Gründerfinanzierung – warum die Anlaufphase nach der Gründung so wichtig ist

Finanzierung: Die ersten Monate nach einer Unternehmensgründung sind oftmals ausschlaggebend für den Erfolg der Selbstständigkeit.

Während Bestandsunternehmen im Laufe der Jahre auch mal Umsatzschwankungen in Kauf nehmen können, muss die Anlaufphase einer Existenzgründung gut durchgeplant sein. Denn die Umsätze und Kosten müssen hier in einem guten Verhältnis zueinanderstehen, um ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen zu können.

Die Anlaufphase ist ebenso ein wichtiger Bestandteil eines Businessplans, den man z.B. für die Beantragung eines geförderten Gründerdarlehens benötigt. Denn diese Phase, die aus den ersten drei bis sechs Monaten nach der Gründung besteht, muss gut durchdacht und für die Förderbank in allen Details nachvollziehbar sein. Weder zu hohe Umsätze direkt von Beginn an noch viel zu hohe oder zu niedrige Kosten zeugen von einer realistischen Finanzplanung.

Gleiches gilt für den Kauf eines bestehenden Unternehmens im Zuge einer Geschäftsübernahme. Auch hier müssen die ersten Monate nach der Firmenübernahme im Businessplan realistisch abgebildet werden, um glaubhaft auftreten und ein zinsgünstiges Förderdarlehen erhalten zu können.

Für die entsprechende Kapitalausstattung zur Gründung oder Übernahme eines Unternehmens sind staatliche Förderdarlehen sehr attraktiv. Diese verfügen im Gegensatz zu klassischen Bankdarlehen über deutlich niedrigere Zinssätze und zudem über eine tilgungsfreie Anlaufzeit. Dies bedeutet, dass das Darlehen nicht ab dem Folgemonat der Aufnahme des Darlehens zurückgezahlt werden muss, sondern frühestens ab dem zweiten Jahr der Laufzeit. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die Rückzahlung in gleich bleibenden monatlichen Raten. 

In diesem Artikel wird erläutert, worauf es in der Anlaufphase in der Finanzplanung ankommt und wie diese bei der Erstellung eines Finanzplans für ein Förderdarlehen abgebildet wird.

Anlaufphase nach der Gründung oder Geschäftsübernahme – Definition

Das Ziel einer Existenzgründung sollte sein, nach rund sechs Monaten schon rentabel wirtschaften zu können, über konstante Umsätze und einen beständigen Kundenkreis zu verfügen und die betrieblichen monatlichen Kosten konstant und vorausschauend steuern zu können. Natürlich kann dies bei manchen Geschäftsideen auch schneller oder etwas langsamer der Fall sein.

Generell gelten daher die ersten drei bis sechs Monate nach der formellen Gründung als Anlaufphase. Dieser Begriff wird nicht nur umgangssprachlich verwendet, sondern auch in der Kommunikation mit Banken und Förderbanken.

Diese Phase wird genutzt, um die ersten Schritte der Selbstständigkeit aufzubauen, Prozesse zu definieren, Schnittstellen zu (technischen) Dienstleistern einzurichten, ggfs. erstes Personal einzustellen oder Freelancer zu aktivieren, an die man bestimmte Auftragsarbeiten auslagern kann.

Teile von diesen Tätigkeiten sollte man natürlich auch schon vor der formellen Gründung zumindest angestoßen haben. In der Anlaufphase werden aber noch keine Umsätze wie z.B. nach einem Jahr der Selbstständigkeit erzielt.

Umsatzbetrachtung in der Anlaufphase in verschiedenen Branchen

Die Anlaufphase kann sich in unterschiedlichen Branchen unterschiedlich auswirken. Dabei ist es völlig klar, dass einige Parameter eines Geschäftsmodells nicht schon zum Start der Existenzgründung vollends erfüllt sein können. Dies gilt insbesondere für den Umsatz in den ersten Monaten.

Beispiele hierfür sind:

  • Ein Händler, egal ob online oder stationär, hat in den ersten Wochen noch nicht alle Artikel gelistet, die er verkaufen kann. Dies kann an längeren Lieferzeiten liegen, ggfs. sind auch erst kleinere Mengen des Produkts verfügbar oder man kann schlichtweg nur eine geringere Menge bestellen, da die finanziellen Mittel nicht mehr erlauben. Gerade im Onlinehandel kann man auch verschiedene Produkte und deren Anklang in der Zielgruppe in den ersten Monaten zunächst testen, um das Portfolio später daran auszurichten.
  • Ein Physiotherapeut wird direkt nach der Praxiseröffnung nicht direkt von morgens bis abends gebucht sein, dies kann sich erst im Laufe der ersten Wochen und Monate ergeben. Nach einem Jahr der Selbstständigkeit (in diesem Falle wahrscheinlich als Freiberufler) wird dies natürlich ganz anders aussehen.
  • Gleiches gilt z.B. für einen ambulanten Pflegedienst, der sich nach und nach einen Patientenkreis aufbauen muss.
  • Wenn man sich im Bereich Coaching selbständig macht, muss vielleicht erst die Positionierung geschärft und eine Marketingstrategie erarbeitet werden, bevor man in eine gezieltere Kundenansprache gehen und mehr Umsatz generieren kann.
  • Die Reichweite einer Plattform oder einer App muss sich in den ersten Monaten nach dem Launch ebenfalls erst nach und nach vergrößern. Über die höhere Anzahl an aktiven Usern kann im Zeitverlauf auch erst der Umsatz steigen.

Nach einer Geschäftsübernahme gilt in jeder Branche, dass ein möglicher Umsatzrückgang zu erwarten ist. Denn bestehende Kunden möchten sich eventuell erst mit neuen Ansprechpartnern, Prozessen oder Vorgehensweisen vertraut machen, bevor sie auch mit der neuen Leitung eines Unternehmens zusammenarbeiten möchten. 

Gründerfinanzierung: die Kosten während der Anlaufphase  

Während sich die Umsätze im Verlauf einer Selbstständigkeit nachvollziehbar erhöhen können, sieht die Betrachtung der Kostenseite bei einer Existenzgründung etwas anders aus.

Hier sind zunächst die Investitionen zu berücksichtigen, die zum Start in die Selbstständigkeit getätigt werden müssen. Diese werden im Finanzplan im Kapitalbedarfsplan erfasst. In den beschriebenen Geschäftsmodellen benötigt man zu Beginn:

  • Der Händler muss natürlich die erste Warenausstattung, mit der agiert wird, finanzieren, ggfs. ein Lager, einen Onlineshop einrichten, falls nicht nur über Marktplätze verkauft werden soll. Gelder für Marketingmaßnahmen, für Versand & Logistik müssen ebenfalls vorhanden sein.
  • Der Physiotherapeut muss die Behandlungszimmer mit Liegen und weiterem Equipment ausstatten, es wird ein Eingangsbereich mit Mobiliar benötigt, ggfs. ein Kfz für Patientenbesuche etc. Zudem muss hier viel Liquidität vorhanden sein, um die zeitverzögerten Zahlungsziele abzubilden, wenn man über Krankenkassen abrechnet und kein Factoring nutzt. Denn hier erhält man den Zahlungseingang erst nach drei bis vier Monaten, nachdem man die erbrachten Leistungen abgerechnet hat.
  • Dies gilt ebenfalls für den ambulanten Pflegedienst, wenn hier auch über Kassen abgerechnet wird. Zum initialen Kapitalbedarf gehören hier insbesondere Fahrzeuge und Gehälter, da man in diesem Geschäftsmodell über eine gewisse Anzahl an Angestellten verfügen muss, um überhaupt gründen zu können.
  • Wenn man als Coach in die Selbstständigkeit geht, ist eher ein geringerer Kapitalbedarf für den Start notwendig. Hier geht es vermehrt um inhaltliche Vorbereitungen wie die Schärfung eines attraktiven Portfolios, eine aussagekräftige Website, gut aufeinander abgestimmte KI-Tools für interne und externe Prozesse. Zudem muss ein ausreichend großes Budget für die Umsetzung einer Marketingstrategie vorhanden sein, um Sichtbarkeit und Reichweite zu erhalten.
  • Um eine App oder eine Plattform launchen zu können, werden insbesondere Gelder für die Programmierleistung benötigt. Diese können sich vom fünf- bis in den siebenstelligen Bereich erstrecken, je nach Projektumfang und Dauer der Entwicklung. Parallel und im Anschluss werden finanzielle Mittel für die Vermarktung benötigt, um Bekanntheit aufzubauen und User zu generieren.

Die Rentabilitätsvorschau in der Anlaufphase erstellen  

Nun gilt es, diese Überlegungen gezielt in einen bankenfähigen Finanzplan zu überführen. Neben dem angesprochenen Kapitalbedarfsplan, dem Aufzeigen einer Umsatzentwicklung, dem Cash-Flow und Liquiditätsplan und einem Tilgungsplan bildet die Rentabilitätsvorschau (auch Gewinn- und Verlustrechnung) das Kernstück des Finanzplans.

Diese setzt sich aus den folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Umsatzentwicklung: hier muss nachvollziehbar kalkuliert werden, welche Umsatzhöhen man in den ersten Monaten nach dem Start ausweist und wie sich diese zusammensetzt. Hierfür muss also die Anzahl an Kunden/ Aufträgen/ Verkäufen benannt werden, ggfs. der Stundensatz für erbrachte Dienstleistungen. Es wird immer der Netto-Umsatz ausgewiesen. In der Anlaufphase darf man natürlich noch nicht von einer Vollauslastung oder einer zu hohen Absatzmenge ausgehen. Besser startet man mit einer sehr realistischen, niedrigeren Umsatzhöhe und lässt diese in den Folgemonaten ansteigen, alles andere wäre unglaubwürdig.
  • Wareneinsatz: in den meisten Geschäftsmodellen ist ein Wareneinsatz notwendig. Dieser liegt meistens bei einem prozentualen Anteil vom Netto-Umsatz.
  • Personalkosten: falls es bereits in der Anfangsphase angestelltes Personal gibt, sind diese zu nennen. Berücksichtigt werden müssen hier die Lohnnebenkosten.
  • Betriebliche Kosten: hier kann man sich an gängigen BWA-Posten orientieren. Zu erfassen sind z.B. die Kosten für Miete, freie Mitarbeiter, Kfz, Versicherungen, Werbe- und Reisekosten, Reparatur/ Instandhaltung und sonstige Kosten. Hinzu kommen die Zinsen für ein Darlehen sowie Abschreibungen.
  • So erhält man zwischenzeitlich den Gewinn vor Steuern. Im Anschluss werden noch die Gewerbesteuer (falls eine zu entrichten ist) sowie bei Kapitalgesellschaften (GmbH oder UG) die Körperschaftssteuer von diesem abgezogen, so dass man den Gewinn nach Steuern ausrechnet

Sämtliche Angaben sollen im Finanzplan so realistisch wie möglich angegeben werden. Dies gilt nicht für die Umsätze, sondern ebenso für die laufenden Kosten. Der sich ergebende Gewinn vor Steuern muss in den ersten Monaten nicht allzu hoch sein, ebenso kann ein Verlust ausgewiesen werden, wenn dieser realistisch ist.

Wer sich nicht nur mit der Anlaufphase nach der Gründung beschäftigen möchte, sondern grundsätzlich verstehen will, wie mehrere Darlehen in der Gründerfinanzierung sinnvoll kombiniert werden können, findet in unserem weiterführenden Beitrag zusätzliche Informationen. Dort zeigen wir, wie KfW-Darlehen, Mikrodarlehen, Hausbankkredite und weitere Finanzierungsbausteine in der Praxis zusammenspielen können.

Ein Gründerdarlehen beantragen

Für Existenzgründer gibt es zahlreiche Förderdarlehen. Diese sind weitestgehend unabhängig vom Standort des Unternehmens, wenn man z.B. staatlich geförderte Darlehen der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) wählt. Denn diese unterstützt Gründungsvorhaben deutschlandweit.

Die Förderdarlehen zeichnen sich durch einen niedrigen Zinssatz aus. Ebenso durch eine tilgungsfreie Anlaufzeit, d.h. man muss das Darlehen in den ersten 12 bis 24 Monaten nicht tilgen.

Je besser der Businessplan und der Finanzplan ausgestaltet ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eine Förderung zu erhalten. Wie beschrieben ist die Darstellung der ersten Monate der Selbstständigkeit sehr wichtig, um das unternehmerische Verständnis zu zeigen und den durchdachten Aufbau des Geschäftsmodells zu skizzieren.

Fazit

Der erfolgreiche Aufbau einer Selbstständigkeit nimmt erfahrungsgemäß etwas Zeit in Anspruch. In der Kommunikation mit Banken und zur Beantragung eines Förderdarlehens ist die Darstellung der ersten Monate nach der Gründung (oder der Geschäftsübernahme) im Businessplan und im Finanzplan sehr wichtig. Denn hier wird geprüft, wie logisch die Herleitung von Umsätzen und Kosten erfolgt und welche Annahmen von den Existenzgründern getroffen wurden, um den Aufbau des Unternehmens strategisch gut anzugehen. Ebenso muss der initiale Kapitalbedarf zum Start nachvollziehbar kalkuliert sein, damit in der Liquiditätsplanung vor allem in der Anfangsphase immer ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sind.

Dies gilt für Gründungen genau wie für Geschäftsübernahmen oder Wachstumsvorhaben von bestehenden Unternehmen.

Sie möchten sich bei der Erstellung eines Finanzplans und der Beantragung eines Förderdarlehens professionell durch eine Unternehmens- und Existenzgründungsberatung unterstützen lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und wir bringen Sie für ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten aus Ihrer Branche in Kontakt.

Berater suchen Kontakt aufnehmen

Aktuelle Informationen zum ERP-Gründerkredit StartGeld stellt die KfW auf ihrer offiziellen Produktseite bereit. Dort finden Gründerinnen und Gründer Details zu Förderhöhe, Betriebsmitteln, Abruffrist und Beantragung über die Hausbank. Das StartGeld ist aktuell bis zu 200.000 Euro hoch, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel, und kann mehrfach beantragt werden, bis der Höchstbetrag erreicht ist. Weitere Fördermittel können Sie mit unserem Fördercheck ermitteln: 

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FAQ

Warum ist die Finanzierung in der Anlaufphase nach der Gründung so wichtig?
Die Finanzierung in der Anlaufphase ist entscheidend, weil in den ersten Monaten meist noch keine stabilen Umsätze erzielt werden. Gleichzeitig fallen bereits Investitionen, laufende Betriebskosten und oft auch private Lebenshaltungskosten an. Eine realistische Finanzierung schafft hier den nötigen Spielraum.

Was gehört bei der Finanzierung einer Gründung in die Anlaufphase?
Zur Finanzierung der Anlaufphase gehören insbesondere Investitionen zum Start, Betriebsmittel, Liquiditätsreserven und gegebenenfalls Personalkosten. Je nach Geschäftsmodell müssen auch zeitverzögerte Zahlungseingänge berücksichtigt werden.

Warum ist ein Finanzplan für die Finanzierung der Anlaufphase unverzichtbar?
Ein Finanzplan zeigt, wie sich Umsätze, Kosten, Liquidität und Kapitalbedarf in den ersten Monaten entwickeln. Für die Finanzierung über Banken oder Förderinstitute ist er unverzichtbar, weil nur so nachvollziehbar wird, ob das Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist.

Welche Rolle spielt die Rentabilitätsvorschau bei der Finanzierung einer Gründung?
Die Rentabilitätsvorschau ist ein zentraler Bestandteil der Finanzierung, weil sie darstellt, wie sich Umsätze, Wareneinsatz, Personalkosten und laufende Betriebskosten entwickeln. Sie zeigt, wann ein Unternehmen voraussichtlich wirtschaftlich tragfähig arbeiten kann.

Warum reicht für die Finanzierung einer Gründung nicht nur eine Gewinnplanung aus?
Weil Gewinne auf dem Papier nicht automatisch bedeuten, dass ausreichend Geld auf dem Geschäftskonto vorhanden ist. Für die Finanzierung der Anlaufphase ist deshalb die Liquiditätsplanung besonders wichtig, da sie Zahlungsziele, Steuerzahlungen und Darlehensraten berücksichtigt.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für die Anlaufphase einer Gründung?
Für die Finanzierung der Anlaufphase kommen unter anderem Förderdarlehen, Hausbankkredite, Eigenkapital und weitere Fördermittel infrage. Welche Form der Finanzierung sinnvoll ist, hängt vom Kapitalbedarf, vom Geschäftsmodell und von der geplanten Entwicklung in den ersten Monaten ab.

Wie realistisch muss die Finanzierung in den ersten Monaten geplant werden?
Die Finanzierung sollte so realistisch wie möglich geplant werden. Zu hohe Umsätze oder zu niedrige Kosten wirken bei Banken und Förderinstituten unglaubwürdig. Eine solide Finanzierung basiert immer auf nachvollziehbaren und vorsichtigen Annahmen.

Was ist bei der Finanzierung einer Geschäftsübernahme in der Anlaufphase zu beachten?
Auch bei einer Geschäftsübernahme ist die Finanzierung der ersten Monate besonders wichtig. Denn nach einer Übernahme kann es zunächst zu Umsatzrückgängen oder Anpassungen bei Abläufen und Kundenbeziehungen kommen. Diese Übergangsphase muss in der Finanzierung sauber berücksichtigt werden.

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