Finanzplan-Erstellung für ein Unternehmen in der Sicherheitsbranche

Die Sicherheitswirtschaft zählt zu den stabil wachsenden Dienstleistungsbranchen in Deutschland. Der Branchenumsatz liegt bei rund 12 Milliarden Euro jährlich. Getrieben wird das Wachstum durch steigende Sicherheitsanforderungen in Industrie, Bauwirtschaft, Veranstaltungswesen und öffentlichem Bereich.

Klassische Zielgruppen für Sicherheitsunternehmen sind Industrie- und Gewerbebetriebe, Bauunternehmen, Betreiber von Photovoltaikanlagen, Kommunen, öffentliche Einrichtungen sowie Veranstalter.

Eine Existenzgründung ist in diesem Markt einerseits attraktiv, da man ein rentables Geschäftsmodell aufbauen kann und bei guter Auftragslage auch nachhaltig am Markt agieren kann.

Eine Existenzgründung in der Sicherheitsbranche ist allerdings auch mit einem finanziellen Investment verbunden. Der Kapitalbedarf ist oft größer als das vorhandene Eigenkapital der Gründer. Als Existenzgründer kann man an dieser Stelle auf staatliche Förderdarlehen zurückgreifen. Diese zeichnen sich durch niedrige Zinssätze und eine tilgungsfreie Anlaufzeit aus. Das bedeutet, man muss das Darlehen erst nach einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren zurückzahlen. Um ein solches gefördertes Gründerdarlehen zu beantragen, muss man einen bankenfähigen Businessplan erstellen. Ein sehr wichtiger Bestandteil des Businessplans ist der Finanzplan, der die relevanten betrieblichen Kennzahlen des Unternehmens für die nächsten drei Jahre prognostiziert.  

In diesem Artikel soll erläutert werden, auf welche Parameter man bei der Erstellung eines Finanzplans für eine Existenzgründung in der Sicherheitsbranche achten muss.

Verwendungszwecke eines Finanzplans

Wenn man z. B. ein Förderdarlehen im Rahmen einer Existenzgründung aufnehmen möchte, müssen der Förderbank professionelle Unterlagen zur Geschäftsplanung vorgelegt werden. Dies gilt auch für Jungunternehmen, die schon am Markt agieren und mit dem Einsatz des geförderten Darlehens wachsen wollen.  Ein bankenfähiger Finanzplan ist ein wichtiger Bestandteil einer Anfrage für ein Förderdarlehen. Denn anhand der dort kalkulierten betrieblichen Kennzahlen kann nachvollzogen werden, wie erfolgreich das gegründete Unternehmen oder die selbständige Person in den nächsten Jahren agieren wird.   

Im Vorfeld der Erstellung eines Finanzplans für ein Unternehmen in der Sicherheitsbranche sollten sich Existenzgründer oder bereits selbständige Personen mit allen relevanten Bestandteilen des Geschäftsmodells beschäftigen. 

Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Welche Zielgruppe möchte ich für mich gewinnen?
  • Welches Portfolio an Dienstleistungen ist für diese Kundengruppen attraktiv?
  • Welche monatlichen Umsätze sind realistisch?
  • Wie viel Personal wird dafür benötigt?  Nutzt man auch externes Personal (Sub-Unternehmen) oder arbeitet man mit fest angestellten Personen?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten, z. B. für Reisen und Übernachtungen?
  • An welchem Standort ist das Unternehmen aktiv, deutschlandweit oder nur in einer bestimmten Region?
  • Welche Investitionen sind für den Start in die Selbständigkeit notwendig?
  • Müssen auch Betriebsmittel in der Anlaufphase finanziert werden?

Diese Parameter des Geschäftsmodells als Unternehmen in der Sicherheitsbranche müssen in einem professionellen Finanzplan nachvollziehbar zusammengetragen werden. Denn Förderbanken müssen auf einen Blick erkennen können, wie erfolgreich das geplante Geschäftsmodell ist und welche Gewinne erzielt werden können.  

Mögliche Umsatzquellen identifizieren

Ein wichtiger Schritt bei der Erstellung eines Finanzplans ist die Kalkulation der Umsatzhöhen. Hier sollte man sich zunächst im Klaren sein, welches Portfolio man im Sicherheitsbereich anbieten möchte.

Folgende Dienstleistungen werden üblicherweise im Markt nachgefragt.

  • Im Bereich Werk- und Objektschutz übernehmen Firmen die Sicherung von Industrieanlagen, Gewerbeobjekten, Lagerhallen, Baustellen sowie privaten Immobilien. Hierzu zählen Zugangskontrollen, Kontroll- und Streifengänge, Überwachung von Anlieferungen, Schlüsselverwaltung sowie die Dokumentation sicherheitsrelevanter Ereignisse.
  • Im Bereich Personenschutz werden Einzelpersonen bei Bedarf diskret und professionell begleitet. Dies umfasst Gefährdungsanalysen, Sicherheitsplanung sowie operative Schutzmaßnahmen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.
  • Die Event- und Veranstaltungsabsicherung stellt ein weiteres zentrales Geschäftsfeld dar. Hier übernehmen Firmen Einlasskontrollen, Besucherlenkung, VIP-Betreuung, Backstage-Sicherheit, Brandsicherheitswachen sowie die enge Zusammenarbeit mit Veranstaltern, Ordnungsbehörden und Rettungsdiensten.
  • Im Bereich Pforten- und Empfangsdienste werden Unternehmen für die professionelle Besucherregistrierung, Lieferantenkontrolle, Telefonzentrale sowie Dokumentenprüfung beauftragt. Hier verbindet sich Sicherheitsdienstleistung mit Serviceorientierung.
  • Ein wachsendes Geschäftsfeld ist die Baustellenabsicherung, insbesondere im Hinblick auf hochwertige Baumaschinen, Werkzeuge und Photovoltaikanlagen. Die steigenden Diebstahlzahlen im Bereich Solarmodule und Kupferkabel machen eine professionelle Bewachung zunehmend notwendig.
  • Ergänzend werden Revier- und Streifendienste sowie Alarmverfolgung und Intervention nachgefragt. Im Alarmfall erfolgt eine schnelle Überprüfung vor Ort und die Einleitung weiterer Maßnahmen.
  • Zusätzlich können Leistungen im Bereich Privat- und Wirtschaftsdetektei angeboten werden, beispielsweise zur Aufklärung von Eigentumsdelikten oder wirtschaftsrelevanten Sachverhalten.

Je umfassender sich ein Angebotsportfolio darstellt, desto interessanter ist ein Unternehmen für potentielle Auftraggeber. Denn gerne werden Aufträge an einen Anbieter vergeben, um nicht zu viele Dienstleister steuern zu müssen.

Für Existenzgründer kann es jedoch sinnvoll sein, zunächst weniger Dienstleistungen anzubieten und sich zu spezialisieren. Nach einer gewissen Anlaufzeit kann das Portfolio dann nach und nach zielführend erweitert werden.

Der Umsatz ergibt sich oftmals durch einen Verrechnungssatz pro Stunde.

Typischerweise liegt dieser netto bei 35 bis 50 Euro und ist von der Komplexität und der Dauer des Auftrags abhängig.

Laufende betriebliche Kosten kalkulieren

Laufende betriebliche Kosten für ein Sicherheitsunternehmen sind beispielsweise:

  • Interne Personalkosten: Hiermit ist das Personal gemeint, das fest im eigenen Unternehmen angestellt ist. Hier sind zusätzlich zum Bruttogehalt noch die Lohnnebenkosten im Finanzplan zu berücksichtigen.
  • Externe Personalkosten: Um die Fixkosten im Unternehmen zunächst übersichtlich zu halten, kann man auf sog. Sub-Unternehmen zurückgreifen. Dies sind wiederum selbständige Unternehmer oder in einem anderen Betrieb angestellt und werden gezielt für einzelne Aufträge eingesetzt. Diese Aufwände müssen natürlich ebenfalls im Finanzplan berücksichtigt werden.
  • Reise- und Übernachtungskosten: Das eingesetzte Personal muss natürlich zu dem Ort reisen, an dem die Dienstleistung ausgeübt wird, und ggf. vor Ort übernachten. Oft werden hierfür günstige Unterbringungen genutzt, um die Kosten niedrig zu halten. Dennoch müssen diese im Finanzplan berücksichtigt werden. Auch wenn diese Kosten ggf. dem Auftraggeber gesondert in Rechnung zu stellen sind.
  • Zusätzlich fallen betriebliche Kosten wie in nahezu jedem anderen Unternehmen an. Zu nennen sind Aufwände für die Büromiete, Fahrzeuge, Software, Steuerberatung, ggf. die Lohnbuchhaltung und die Umsetzung einer Marketingstrategie.
  • Zu berücksichtigen sind zudem Abschreibungen für beispielsweise Fahrzeuge, Werkzeug, Maschinen sowie für die Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA).

Selbständig mit einem Sicherheitsunternehmen: Finanzplan erstellen

Nun gilt es, diese Zahlen in einen bankenfähigen Finanzplan zu überführen. Dieser setzt sich aus den folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Investitionsplan: In diesem ist aufzulisten, welche Investitionen getätigt werden müssen, um die Existenzgründung erfolgreich starten zu können. Dies sind z. B. Fahrzeuge, Funkgeräte und andere Ausrüstung, Dienstkleidung, IT-Ausstattung, ggf. die Büroeinrichtung etc. Zudem sind oftmals Betriebsmittel wie z. B. Personalkosten oder die Büromiete für die Anlaufphase zu finanzieren.
  • Umsatzentwicklung: Hier ist abzubilden, welche Umsätze pro Monat sich aus den einzelnen Aufträgen und Projekten ergeben.
  • Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung): Hier werden unter den prognostizierten Umsätzen auch alle betrieblichen Kosten abgebildet. Dazu zählen die oben genannten Aufwände für das interne und externe Personal, Reise- und Übernachtungskosten sowie alle laufenden betrieblichen Kosten. Auch die Zinsen für das Förderdarlehen können als Betriebskosten geltend gemacht werden. Abschreibungen und eventuelle Steuerabgaben sind in der Rentabilitätsvorschau ebenfalls zu berücksichtigen. Die Steuerzahlungen sind von der gewählten Rechtsform abhängig. Bei einer Kapitalgesellschaft wie einer UG oder einer GmbH fällt die Körperschaftssteuer an, die Höhe der Gewerbesteuer richtet sich nach dem Sitz des Unternehmens. Letztlich gibt die Rentabilitätsvorschau eine Prognose über den Gewinn vor Steuern sowie den Gewinn nach Steuern.
  • Cash-Flow und Liquiditätsplanung: Diese speist sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung, wird allerdings noch dynamisch z. B. um Zahlungsziele erweitert. Wenn man an große Auftraggeber Rechnungen stellt, werden diese wahrscheinlich nicht immer im gleichen Monat bezahlt. Der Zahlungseingang liegt also nicht unbedingt im gleichen Monat wie die Umsatzgenerierung. Dies ist zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind in der Liquiditätsplanung die Zeitpunkte von Steuerzahlungen und -rückerstattungen einzuplanen. So wird klar ersichtlich, wie viel Liquidität sich auf dem Geschäftskonto des Unternehmens befindet.
  • Tilgungsplan: In diesem wird der so genannte Kapitaldienst berechnet. Er setzt sich aus den Zinsen für das Förderdarlehen sowie der monatlichen Tilgungsrate zusammen. Hier wird also abgebildet, welche Gesamtrate nach der Anlaufphase monatlich an die Bank zurückzuzahlen ist. 
  • Abschreibungen: Einige der genannten Anschaffungen wie z. B. die Fahrzeuge können über einen definierten Zeitraum abgeschrieben werden. Hierzu gibt es Abschreibungstabellen, mit deren Hilfe man die Abschreibungsdauer errechnen kann.

Diese Bestandteile müssen in einem bankenfähigen Finanzplan auf monatlicher Basis für die ersten drei Geschäftsjahre nach der Existenzgründung aufgezeigt werden. Bei einem bereits bestehenden Unternehmen sind es die drei Geschäftsjahre nach der Aufnahme des Förderdarlehens, die gezeigt werden müssen. Bei der Erstellung eines solchen professionellen Finanzplans können erfahrene Gründungsberater unterstützen, deren Beratungsleistung auch mit mindestens 50 % der Aufwände staatlich bezuschusst wird.

Fazit

Ein bankenfähiger Finanzplan ist für Existenzgründer ein wichtiger Bestandteil, wenn ein Förderdarlehen beantragt werden soll.

Es ist sehr wichtig, einen solchen Finanzplan in der Professionalität und Detailtiefe zu erstellen, wie er von Förderbanken erwartet wird. In der Finanzplan-Erstellung für ein Unternehmen in der Sicherheitsbranche sind neben den Umsätzen die Kosten für das interne und externe Personal die entscheidenden Angaben in der Rentabilitätsvorschau. Denn das Geschäftsmodell ist und bleibt sehr personalintensiv. Ebenfalls sind die Reise- und Übernachtungskosten detailliert zu betrachten.

Wenn man über ein attraktives Portfolio und eine stabile Auftragslage verfügt, kann man in der Sicherheitsbranche ein sehr rentables Geschäftsmodell etablieren. Der Start in diese Form der Selbständigkeit kann durch die Aufnahme von einem zinsgünstigen Förderdarlehen ermöglicht werden.

Möchten Sie sich bei der Finanzplan-Erstellung Ihrer Selbständigkeit im Segment Sicherheitswirtschaft professionell durch eine Unternehmens- und Existenzgründungsberatung begleiten lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten. Für die Beratungsleistung können auch staatliche Fördermittel beantragt werden.

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Aktuelle Brancheninformationen, wirtschaftliche Kennzahlen und Entwicklungen der Sicherheitswirtschaft veröffentlicht der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft.

FAQ

Warum ist ein Finanzplan für ein Sicherheitsunternehmen wichtig?

Ein Finanzplan ist die Grundlage für die Finanzierung eines Sicherheitsunternehmens. Banken und Förderinstitute nutzen den Finanzplan, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Existenzgründung oder des Unternehmenswachstums zu bewerten.

Welche Umsatzquellen gibt es für ein Sicherheitsunternehmen?

Typische Umsatzquellen sind Werk- und Objektschutz, Baustellenbewachung, Veranstaltungssicherheit, Personenschutz, Revierdienste, Alarmverfolgung, Empfangsdienste sowie Detektei- und Ermittlungsleistungen. Diese Leistungen bilden die Grundlage für die Umsatzplanung im Finanzplan.

Welche Kosten müssen im Finanzplan eines Sicherheitsunternehmens berücksichtigt werden?

Zu den wichtigsten Kostenpositionen zählen Personalkosten für eigene Mitarbeitende, Kosten für Subunternehmer, Reise- und Übernachtungskosten, Fahrzeugkosten, Versicherungen, Büromiete, Software, Marketing sowie Abschreibungen auf Ausrüstung und Fahrzeuge.

Welche Bestandteile umfasst ein professioneller Finanzplan?

Ein bankenfähiger Finanzplan besteht in der Regel aus Investitionsplan, Umsatzplanung, Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplanung, Cash-Flow-Planung, Tilgungsplan und Abschreibungsübersicht.

Wie kalkuliert man die Umsätze eines Sicherheitsunternehmens?

Die Umsatzplanung erfolgt häufig auf Basis von Stundensätzen. Je nach Leistungsbereich liegen die Netto-Verrechnungssätze häufig zwischen 35 und 50 Euro pro Stunde. Die tatsächliche Kalkulation hängt von Leistungsumfang, Region und Zielgruppe ab.

Kann ein Sicherheitsunternehmen mit Förderdarlehen finanziert werden?

Ja. Sicherheitsunternehmen können häufig Förderdarlehen wie das KfW-StartGeld oder regionale Förderprogramme nutzen. Voraussetzung ist meist ein professioneller Businessplan mit einem belastbaren Finanzplan.

Warum sind Personalkosten im Sicherheitsgewerbe besonders wichtig?

Das Sicherheitsgewerbe ist stark personalintensiv. Deshalb zählen interne Personalkosten, externe Sicherheitskräfte und Subunternehmer häufig zu den größten Kostenblöcken im Unternehmen und müssen besonders sorgfältig kalkuliert werden.

Welche Rolle spielt die Liquiditätsplanung bei einem Sicherheitsunternehmen?

Die Liquiditätsplanung zeigt, ob das Unternehmen jederzeit zahlungsfähig bleibt. Gerade bei größeren Auftraggebern entstehen häufig Zahlungsziele, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen.

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