In einer Kfz-Werkstatt können die unterschiedlichsten Dienstleistungen angeboten werden. Hierbei handelt es sich sowohl um das Beheben von Unfallschäden oder kleineren Mängeln, den Wechsel von üblichen Verschleißteilen, Reifenwechsel, Vorbereitung für die TÜV/AU-Abnahme und weitere angrenzende Tätigkeiten wie z. B. die Lackierung von kleineren Schäden. Um erfolgreich eine Kfz-Werkstatt aufzubauen, ist zuallererst Planung notwendig. Der erste Schritt ist die Finanzplanung.
Der Weg in die Selbstständigkeit in diesem Bereich ist für viele angehende Existenzgründer sehr attraktiv. Insbesondere, wenn man Kfz-affin ist und über eine entsprechende berufliche Ausbildung (oftmals inklusive Meistertitel) verfügt, kann der Betrieb einer Kfz-Werkstatt sehr viel Spaß machen. Zudem ist es ein rentables Geschäftsmodell, wenn man über einen beständigen Kundenkreis verfügt und sich ggf. durch ein erweitertes Portfolio von der Konkurrenz abheben kann.
Die Einrichtung einer Kfz-Werkstatt inklusive einer Hebebühne, notwendigen (Mess-)Geräten und Werkzeugen sowie eines kleinen Lagers für gängige Ersatzteile ist sehr kostenintensiv. Man kann von einem Kapitalbedarf im fünf- oder sogar sechsstelligen Bereich ausgehen.
Als Existenzgründer oder Jungunternehmer kann man hierfür z. B. ein staatliches Förderdarlehen beantragen, um den Kapitalbedarf zu decken. Um dieses beantragen zu können, muss ein aussagekräftiger Businessplan erstellt werden. Dieser muss einen detaillierten Finanzplan enthalten, in dem die wichtigsten betrieblichen Kennzahlen des Unternehmens für die nächsten drei Jahre prognostiziert werden.
In diesem Artikel gehen wir auf die Besonderheiten eines Finanzplans für den Betrieb einer Kfz-Werkstatt ein.
Erstellung eines Finanzplans
Ein professioneller Finanzplan ist ein wichtiger Bestandteil für den Antrag auf eine staatliche Förderung wie z. B. das KfW-StartGeld.
Im Vorfeld der Erstellung eines solchen Finanzplans sollte man sich als Existenzgründer oder angehender Selbstständiger mit den folgenden Fragen beschäftigen:
- Welche Maschinen, Werkzeuge und Geräte muss ich für den Start oder die Erweiterung des Betriebs anschaffen?
- Wie hoch sind deren Kosten?
- Für welche Dienstleistung wird es die höchste Nachfrage geben?
- Zu welchem Stundenlohn kann ich die Dienstleistungen anbieten? Wie hoch ist die Marge auf verwendetes Material (Wareneinsatz)?
- Wie viele Kunden/Aufträge sind pro Tag/Woche/Monat realistisch?
- Welche Umsätze ergeben sich daraus?
- Wie hoch sind die laufenden betrieblichen Kosten (Miete, Strom, Software etc.)?
- Welche steuerlichen Abgaben sind quartalsweise zu berücksichtigen?
Finanzplan-Erstellung für den Betrieb einer Kfz-Werkstatt
Um ein Förderdarlehen beantragen zu können, muss ein Finanzplan ausgearbeitet werden. Dieser ist ein wichtiger Bestandteil eines Businessplans und beinhaltet die folgenden Bestandteile:
- Investitionsplan: In diesem ist aufzulisten, welche Investitionen für den Start in die Selbstständigkeit getätigt werden müssen, um den Kunden ein möglichst umfassendes Portfolio anbieten zu können.
- Umsatzentwicklung: Hier wird abgebildet, mit wie vielen Kunden pro Tag/Woche/Monat man kalkuliert. Verbunden mit dem Stundensatz (netto) und dem Verkaufspreis der verwendeten Teile (z. B. Batterie, Reifen, Elektrikzubehör etc.) ergibt sich daraus der monatliche Gesamtumsatz des Unternehmens.
- Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung): In dieser wird neben dem errechneten Umsatz auch der Wareneinsatz erfasst, also z.B. der Einkaufspreis für verwendete Teile oder Verbrauchsmaterialien. Hinzukommen etwaige Personalkosten, falls man angestelltes Personal im Unternehmen beschäftigt. Ebenso kommen laufende betriebliche Kosten hinzu, wie z. B. Aufwände für die Miete der Werkstattfläche, Nebenkosten, Werbung, Instandhaltung etc. Ebenfalls zu berücksichtigen sind Zinsen für ein Darlehen, Abschreibungen sowie Steuerabgaben. Diese sind abhängig vom Standort (Gewerbesteuer) und der Rechtsform (Körperschaftssteuer bei Kapitalgesellschaften) der Selbstständigkeit. In der Rentabilitätsvorschau kann so der konkrete monatliche und jährliche Gewinn des Unternehmens prognostiziert werden.
- Cash-Flow und Liquiditätsplanung: Diese generiert sich zum Großteil aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Sie wird jedoch dynamisch um Zahlungsziele (auch für den Einkauf/Wareneinsatz) sowie die Zeitpunkte möglicher Steuerzahlungen und -rückerstattungen ergänzt. Mit dieser Vorgehensweise wird klar ersichtlich, wie viel Liquidität sich im Zeitverlauf auf dem Geschäftskonto befindet. Es sollte immer ein Puffer an Liquidität von ca. dem Dreifachen der laufenden monatlichen Kosten des Betriebs vorhanden sein.
- Tilgungsplan: In diesem wird unter Berücksichtigung der Laufzeit, des Zinssatzes und einer tilgungsfreien Anlaufphase der Kapitaldienst abgebildet. Dieser ergibt sich aus den Zinsen für das Darlehen und der monatlichen Tilgungsrate. Man errechnet also die monatliche Gesamtrate, die für das Förderdarlehen anfällt.
- Abschreibungen: Einige der getätigten Investitionen können abgeschrieben werden. Hierzu gibt es offizielle Abschreibungstabellen, die man zur Berechnung verwenden kann. Die Abschreibungen reduzieren den Gewinn des Unternehmens.
Die Bestandteile eines Finanzplans müssen auf Monatsbasis abgebildet werden. Relevant sind die ersten drei Geschäftsjahre nach der Aufnahme des Förderdarlehens. Bei der Erstellung eines solchen bankenfähigen Finanzplans kann man auf das Know-how von erfahrenen Unternehmensberatern zurückgreifen. Diese Beratungsleistung wird staatlich gefördert, um die Erfolgswahrscheinlichkeit der Selbstständigkeit zu erhöhen.
Hebebühnen, Diagnosesysteme, Werkstattumbau: Wir unterstützen Sie bei Investitionsplan, Finanzplan, Businessplan und dem passenden Fördercheck – damit Ihre Finanzierung nachvollziehbar ist und Banken/Förderbanken die Zahlen schnell prüfen können.
Bestandteile des Geschäftsmodells
Im Betrieb einer Kfz-Werkstatt geht es darum, ein möglichst umfangreiches Portfolio anbieten zu können. Schließlich möchten potenzielle Kunden bevorzugt z.B. eine Schadensbehebung komplett bei einem Anbieter in Auftrag geben können. Dies gilt auch für die TÜV-/AU-Prüfung im Nachgang an eine notwendige Reparatur. Während reguläre Leistungen wie Reifenwechsel, Sommer-/Winter-Check oder ein Ölwechsel von vielen Werkstätten angeboten werden, kann das Portfolio gezielt erweitert werden, um einen größeren Kundenkreis ansprechen zu können.
Zu einem breit aufgestellten Portfolio einer Kfz-Werkstatt können die folgenden Bestandteile gehören:
- Smart Repair
- Spot Repair
- Fahrzeuglackierung
- Klimadesinfektion
- Glasservice, z.B. bei Steinschlägen
- Elektrik & Elektronik
- Fahrzeugaufbereitung (Innen- und Außenreinigung)
- An- und Verkauf von Fahrzeugen
Je nach Standort und erwarteter kundenseitiger Nachfrage können die Schwerpunkte natürlich variieren.
Investitionsplan erstellen
Für die Einrichtung einer Kfz-Werkstatt kann man mit einer hohen fünfstelligen Summe rechnen, die zu Beginn investiert werden muss. Im Investitionsplan wird der genaue Kapitalbedarf für die Existenzgründung dargestellt. Je nachdem, wie umfassend das angebotene Portfolio sein soll, kann auch schnell eine sechsstellige Summe erforderlich sein, um erfolgreich in die Existenzgründung zu starten. Dies gilt insbesondere, wenn man ergänzend im Kfz-Handel aktiv sein möchte.
Konkret werden die folgenden Investitionen notwendig sein:
- Eine oder mehrere Hebebühnen
- Hebetechnik
- Kompressor
- Diagnosesysteme
- Werkzeug
- Werkbänke
- Bodenregale und Spezialschränke
- eine Bürofläche
- Umbau der Fläche, inkl. Sanitär- und Wartebereich für die Kunden
Diese Auflistungen sind individuell anzupassen und im Investitionsplan aufzulisten.
Auch bei der Erweiterung eines bestehenden Unternehmens ist diese Vorgehensweise zu nutzen, wenn man für das Wachstum des Unternehmens Investitionen plant.
Fazit
Eine Existenzgründung mit dem Betrieb einer Kfz-Werkstatt kann ein rentables Geschäftsmodell darstellen. Ein umfangreiches Portfolio, das sich deutlich von anderen lokalen Anbietern abgrenzt, kann für den nachhaltigen Erfolg entscheidend sein.
Der Start in die Selbstständigkeit kann mit einem Förderdarlehen gelingen. Hierfür ist es wichtig, einen Finanzplan in der Qualität zu erstellen, wie sie von (Förder-)Banken zur Prüfung einer Finanzierung erwartet wird.
Sie möchten sich bei der Finanzplan-Erstellung für Ihre Existenzgründung professionell beraten lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten.
FAQ
Welche Finanzierung ist für eine Kfz-Werkstatt-Gründung typisch?
Meist besteht die Finanzierung aus Eigenmitteln plus Bankdarlehen oder Förderdarlehen. Welche Finanzierung passt, hängt von Investitionshöhe, Standort und geplantem Leistungsportfolio ab.
Wie hoch ist der Kapitalbedarf und wie wirkt sich das auf die Finanzierung aus?
Eine Werkstattgründung liegt häufig im hohen fünfstelligen Bereich, je nach Ausstattung auch im sechsstelligen. Je höher der Kapitalbedarf, desto wichtiger wird eine saubere Finanzierung mit belastbarer Liquiditätsplanung.
Welche Investitionen sind für die Finanzierung besonders relevant?
Hebebühnen, Hebetechnik, Kompressoren, Diagnosesysteme, Werkzeuge und Werkbänke zählen zu den typischen Kerninvestitionen, die in der Finanzierung abgebildet werden müssen.
Warum benötigt man für die Finanzierung einen Finanzplan in Bankenqualität?
Banken und Förderbanken prüfen die Finanzierung über Rentabilität, Liquidität und Kapitaldienst. Ein professioneller Finanzplan zeigt, ob die Finanzierung tragfähig ist und die Rückzahlung realistisch bleibt.
Welche Rolle spielt das Portfolio für die Finanzierung?
Ein breites, differenziertes Portfolio stärkt die Umsatzlogik und damit die Finanzierung. Zusätzliche Leistungen (z. B. Smart Repair, Glasservice, Aufbereitung) können die Auslastung verbessern und die Finanzierung absichern.
Kann man die Finanzierung mit einem Förderdarlehen umsetzen?
Ja, für viele Gründer ist ein Förderdarlehen ein zentraler Baustein der Finanzierung. Voraussetzung sind in der Regel bankfähige Unterlagen und eine plausible Planung.
Wie berücksichtigt man Umbau, Wartebereich und Sanitär im Rahmen der Finanzierung?
Solche Maßnahmen gehören in den Investitionsplan und erhöhen die Finanzierung. Wichtig ist, Kosten realistisch zu kalkulieren und in Liquidität sowie Tilgungsplan einzubauen.
Was prüfen Banken bei der Finanzierung einer Werkstatt besonders kritisch?
Typisch sind Standort, Wettbewerb, Preis-/Marge, Auslastung, Fixkosten, Unternehmerlohn und die Kapitaldienstfähigkeit. Je klarer die Zahlen, desto leichter fällt die Finanzierung.
Wie kann Beratung die Finanzierungschancen verbessern?
Mit professioneller Beratung werden Investitionsplan, Finanzplan und Businessplan so strukturiert, dass die Finanzierung nachvollziehbar ist und typische Rückfragen von Banken bereits beantwortet sind.
Wann sollte man die Finanzierung planen – vor oder nach der Standortentscheidung?
Idealerweise parallel: Standort, Flächenkosten und Umbau beeinflussen die Finanzierung stark. Wer die Finanzierung früh durchrechnet, vermeidet Fehlentscheidungen bei Miete, Ausstattung und Investitionsumfang.