Wer Franchisenehmer werden möchte, muss nicht zwangsläufig einen neuen Standort von Grund auf aufbauen. In vielen Franchisesystemen wechseln bestehende Betriebe den Betreiber, beispielsweise weil ein Franchisenehmer in den Ruhestand geht, sich beruflich verändern möchte oder mehrere Standorte konsolidiert. Für Gründer kann eine solche Franchise-Übernahme eine interessante Alternative zur klassischen Neugründung bzw. Existenzgründung sein.
Der wesentliche Unterschied liegt in der Ausgangssituation. Bei einem neuen Franchising-Standort müssen Kundenstamm, Mitarbeiter, lokale Bekanntheit und betriebliche Abläufe zunächst aufgebaut werden. Bei einer Übernahme existiert dagegen bereits ein laufender Geschäftsbetrieb. Im Idealfall lassen sich Umsätze, Kosten und Erträge der vergangenen Jahre auswerten und damit wesentlich konkreter beurteilen, ob sich der Standort wirtschaftlich trägt.
Genau darin liegt allerdings auch eine Gefahr. Ein etablierter Standort ist nicht automatisch ein guter Standort. Wer ein bestehendes Franchise übernimmt, kauft nicht nur Umsatz und vorhandene Strukturen. Je nach Ausgestaltung der Transaktion übernimmt der Käufer wirtschaftlich auch Investitionsbedarf, bestehende Kostenstrukturen und die Folgen früherer unternehmerischer Entscheidungen. Hinzu kommen die Bedingungen des Franchisesystems und häufig ein neuer Franchisevertrag.
Vor einer Übernahme sollte deshalb nicht nur geprüft werden, ob das Geschäftsmodell grundsätzlich attraktiv erscheint. Entscheidend ist, ob der konkrete Standort nach Kaufpreis, Finanzierung, Franchisegebühren und notwendigen Investitionen auch für den neuen Betreiber nachhaltig rentabel bleibt.
Franchise übernehmen oder neuen Standort eröffnen?
Bei einer klassischen Franchisegründung startet der Franchisenehmer zwar mit einem erprobten Geschäftsmodell und einer bestehenden Marke, der konkrete Betrieb muss jedoch zunächst aufgebaut werden. Je nach Konzept müssen geeignete Räumlichkeiten gefunden, Mietverträge geschlossen, Mitarbeiter eingestellt, Investitionen durchgeführt und lokale Kunden gewonnen werden.
Das benötigt Kapital und Zeit. Gleichzeitig besteht Unsicherheit darüber, wie schnell der geplante Standort tatsächlich die kalkulierten Umsätze erreicht.
Bei der Übernahme eines bestehenden Franchisebetriebs sieht die Situation anders aus. Räumlichkeiten, Ausstattung, Prozesse und Personal können bereits vorhanden sein. Der Standort ist möglicherweise im lokalen Markt etabliert und verfügt über einen Kundenstamm. Vor allem aber existieren historische Unternehmenszahlen.
Damit verschiebt sich die zentrale Frage. Bei einer Neugründung muss prognostiziert werden, ob ein Standort funktionieren kann. Bei einer Übernahme muss analysiert werden, warum der Standort bisher so funktioniert hat, wie er funktioniert hat, und ob sich diese Ergebnisse unter einem neuen Betreiber fortsetzen lassen.
Das macht eine Franchise-Übernahme nicht automatisch risikoärmer. Sie bietet aber eine deutlich bessere Datengrundlage für die wirtschaftliche Bewertung.
Der größte Vorteil einer Franchise-Übernahme: Es gibt reale Unternehmenszahlen
Einer der wichtigsten Vorteile einer bestehenden Franchiseeinheit sind die vorhandenen Geschäftszahlen. Statt ausschließlich mit Annahmen und Vergleichswerten zu arbeiten, können die tatsächlichen Umsätze und Kosten der vergangenen Jahre untersucht werden.
Interessant sind dabei nicht nur Jahresumsatz und Gewinn. Für eine belastbare Bewertung sollten unter anderem Umsatzentwicklung, Rohertrag beziehungsweise Deckungsbeiträge, Personalkosten, Mietkosten, Wareneinsatz, Franchisegebühren, Marketingumlagen und sonstige betriebliche Kosten betrachtet werden.
Besonders wichtig ist die Entwicklung über mehrere Jahre.
Ein Standort mit 600.000 Euro Jahresumsatz kann auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Wenn der Umsatz jedoch drei Jahre zuvor noch bei 750.000 Euro lag, ergibt sich ein anderes Bild. Umgekehrt kann ein Betrieb mit aktuell geringerem Gewinn interessant sein, wenn Umsatz und Kundenfrequenz wachsen und der bisherige Betreiber aufgrund einer ungünstigen Kostenstruktur Potenzial ungenutzt lässt.
Historische Zahlen liefern deshalb keine automatische Kaufempfehlung. Sie ermöglichen vielmehr eine fundiertere Analyse.
Warum verkauft der bisherige Franchisenehmer?
Eine der wichtigsten Fragen bei jeder Unternehmensnachfolge lautet: Warum wird verkauft?
Es gibt zahlreiche nachvollziehbare Gründe. Ein Franchisenehmer kann in den Ruhestand gehen, sich aus gesundheitlichen oder privaten Gründen zurückziehen oder seinen unternehmerischen Schwerpunkt verändern. Auch innerhalb größerer Franchiseportfolios werden Standorte gelegentlich verkauft, obwohl sie wirtschaftlich funktionieren.
Problematischer wird es, wenn der Verkauf auf strukturelle Schwierigkeiten zurückzuführen ist.
Vielleicht sinkt die Kundenfrequenz am Standort. Möglicherweise ist der Mietvertrag ungünstig, der Wettbewerb hat sich verändert oder notwendige Modernisierungen wurden über Jahre verschoben. Auch Probleme mit Personal, Lieferverpflichtungen oder dem Franchisegeber können eine Rolle spielen.
Die Aussage des Verkäufers sollte deshalb nicht die einzige Informationsquelle bleiben. Wirtschaftliche Entwicklung, Verträge und betriebliche Situation müssen ein konsistentes Gesamtbild ergeben.
Bestehender Umsatz ist nicht automatisch übertragbar
Ein häufiger Denkfehler bei Unternehmensübernahmen besteht darin, den bisherigen Umsatz als gegeben anzusehen.
Ob die bisherigen Erlöse nach der Übernahme tatsächlich fortgeführt werden können, hängt davon ab, wodurch sie entstehen.
Bei einem stark standardisierten Franchisekonzept mit hoher Markenbekanntheit kann ein großer Teil der Nachfrage an Marke und Standort gebunden sein. Bei anderen Geschäftsmodellen hängt der Erfolg stärker von der Persönlichkeit, den Kontakten oder der lokalen Reputation des bisherigen Franchisenehmers ab.
Besonders relevant ist diese Frage bei beratungsintensiven oder personenbezogenen Dienstleistungen.
Vor der Übernahme sollte deshalb analysiert werden, wie der Umsatz zustande kommt. Gibt es viele wiederkehrende Kunden? Wie hoch ist der Anteil von Laufkundschaft? Bestehen längerfristige Verträge? Welche Rolle spielt die Person des bisherigen Inhabers? Welche Kunden könnten nach einem Betreiberwechsel abspringen?
Je stärker Umsatz und Kundenbeziehungen an die Person des Verkäufers gebunden sind, desto vorsichtiger sollte mit einer vollständigen Fortschreibung der bisherigen Umsätze geplant werden.
Standortqualität bleibt auch beim Franchise entscheidend
Ein bestehender Franchisebetrieb hat bereits einen Standort. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieser Standort weiterhin optimal ist.
Demografische Veränderungen, neue Wettbewerber, veränderte Verkehrsströme oder größere Bauprojekte können die Attraktivität eines Standorts verändern. Ebenso kann sich die Struktur eines Einkaufszentrums oder einer Innenstadtlage über die Jahre deutlich verschieben.
Bei stationären Geschäftsmodellen sollte deshalb geprüft werden, ob die Standortbedingungen weiterhin zum Franchisekonzept passen.
Dazu gehören beispielsweise Einzugsgebiet, Erreichbarkeit, Sichtbarkeit, Kundenfrequenz, Wettbewerb und Entwicklung des unmittelbaren Umfelds. Ebenso wichtig ist der Mietvertrag. Ein wirtschaftlich attraktiver Standort kann erheblich an Wert verlieren, wenn der Mietvertrag kurzfristig endet oder nach der Übernahme deutlich höhere Mietkosten entstehen.
Gerade bei einer finanzierten Übernahme muss sichergestellt sein, dass der Standort für einen ausreichend langen Zeitraum genutzt werden kann.
Franchisevertrag bei der Übernahme neu prüfen
Wer einen bestehenden Franchisebetrieb übernimmt, sollte nicht davon ausgehen, automatisch zu denselben Bedingungen weiterarbeiten zu können wie der bisherige Betreiber.
Der Franchisegeber muss dem Betreiberwechsel in der Regel zustimmen. Abhängig vom System kann ein neuer Franchisevertrag abgeschlossen werden. Damit können sich Gebühren, Laufzeiten, Investitionspflichten oder andere Rahmenbedingungen verändern.
Vor der Kaufentscheidung sollte deshalb geklärt werden, zu welchen Bedingungen die Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber fortgeführt werden kann.
Relevant sind unter anderem Eintritts- oder Übernahmegebühren, laufende Franchisegebühren, Marketingumlagen, Mindestabnahmen, Bezugsbindungen, Gebietsschutz, Laufzeit und Verlängerungsmöglichkeiten des Vertrags sowie mögliche Renovierungs- oder Modernisierungspflichten.
Auch Vorgaben zur Ausstattung können erhebliche Auswirkungen haben. Ein Standort, der optisch noch gut funktioniert, kann nach den aktuellen Standards des Franchisesystems trotzdem modernisiert werden müssen.
Aus einem vermeintlich günstigen Kaufpreis können dadurch zusätzliche Investitionen entstehen.
Investitionsstau kann die Übernahme erheblich verteuern
Bei der Bewertung eines bestehenden Betriebs sollte deshalb nicht nur betrachtet werden, welche Vermögenswerte übernommen werden, sondern auch, in welchem Zustand sie sich befinden.
Ein Restaurant kann beispielsweise vollständig ausgestattet sein. Müssen Küche, Lüftung oder Einrichtung jedoch innerhalb der nächsten zwei Jahre erneuert werden, entsteht zusätzlicher Kapitalbedarf. Vergleichbares gilt für Fahrzeuge, Maschinen, Kassensysteme, IT-Infrastruktur oder Geschäftsausstattung.
Hinzu kommen mögliche Anforderungen des Franchisegebers.
Wurde ein neues Ladenkonzept eingeführt, das der bisherige Betreiber noch nicht umgesetzt hat, kann der Käufer kurz nach der Übernahme zu einer entsprechenden Modernisierung verpflichtet sein.
Der tatsächliche Kapitalbedarf besteht deshalb nicht nur aus dem Kaufpreis.
Kaufpreis ist nur ein Teil der Finanzierung
Bei einer Franchise-Übernahme müssen verschiedene Finanzierungsbausteine berücksichtigt werden. Neben dem eigentlichen Kaufpreis können beispielsweise Kosten für Warenbestand, Modernisierung, technische Ausstattung, Beratung und Betriebsmittel entstehen.
Auch die Liquidität nach der Übernahme darf nicht unterschätzt werden.
Selbst wenn ein Betrieb profitabel arbeitet, können nach dem Betreiberwechsel zusätzliche Kosten entstehen. Neue Mitarbeiter müssen eingearbeitet, Marketingmaßnahmen durchgeführt oder Prozesse angepasst werden. Gleichzeitig müssen laufende Kosten wie Gehälter, Miete, Wareneinkauf und Franchisegebühren weiterhin bezahlt werden.
Eine Finanzierung, die ausschließlich den Kaufpreis berücksichtigt, kann deshalb zu knapp kalkuliert sein.
Franchise-Übernahme finanzieren: Kapitalbedarf vor dem Kauf vollständig berechnen
Wer einen bestehenden Franchise-Standort übernehmen möchte, sollte Kaufpreis, notwendige Investitionen und Betriebsmittel gemeinsam betrachten. Eine frühzeitige Finanzierungsplanung kann zeigen, welcher Kapitalbedarf tatsächlich besteht und welche Förderdarlehen oder weiteren Finanzierungsbausteine für die Übernahme infrage kommen.
Für die Finanzierung einer Unternehmensnachfolge können abhängig vom Vorhaben auch Förderkredite infrage kommen. Die KfW stellt verschiedene Finanzierungsangebote für Gründung, Übernahme und Investitionen bereit. Welche Finanzierung für eine Franchise-Übernahme geeignet ist, sollte anhand des konkreten Kapitalbedarfs und der jeweiligen Förderbedingungen geprüft werden.
Wie wird der Kaufpreis eines Franchisebetriebs bewertet?
Der Verkäufer hat häufig eine klare Vorstellung davon, was sein Unternehmen wert ist. Für den Käufer ist jedoch entscheidend, ob dieser Kaufpreis wirtschaftlich tragfähig ist.
Ein hoher Umsatz allein rechtfertigt keinen hohen Unternehmenswert.
Entscheidend ist vielmehr, welcher nachhaltige Ertrag mit dem Betrieb erzielt werden kann. Dabei sollte berücksichtigt werden, welche Kosten künftig unter dem neuen Betreiber entstehen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Unternehmerlohn. Gerade bei inhabergeführten Betrieben kann der ausgewiesene Gewinn ein verzerrtes Bild vermitteln, wenn der bisherige Eigentümer sehr viele Stunden selbst arbeitet und dafür kein marktübliches Geschäftsführergehalt angesetzt wurde.
Erwirtschaftet ein Standort beispielsweise 90.000 Euro Gewinn, während der Inhaber gleichzeitig 60 Stunden pro Woche operativ im Betrieb tätig ist, können diese 90.000 Euro nicht vollständig als Kapitalrendite betrachtet werden. Ein Teil davon entspricht wirtschaftlich der Vergütung für die Arbeitsleistung des Unternehmers.
Für die Kaufpreisbewertung sollte deshalb untersucht werden, welcher nachhaltig erzielbare Ertrag nach angemessener Berücksichtigung der operativen Arbeitsleistung verbleibt.
Die Finanzierung verändert die Rentabilität des Standorts
Ein weiterer Punkt wird bei Übernahmen leicht übersehen: Der bisherige Betrieb kann profitabel sein und für den Käufer trotzdem wirtschaftlich unattraktiv werden.
Der Grund liegt im Kaufpreis und dessen Finanzierung.
Der bisherige Franchisenehmer hat möglicherweise keine Darlehensbelastung mehr. Der Käufer finanziert dagegen beispielsweise mehrere hunderttausend Euro und muss künftig Zinsen und Tilgung aus dem laufenden Cashflow bedienen.
Die relevante Frage lautet deshalb nicht nur, ob der Standort bisher Gewinne erzielt hat. Entscheidend ist, ob diese Gewinne ausreichen, um zusätzlich die Finanzierung der Übernahme zu tragen und dem neuen Unternehmer ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen.
Genau hier sollte die Finanzplanung ansetzen.
Businessplan trotz bestehendem Franchisebetrieb?
Auch bei der Übernahme eines bestehenden Franchise-Standorts ist ein Businessplan sinnvoll und bei einer Finanzierung regelmäßig erforderlich.
Der Vorteil besteht darin, dass die Planung auf realen Vergangenheitswerten aufbauen kann. Diese sollten jedoch nicht einfach unverändert fortgeschrieben werden.
Der Businessplan muss berücksichtigen, was sich durch die Übernahme verändert. Dazu gehören beispielsweise neue Finanzierungskosten, ein veränderter Unternehmerlohn, geplante Investitionen, mögliche Personalveränderungen und neue Vertragsbedingungen.
Auch die Umsatzplanung sollte nachvollziehbar begründet werden.
Sind die Umsätze seit mehreren Jahren stabil, kann eine entsprechende Fortschreibung plausibel sein. Bei starken Schwankungen oder einem rückläufigen Trend sollte dagegen erklärt werden, welche Maßnahmen eine Stabilisierung oder Verbesserung ermöglichen sollen.
Für Banken ist deshalb nicht nur interessant, wie der Standort bisher funktioniert hat. Entscheidend ist die zukünftige Kapitaldienstfähigkeit unter den Bedingungen des neuen Betreibers.
Welche Unterlagen sollten Käufer vor einer Franchise-Übernahme prüfen?
Eine Franchise-Übernahme sollte auf einer möglichst umfassenden Datengrundlage bewertet werden. Dazu gehören insbesondere die betriebswirtschaftlichen Zahlen der vergangenen Jahre.
Neben Jahresabschlüssen beziehungsweise Einnahmenüberschussrechnungen können aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen und Summen- und Saldenlisten wichtige Informationen liefern. Ergänzend sollten Umsatzentwicklungen möglichst detailliert betrachtet werden, beispielsweise nach Monaten, Produktgruppen oder Standorten, sofern entsprechende Daten verfügbar sind.
Ebenso wichtig sind die bestehenden Verträge.
Dazu gehören insbesondere Mietvertrag, Franchisevertrag, Liefer- und Leasingverträge sowie relevante Dienstleistungsverträge. Auch die Beschäftigtenstruktur sollte betrachtet werden, da Personal häufig einen wesentlichen Teil der laufenden Kosten ausmacht und bei einem Betriebsübergang arbeitsrechtliche Besonderheiten zu berücksichtigen sind.
Darüber hinaus sollten Informationen über Warenbestand, Anlagevermögen und anstehende Investitionen vorliegen.
Je höher der Kaufpreis und je komplexer der Betrieb, desto wichtiger wird eine strukturierte wirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Prüfung.
Bei einer Franchise-Übernahme besteht der Kapitalbedarf häufig nicht nur aus dem Kaufpreis. Auch Betriebsmittel, Modernisierungen, Warenbestand und weitere Investitionen können finanziert werden müssen. Eine frühzeitige Finanzierungsplanung zeigt, wie hoch der tatsächliche Kapitalbedarf ist und welche Förderdarlehen oder weiteren Finanzierungsbausteine für die Übernahme infrage kommen. Die Experten unserer Unternehmens- und Existenzgründungsberatung freuen sich darauf, mit Ihnen die passende Fördermittelstrategie auszuarbeiten. Mit der kostenlosen Beratersuche finden Sie den passenden Experten für Ihr Anliegen:
Fördercheck machen Berater suchen
Mitarbeiter können ein entscheidender Wertfaktor sein
Ein Vorteil der Übernahme kann darin bestehen, dass bereits ein eingespieltes Team vorhanden ist.
Gerade in Branchen mit Fachkräftemangel kann dies einen erheblichen Wert darstellen. Ein neuer Standort muss Mitarbeiter zunächst suchen, einstellen und einarbeiten. Bei einer bestehenden Einheit sind Prozesse und Standards möglicherweise bereits bekannt.
Gleichzeitig sollte die Personalstruktur genau analysiert werden.
Wie hoch ist die Fluktuation? Gibt es Schlüsselpersonen, deren Ausscheiden den Betrieb beeinträchtigen würde? Sind ausreichend Mitarbeiter vorhanden? Welche Personalkosten entstehen? Gibt es offene Stellen oder ungewöhnlich hohe Krankenstände?
Auch sollte geprüft werden, welche Aufgaben bisher der alte Franchisenehmer selbst übernommen hat.
Wenn dieser beispielsweise Einkauf, Dienstplanung, Buchhaltung, Vertrieb und operative Arbeit gleichzeitig erledigt hat, muss der Käufer entscheiden, ob er diese Aufgaben ebenfalls übernimmt oder zusätzliches Personal benötigt.
Dadurch können sich die zukünftigen Kosten erheblich verändern.
Wann ist eine Franchise-Übernahme besonders interessant?
Eine Übernahme kann wirtschaftlich attraktiv sein, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen.
Der Standort sollte nachweislich funktionieren und eine nachvollziehbare Umsatz- und Ertragsentwicklung aufweisen. Gleichzeitig sollte der Kaufpreis in einem angemessenen Verhältnis zum nachhaltig erzielbaren Ergebnis stehen.
Besonders interessant kann eine Übernahme sein, wenn ein etablierter Kundenstamm, ein erfahrenes Team und ein langfristig nutzbarer Standort vorhanden sind und gleichzeitig kein größerer Investitionsstau besteht.
Auch die Beziehung zum Franchisegeber spielt eine wichtige Rolle. Klare Vertragsbedingungen und eine langfristige Perspektive im System schaffen Planungssicherheit.
Unter diesen Voraussetzungen kann die Übernahme gegenüber einer Neugründung einen entscheidenden Vorteil bieten: Der Unternehmer muss nicht bei null beginnen.
Wann ist ein neuer Franchise-Standort möglicherweise die bessere Wahl?
Nicht jeder bestehende Betrieb ist erhaltenswert.
Wenn ein Standort dauerhaft rückläufige Umsätze erzielt, hohe Fixkosten aufweist oder größere Investitionen benötigt, kann eine Neugründung trotz des höheren anfänglichen Risikos wirtschaftlich attraktiver sein.
Das gilt insbesondere dann, wenn der Käufer einen besseren Standort identifiziert hat oder das Franchisesystem inzwischen ein moderneres Standortkonzept verfolgt.
Auch ein überhöhter Kaufpreis kann gegen die Übernahme sprechen.
Ein etablierter Standort hat zwar einen Wert. Dieser Wert muss jedoch aus den zukünftigen Erträgen finanzierbar sein. Wird ein erheblicher Teil des zukünftigen Cashflows über Jahre für die Finanzierung des Kaufpreises benötigt, kann der wirtschaftliche Vorteil gegenüber einer Neugründung schnell verschwinden.
Die richtige Entscheidung hängt deshalb nicht davon ab, ob ein bestehender Betrieb grundsätzlich sicherer erscheint. Entscheidend ist der Vergleich beider Alternativen unter realistischen Annahmen.
Franchise-Übernahme als Form der Unternehmensnachfolge
Die Übernahme bestehender Franchisebetriebe ist gleichzeitig ein Teil des größeren Themas Unternehmensnachfolge.
Viele Unternehmer stehen in den kommenden Jahren vor der Frage, wer ihren Betrieb weiterführt. Das betrifft auch Franchisenehmer. Für Gründer entstehen dadurch Möglichkeiten, nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern einen bereits laufenden Betrieb zu übernehmen.
Gerade für Menschen mit Management- oder Branchenerfahrung kann dieser Weg interessant sein. Statt mehrere Jahre in den Aufbau eines neuen Unternehmens zu investieren, übernehmen sie vorhandene Strukturen und entwickeln diese weiter.
Das bedeutet allerdings auch, dass andere Kompetenzen gefragt sind als bei einer vollständigen Neugründung. Der neue Betreiber muss bestehende Mitarbeiter führen, gewachsene Prozesse verstehen und möglicherweise Veränderungen umsetzen, ohne funktionierende Strukturen unnötig zu destabilisieren.
Eine Übernahme ist deshalb keine Abkürzung zum Unternehmertum. Sie ist eine andere Form der Gründung.
Fördermittel und Förderdarlehen für eine Franchise-Übernahme
Auch bei einer Unternehmensnachfolge können grundsätzlich Förderprogramme und Förderdarlehen relevant sein. Welche Finanzierungsmöglichkeiten infrage kommen, hängt unter anderem vom Kapitalbedarf, der Unternehmensgröße, der persönlichen Ausgangssituation des Käufers und der konkreten Transaktionsstruktur ab.
Dabei können nicht nur der Kaufpreis, sondern je nach Programm auch Investitionen oder Betriebsmittel Bestandteil einer Finanzierung sein.
Für die Finanzierung ist jedoch entscheidend, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Übernahme nachvollziehbar dargestellt werden kann. Dazu gehören der Kaufpreis, die bisherigen Geschäftszahlen, die zukünftige Finanzplanung und die Frage, ob das Unternehmen ausreichend Cashflow erwirtschaftet, um Zins und Tilgung zu bedienen.
Eine frühzeitige Finanzierungsplanung ist deshalb besonders wichtig. Kaufvertrag und Finanzierung sollten zeitlich aufeinander abgestimmt werden, damit der Käufer nicht bereits verbindliche Verpflichtungen eingeht, bevor die Finanzierung geklärt ist.
Bestehenden Franchise-Standort übernehmen?
Eine Franchise-Übernahme verbindet Gründung, Unternehmensnachfolge und Finanzierung. Vor der Entscheidung sollten deshalb nicht nur der Kaufpreis, sondern auch die bisherigen Geschäftszahlen, notwendige Investitionen und der zukünftige Kapitaldienst geprüft werden. Eine professionelle Business- und Finanzplanung kann dabei helfen, die Wirtschaftlichkeit der Übernahme zu bewerten und die Finanzierung vorzubereiten. Lassen Sie Ihren Businessplan vor der Finanzierungsfrage von unseren Experten überprüfen. Der Businessplancheck von „Deutschland startet“ gibt Ihnen ein umfassendes Feedback: Zum Businessplancheck.
Fazit: Bei einer Franchise-Übernahme zählt der zukünftige Ertrag
Einen bestehenden Franchise-Standort zu übernehmen, kann gegenüber einer Neugründung erhebliche Vorteile bieten. Kunden, Mitarbeiter, Räumlichkeiten und betriebliche Prozesse sind möglicherweise bereits vorhanden. Vor allem liefern historische Geschäftszahlen eine wesentlich bessere Grundlage für die Planung als bei einem vollständig neuen Standort.
Diese Vorteile sollten jedoch nicht mit Sicherheit verwechselt werden.
Ein bestehender Standort kann rückläufige Umsätze, einen ungünstigen Mietvertrag, Investitionsstau oder eine problematische Kostenstruktur mitbringen. Gleichzeitig können Kaufpreis und Finanzierung dazu führen, dass ein bisher profitabler Betrieb für den neuen Eigentümer deutlich weniger attraktiv wird.
Deshalb sollte bei der Bewertung nicht allein gefragt werden, welchen Gewinn der bisherige Franchisenehmer erzielt hat.
Entscheidend ist, welchen nachhaltigen Cashflow der Standort nach der Übernahme erwirtschaften kann, wenn Finanzierungskosten, Franchisegebühren, notwendige Investitionen und eine angemessene Vergütung des neuen Unternehmers berücksichtigt werden.
Ist der Standort wirtschaftlich gesund, der Kaufpreis nachvollziehbar und die Finanzierung tragfähig, kann die Franchise-Übernahme eine interessante Alternative zur Neugründung sein. Sind dagegen hohe Investitionen notwendig oder basiert der bisherige Erfolg stark auf dem alten Betreiber, kann der Aufbau eines neuen Standorts die bessere Entscheidung sein.
Entscheidend ist, ob der Standort nach Kaufpreis, Investitionen, Franchisegebühren und Finanzierung weiterhin ausreichend Ertrag erwirtschaftet. Unsere Experten unterstützen Sie bei der Business- und Finanzplanung und prüfen gemeinsam mit Ihnen, wie sich die geplante Übernahme wirtschaftlich und finanziell darstellen lässt.
FAQ
Was bedeutet es, einen Franchise-Standort zu übernehmen?
Bei einer Franchise-Übernahme übernimmt ein neuer Franchisenehmer einen bereits bestehenden Betrieb innerhalb eines Franchisesystems. Je nach Transaktionsgestaltung können beispielsweise Geschäftsausstattung, Kundenbeziehungen, Warenbestand und weitere betriebliche Strukturen übernommen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber muss separat geregelt werden.
Ist eine Franchise-Übernahme sicherer als eine Neugründung?
Nicht automatisch. Der Vorteil besteht darin, dass historische Geschäftszahlen und ein bestehender Betrieb analysiert werden können. Gleichzeitig können Investitionsstau, rückläufige Umsätze, hohe Fixkosten oder ungünstige Verträge übernommen werden. Eine wirtschaftliche Prüfung bleibt deshalb erforderlich.
Welche Zahlen sollte ich vor einer Franchise-Übernahme prüfen?
Wichtig sind insbesondere Umsatz- und Ergebnisentwicklung, Wareneinsatz, Personalkosten, Miete, Franchisegebühren, Marketingumlagen und weitere laufende Kosten. Die Zahlen sollten möglichst über mehrere Geschäftsjahre betrachtet werden.
Wie erkenne ich, ob der Kaufpreis für einen Franchisebetrieb angemessen ist?
Der Kaufpreis sollte unter anderem im Verhältnis zum nachhaltig erzielbaren Ertrag des Unternehmens betrachtet werden. Dabei muss berücksichtigt werden, welche Arbeitsleistung der bisherige Inhaber selbst erbracht hat und welche zusätzlichen Kosten nach der Übernahme entstehen.
Brauche ich für die Übernahme eines Franchisebetriebs einen Businessplan?
Bei einer Finanzierung wird regelmäßig eine nachvollziehbare Unternehmens- und Finanzplanung benötigt. Ein Businessplan kann dabei auf den historischen Zahlen des bestehenden Betriebs aufbauen, muss aber die zukünftige Situation unter dem neuen Betreiber berücksichtigen.
Kann eine Franchise-Übernahme finanziert werden?
Grundsätzlich können für Unternehmensübernahmen Bankdarlehen und je nach Voraussetzungen auch Förderdarlehen oder weitere Finanzierungsinstrumente infrage kommen. Welche Finanzierung möglich ist, hängt vom Kaufpreis, Eigenkapital, Kapitalbedarf und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Betriebs ab.
Können Fördermittel für eine Franchise-Übernahme genutzt werden?
Je nach Programm und persönlicher Ausgangssituation können Förderinstrumente auch bei Unternehmensnachfolgen und Franchisegründungen eingesetzt werden. Dabei ist zu prüfen, welche Kosten förderfähig beziehungsweise finanzierbar sind und welche Voraussetzungen gelten.
Muss der Franchisegeber einer Übernahme zustimmen?
Die Übertragung beziehungsweise Fortführung des Franchiseverhältnisses hängt von den jeweiligen vertraglichen Regelungen ab. In der Praxis sollte deshalb frühzeitig geklärt werden, ob der Franchisegeber dem neuen Betreiber zustimmt und zu welchen Bedingungen ein Franchisevertrag abgeschlossen oder fortgeführt werden kann.
Was passiert mit den Mitarbeitern bei einer Franchise-Übernahme?
Bei einem Betriebsübergang können arbeitsrechtliche Regelungen greifen. Ob und in welcher Form Arbeitsverhältnisse übergehen, hängt von der konkreten Transaktion ab und sollte vor Abschluss der Übernahme rechtlich geprüft werden.
Wann lohnt sich die Übernahme eines Franchise-Standorts?
Eine Übernahme kann besonders interessant sein, wenn der Standort nachhaltig profitabel arbeitet, der Kaufpreis wirtschaftlich tragfähig ist, keine unverhältnismäßig hohen Folgeinvestitionen erforderlich sind und Kunden, Mitarbeiter sowie Standortbedingungen auch nach dem Betreiberwechsel erhalten bleiben. Entscheidend ist letztlich, ob der zukünftige Cashflow die laufenden Kosten, den Kapitaldienst und eine angemessene Vergütung des Unternehmers tragen kann.