine tragfähige Positionierung muss immer berücksichtigen, welches Problem Kunden haben, welchen Nutzen das Angebot bietet und welche Alternativen im Markt existieren.
Wie kann ich meinen eigenen Gründerinnen-Typ für das Marketing nutzen?
Zunächst sollten die eigenen stärksten Eigenschaften identifiziert werden. Anschließend lässt sich prüfen, welche Kommunikationsformen dazu passen. Eine Expertin kann beispielsweise Wissen über Fachcontent sichtbar machen, während eine Netzwerkerin stärker mit Kooperationen und Community-Aufbau arbeiten kann. Im nächsten Schritt müssen diese Stärken mit Zielgruppe und Werteversprechen verbunden werden.