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Zum Zusammenhang von Investitionsbereitschaft und Alter bei Unternehmern

Anlässlich einer neuen KfW-Studie rückt die drängende Frage erneut in den Vordergrund, wie der Mittelstand in Deutschland damit umgehen soll, wenn in voraussichtlich 2025 die Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben ausscheidet. Aktuelle Befunde stellen eine negative Korrelation zwischen dem ansteigenden Alter von Inhabern eines Unternehmens und ihrer Investitionsbereitschaft fest.

Nur jeder dritte Geschäftsführer über 60 setzt Kapital für die Weiterentwicklung seines Unternehmens ein; der Rest zieht sich hieraus zurück. Häufig liegt dies in dem kürzeren Planungshorizont der betroffenen Unternehmer begründet, für welche die Amortisationsdauer von Anlagetätigkeiten zu lang ist, um sich aus ihrer Sicht zu lohnen. Von den Geschäftsführern unter 40 Jahren setzten 2004–2013 57% Kapital ein, bei den über 60-jährigen waren es im gleichen Zeitraum nur 37%. Nicht das mangelnde Investitionsvolumen, sondern die Anzahl derer, die bereit sind, überhaupt mit Prozessinnovationen zu kalkulieren, stellt sich hierbei als problematisch dar. Wird Geld eingesetzt, geschieht dies eher im Bereich Produktinnovation oder um den bestehenden Kapitalstock zu pflegen. Längerfristig kapazitätserweiternde, stärker risikobehaftete und somit zwar kapitalbindende, aber auch wettbewerbsstärkende Zukunftsinvestitionen werden untergeordnet behandelt je näher Geschäftsinhaber dem Rentenalter kommen. Die zugrundegelegten Daten wurden von 2004–2013 erhoben.

Mit 1,3 Mio KMUs, deren Inhaber aktuell über 55 Jahre alt sind und somit einem Drittel des Mittelstandes, nimmt dieser Teil der Unternehmer eine wichtige Rolle für die deutsche Wirtschaft ein. Seit 2002 ist der Anteil dieser Altersgruppe bei den Unternehmern im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sogar vier Mal so stark gestiegen. Der durchschnittliche Chef war branchenübergreifend 2002 noch 45 Jahre, inzwischen 51 Jahre alt. Die beschleunigte Alterung vollzieht sich besonders schnell in KMUs aus dem verarbeitenden Gewerbe (Durchschnittsalter des Chefs: 54) und unabhängig vom Wirtschaftszweig tendenziell bei größeren Mittelständlern mit über 50 Beschäftigten (Durchschnittsalter des Chefs: 53).

Da es sich bei dieser Entwicklung aufgrund des demografischen Wandels nicht um einen Trend, sondern ein strukturelles Problem resultierend in einem Neuinvestitionsmangel handelt, müssen Lösungen gefunden werden, die die bevorstehende Demografiefalle und Leistungslücke flächendeckend abfangen. Sonst werden nicht nur künftiger Geschäftserfolg sowie Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplatzsicherung gefährdet, sondern Modernisierung wird ausgebremst und das gesamtwirtschaftliche Wachstum reduziert sich drastisch. Schon jetzt übersteigt der Wertverlust des Kapitalstocks das Volumen der Neuinvestitionen bei 8 von 10 Mittelständlern. Zwei Bausteine, auf die zur Verbesserung der Lage gesetzt werden sollte, könnten zum einen die frühzeitige Klärung der Nachfolge sein, um Investitionsstau zu vermeiden und vorzugreifen; zum anderen könnte für Alteigentümer ein entscheidender Anreiz über Renditebeteiligung an in der Spätphase getätigten Investitionen nach ihrem Rückzug geschaffen werden. Fest steht, dass verstärkte Bemühungen der Politik in diese unvermeidbare und bald anstehende Problematik des Mittelstandes einfließen müssen, um das Unternehmertum Deutschlands zu unterstützen.

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