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Ein Mann spielt eine Schachfigur auf einem Schachbrett.

Liquiditätsmanagement ist eine der wichtigsten Disziplinen der Unternehmensführung. Denn was nützen reißende Absätze, wenn trotzdem ständig zu wenig verfügbares Guthaben auf den Geschäftskonten ist, um alle laufenden Verbindlichkeiten pünktlich und problemlos tilgen zu können? Unternehmer, die Erfolg beim Liquiditätsmanagement haben, halten sich deshalb an einige wichtige Grundregeln. Diese sollten auch diejenigen kennen, die sich selbstständig machen wollen, um gut vorbereitet durchzustarten. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche das sind.

Was bedeutet Liquiditätsmanagement?

Um sich dem Thema Liquiditätsmanagement angemessen zu nähern, ist es nützlich zu wissen, worum es sich dabei eigentlich handelt. Liquiditätsmanagement, mitunter auch Cash-Management genannt, ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre. Er bezeichnet sämtliche unternehmerischen Aktivitäten, welche darauf ausgerichtet sind, die eigene Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Zum Liquiditätsmanagement gehören die Liquiditätsanalyse und die Liquiditätsplanung. Eine umfassende Begriffsdefinition finden Sie hier (externer Link).

Bei multinationalen Konzernen und großen Aktiengesellschaften ist das Liquiditätsmanagement oft als eigenständige Tochterfirma organisiert, die keine andere Aufgabe hat, als sämtliche Zahlungsströme abzubilden und zu überwachen und ein im Hinblick auf Parameter wie etwa Zinserträge, Skonti, Währungsunterschiede und Kontobewegungen möglichst ökonomisches Handeln zu garantieren.

In kleinen und mittelständischen Unternehmen obliegt es hingegen zumeist der Geschäftsführung und den leitenden kaufmännischen Angestellten, das Liquiditätsmanagement in geordnete Bahnen zu lenken.

Wichtig: Liquiditätsmanagement nicht erst in Krisenzeiten zum Thema machen!

Doch viele tun sich genau damit schwer. Der Grund: Liquiditätsmanagement wird in KMU bedauerlicherweise oft erst dann zum Thema, wenn Unternehmen in Schwierigkeiten geraten ist. Wenn also zum Beispiel Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können oder gar die Bedienung der Fixkosten wie Miete und Gehälter schwerfällt. Das ist aber eigentlich zu spät. Viel besser ist es, Sie beschäftigen sich schon vorher mit diesem wichtigen Thema und halten es im Sinne Ihrer Liquidität mit den folgenden fünf Maximen:

1) Immer genau im Bilde sein!
Ein täglicher Kassensturz ist kein Hexenwerk. Auch eine sämtliche erfüllten und offenen Verbindlichkeiten und Außenstände in Echtzeit abbildende Excel-Tabelle ist heute nicht mehr schwer zu erstellen. Das Rückgrat eines erfolgreichen Liquiditätsmanagements ist immer die exakte Kenntnis der unternehmenseigenen Zahlungsströme und der ganz konkreten finanziellen Situation. Denn nur so kann ein Liquiditätsengpass schon im Voraus erkennen und entsprechend gegensteuern.

2) Das eigene Rechnungs- und Mahnwesen stringent führen!
Direkt nach Leistung oder Lieferung versandte Rechnungen mit überschaubaren Zahlungszielen sind für Ihr Liquiditätsmanagement wichtig. Da erfahrungsgemäß jedoch nicht alle Marktteilnehmer eine einwandfreie Zahlungsmoral an den Tag legen, ist ein straff geführtes Mahnwesen (externer Link) ebenso wichtig. Weisen Sie Ihre Buchhaltung an, keinen Spaß zu verstehen. Bereits am ersten Tag einer Fälligkeitsüberschreitung sollte eine Zahlungserinnerung mit erneuter Fristsetzung versendet werden, erste und zweite Mahnung bei weiterer Nichtzahlung ebenfalls sogleich erfolgen. Verstreichen beide Mahnungen fruchtlos, lohnt es sich nicht mehr, mit der Erwirkung eines gerichtlichen Mahnbescheides zu drohen. Besser ist es dann, diesen sogleich zu erwirken.

3) Zahlungsvergünstigungen wie Skonti konsequent nutzen!
Ein geordnetes Liquiditätsmanagement hat zur Folge, dass Sie immer weitgehend flüssig sind und Zahlungen nicht auf die lange Bank schieben müssen. Diese Liquidität sollten Sie nutzen, um Vorteile wie bei zeitnaher Zahlung gewährte Skonti konsequent zu realisieren. Denn das zahlt sich auf Dauer bemerkbar für Sie aus.

4) Unnötige Lagerbestände und Produktionsüberschüsse vermeiden!
Um die Liquidität Ihres Unternehmens nicht zu gefährden, sollten Sie auf eine präzise Korrelation zwischen Produktion bzw. Lagerhaltung auf der einen und Abverkauf auf der anderen Seite achten. Ein volles Lager ist toll, wenn eine Bestellung nach der anderen hereinkommt. Es kann sich aber auf Durststrecken als Handicap erweisen, weil die Erlöse den bereits fällig gewordenen Verbindlichkeiten nicht nachkommen.

5) Kreditmittel bedarfsorientiert und vorausschauend planen!
Wenn Sie stets exakt über die Zahlungsströme Ihres Unternehmens informiert sind, können Sie auf der Basis dieser Daten im Rahmen der Liquiditätsplanung ein Stück weit in die Zukunft schauen und Finanzierungslücken wahrnehmen, bevor sie entstehen. Dies hilft Ihnen wiederum, benötigte Geldmittel zur Sicherung der Liquidität rechtzeitig flott zu machen. Etwa durch eine Erweiterung Ihres Kontokorrentkredits oder durch eine kurzfristige Anleihe. Die Liquiditätsplanung gehört übrigens in jeden ordentlichen Businessplan rein und sollte ansatzweise bereits vor einer Existenzgründung vollzogen werden.

Unternehmen bereits in Schwierigkeiten: Tipps gegen Liquiditätsengpass

Etwas anders liegt die Sache allerdings, wie einleitend anklang, wenn die Liquidität des Unternehmens bereits gefährdet ist, weil eine Krise die Wirtschaft beutelt oder auch, weil sich niemand in der Firma rechtzeitig Gedanken über Liquiditätsmanagement gemacht und vielleicht auch keinen Liquiditätsplan bzw. Finanzplan erstellt hat. Dann hilft es wenig, sich mit dem zu befassen, was man hätte tun können. Dennoch gibt es auch in dieser Situation einige Möglichkeiten, die eigene Liquidität wieder in den Griff zu bekommen. Drei davon möchten wir Ihnen nun abschließend vorstellen:

  1. Beratung: Gerade wenn es unternehmerisch drunter und drüber geht, ist es ratsam, Unternehmensberatung hinzuziehen. Die Kosten für diese Beratung können (bis zu 90 %) durch das BAFA übernommen werden (BAFA-Förderung für Unternehmensberatungen). 
  2. Verhandeln: Machen Sie sich klar, dass eine Krise wie zum Beispiel die derzeitige Corona-Krise nicht nur Ihre Krise ist. Verhandeln Sie also mit Lieferanten über Ratenzahlungen, mit Ihrem Vermieter über Stundungen. Bitten Sie Ihre Belegschaft, die Gehälter und Löhne in zwei monatlichen Chargen überweisen zu dürfen. Nutzen Sie Mittel wie das Kurzarbeitergeld, um finanzielle Verpflichtungen temporär zurückzufahren. Und bedenken Sie immer: In einer Krise ist positive Führungsstärke besonders wichtig (externer Link).
  3. Factoring: Durch das Outsourcen Ihrer Forderungsrechte können Sie enorme Zeitvorteile für Ihr Liquiditätsmanagement realisieren. Im Klartext heißt Factoring nichts anderes, als dass Sie für jede gestellte Rechnung sofort eine Zahlung erhalten, wenn Sie gegen eine vergleichsweise moderate Gebühr Ihre aus dieser Rechnung resultierende Forderung an einen Dienstleister veräußern.
  4. Informieren: Im Zusammenhang mit der Corona-Krise z. B. gelten weiterhin bestimmte Einschränkungen des Insolvenzrechtes (externer Link). Die wohl wichtigste besteht darin, dass rein faktisch zahlungsfähig bleibende Unternehmen i. d. R. auch bei eintretender Überschuldung aufgrund der Corona-Krise bis Ende 2020 keine Insolvenz anmelden müssen. Es spricht also Vieles dafür, hart am Ball zu bleiben und das eigene Liquiditätsmanagement nicht zuletzt als zentrales Instrument für das unternehmerische Überleben in Krisenzeiten zu begreifen.

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