Existenzgründer sind für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit oftmals auf eine externe Finanzierung angewiesen. Denn nur in den seltensten Fällen ist genug Eigenkapital vorhanden, um die notwendigen Investitionen tätigen zu können. Zudem muss man in der Liquiditätsplanung dauerhaft genug Puffer haben, um auf Umsatzverzögerungen etc. vorbereitet zu sein.
Dies gilt auch für den Kauf eines bereits bestehenden Unternehmens im Zuge einer Geschäftsübernahme. Auch hier hilft die Aufnahme von Fremdkapital, um den Kaufpreis zahlen oder weitere Anschaffungen tätigen zu können.
Für die entsprechende Ausstattung mit Kapital sind staatliche Förderdarlehen sehr attraktiv. Diese zeichnen sich im Vergleich zu klassischen Bankdarlehen durch deutlich niedrigere Zinssätze aus.
Zudem werden den Darlehensnehmern oftmals tilgungsfreie Anlaufzeiten eingeräumt. Dies bedeutet, dass das Darlehen nicht sofort zurückgezahlt werden muss, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.
In diesem Artikel möchten wir erläutern, wie eine solche tilgungsfreie Zeit zu verstehen ist und welche Vorteile und Nachteile sie mit sich bringt.
Förderdarlehen – Definition und Bestandteile
Staatlich geförderte Darlehen werden von Existenzgründern und Jungunternehmen sehr stark nachgefragt, da sie generell attraktive Konditionen ausweisen. Diese Förderdarlehen können im Rahmen einer Gründerfinanzierung mit einem Businessplan beantragt werden. Denn auch wenn es sich um ein neu gegründetes Unternehmen handelt und noch keine Jahresabschlüsse existieren, ermöglicht der Staat die Aufnahme von Fremdkapital in Form von geförderten Darlehen. Denn in Deutschland sollen Gründungsvorhaben explizit unterstützt und gefördert werden. Die im Businessplan und Finanzplan abgebildeten Planzahlen müssen jedoch überzeugen und die Erfolgsaussicht des Vorhabens verdeutlichen.
Die Vorteile eines Förderdarlehens sind z. B.:
- niedriger Zinssatz: Der Zinssatz liegt durchschnittlich ca. 1,5 Prozentpunkte unter dem Zins von klassischen Bankdarlehen für eine Unternehmensfinanzierung.
- Kein oder kaum Eigenkapital: Die Aufnahme ist meist ohne eingebrachtes Eigenkapital möglich. Bei manchen Förderprogrammen reichen auch nur 10 % Eigenkapital aus, um das Darlehen zu erhalten.
- tilgungsfreie Anlaufzeit: Wenn man z. B. als Privatperson einen Konsumentenkredit aufnimmt, muss dieser ab dem Monat der Darlehensaufnahme wieder getilgt werden. Einen staatlich geförderten Gründerkredit wie z. B. das KfW-StartGeld muss man jedoch im ersten Jahr nicht zurückzahlen, wenn die Laufzeit des Darlehens fünf Jahre beträgt (als Mindestlaufzeit). Bei einer längeren Laufzeit, z. B. über zehn Jahre, werden sogar zwei tilgungsfreie Anlaufjahre gewährt.
- Auch bei Mikrokrediten, die man in den einzelnen Bundesländern beantragen kann, gibt es meist eine tilgungsfreie Zeit von bis zu sechs Monaten.
Beantragung eines geförderten Darlehens – Finanzplan-Erstellung
Zunächst wird im schriftlichen Teil eines Businessplans das komplette Geschäftsmodell beschrieben. Er beinhaltet z. B. eine Analyse von Markt und Wettbewerb, die Konzeption einer Marketingstrategie, die Preisstrategie, die Wahl der Rechtsform sowie eine SWOT-Analyse. Die Erstellung des Finanzplans ist darüber hinaus notwendig, um die betrieblichen Kennzahlen zu prognostizieren. Der Finanzplan muss die folgenden Parameter beinhalten:
- Aus dem Kapitalbedarfsplan/Investitionsplan geht hervor, wofür das Förderdarlehen genutzt werden soll. Dieses ist für Investitionen möglich, z. B. für ein Kfz, Maschinen, Werkzeug oder den Erwerb einer Software. Das Darlehen kann aber auch zur Finanzierung von Betriebsmitteln eingesetzt werden. Beispielsweise für die Umsetzung einer Marketingstrategie, für Beratungskosten, die Miete einer Bürofläche oder eines Lagers oder auch Reisekosten.
- In der Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung) werden die monatlichen Umsätze sowie alle betrieblichen Kosten dargestellt. Davon werden noch Steuern abgezogen, z. B. die Gewerbesteuer oder die Körperschaftsteuer. So wird der Gewinn eines Unternehmens vor und nach Steuern pro Monat und pro Jahr errechnet.
- Der Liquiditätsplan leitet sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung ab und wird um Zahlungsziele, die ggfs. anfallende Umsatzsteuer sowie die Tilgung des Förderdarlehens ergänzt.
- Zudem sollte man einen Tilgungsplan mit einer exemplarischen Laufzeit erstellen, in dem der Kapitaldienst (Summe aus Zins und Tilgung des Darlehens) errechnet wird.
Mit beiden Bestandteilen (Businessplan & Finanzplan) kann das Darlehen dann beantragt werden.
Definition und Vorteil der tilgungsfreien Anlaufzeit
Wenn man über staatlich geförderte Darlehen spricht, denkt man in erster Linie an die Förderprogramme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Denn diese agiert deutschlandweit.
Zudem gibt es in vielen Bundesländern noch spezifische Förderprogramme und Mikrodarlehen. Diese haben meist eine Obergrenze von 40.000 – 50.000 Euro.
Es lohnt sich also, alle Möglichkeiten der Förderung von Gründern zu prüfen. Diese Überprüfung aller Möglichkeiten kann auch im Rahmen einer Existenzgründungsberatung erfolgen.
Nahezu alle geförderten Darlehen verfügen über eine tilgungsfreie Anlaufzeit. Diese sorgt dafür, dass man das Darlehen nicht direkt tilgen muss. D. h., wenn ein Darlehen eine Laufzeit von fünf Jahren hat, sind die ersten zwölf Monate tilgungsfrei. Anstatt in insgesamt 60 monatlichen Raten sind es nur 48 Raten (auf vier Jahre verteilt anstatt auf fünf Jahre). In diesen zwölf Monaten zahlt man nur die Zinsen auf das Darlehen, aber keine Tilgungsrate.
Der wohl größte Vorteil einer tilgungsfreien Zeit ist die Schonung der Liquidität. Gerade in der direkten Phase nach der Existenzgründung hat man sehr viele strategische und operative Themen zeitgleich zu behandeln. Man muss sich um das Tagesgeschäft und dessen Entwicklung kümmern. Auch kaufmännische und buchhalterische Themen werden relevant. Gerade in dieser Phase ist es wichtig, über eine ausreichende Liquidität auf dem Geschäftskonto zu verfügen. Daher hilft es extrem beim Aufbau der Liquidität, das Förderdarlehen für eine gewisse Zeit nicht tilgen zu müssen.
Die Zinsen müssen natürlich monatlich bezahlt werden. Diese bilden im gesamten Kapitaldienst (Zins & Tilgung) aber den deutlich niedrigeren Teil.
Liquiditätsplan für die Gründerfinanzierung erstellen
In den Liquiditätsplan werden einerseits die anfallenden Zinsen für das Darlehen eingetragen (als betriebliche Kosten in der Rentabilitätsvorschau). Zusätzlich werden die Tilgungsraten pro Monat als Liquiditätsabgang eingesetzt. Wenn man eine tilgungsfreie Anlaufzeit im Rahmen eines gewährten Förderdarlehens erhalten hat, entfällt die Überführung der Tilgungsrate aus dem Tilgungsplan in den Liquiditätsplan.
Nach der Saldierung von allen Zu- und Abgängen auf dem Geschäftskonto wird der Endbestand der Liquidität auf dem Geschäftskonto ersichtlich. Dieser kann natürlich schneller anwachsen, wenn man ein aufgenommenes Darlehen für einen gewissen Zeitraum nicht tilgen muss.
Fazit
Einer der positiven Aspekte eines geförderten Darlehens ist die Möglichkeit, das Darlehen nicht sofort zurückzahlen zu müssen, so wie es bei gängigen Bankkrediten der Fall ist. Dies hilft ungemein dabei, in der Anfangsphase der Selbstständigkeit Liquidität aufzubauen und so die Voraussetzung für ein gesundes Unternehmenswachstum zu schaffen.
Insofern sollte man bei der Vorbereitung einer Gründerfinanzierung immer versuchen, ein Förderdarlehen erhalten zu können, bevor man reguläre Bankdarlehen beantragt. Denn diese haben meist keine tilgungsfreie Phase, sondern müssen direkt getilgt werden.
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FAQ
Ab welchem Kapitalbedarf kann man ein Förderdarlehen beantragen?
Einige regionale Mikrodarlehen können bereits ab einem Kapitalbedarf von 5.000 Euro beantragt werden. Die konkreten Mindestbeträge und Höchstgrenzen hängen vom jeweiligen Förderprogramm und vom Bundesland ab.
Welche Förderdarlehen eignen sich für einen Kapitalbedarf unter 30.000 Euro?
Bei einem Kapitalbedarf unter 30.000 Euro können regionale Mikrodarlehen eine geeignete Finanzierungsmöglichkeit sein. Diese Programme werden häufig von den Förderbanken der Bundesländer angeboten.
Gibt es beim KfW-StartGeld eine Mindesthöhe?
Eine offiziell festgelegte Untergrenze besteht beim KfW-StartGeld nicht. In der Praxis kann die Finanzierung kleiner Beträge jedoch schwieriger sein, da der Antrag über eine Hausbank gestellt und geprüft wird.
Wie hoch darf ein Mikrodarlehen sein?
Die Höchstgrenze unterscheidet sich je nach Bundesland und Förderbank. Abhängig vom jeweiligen Programm können beispielsweise Finanzierungssummen zwischen 30.000 und 50.000 Euro möglich sein.
Warum ist der Kapitalbedarfsplan für ein Förderdarlehen wichtig?
Der Kapitalbedarfsplan zeigt, wie viel Fremdkapital benötigt wird und wofür die Finanzierung eingesetzt werden soll. Er bildet damit eine wichtige Grundlage für die Auswahl des Förderprogramms und die Prüfung des Finanzierungsvorhabens.
Welche Unterlagen werden für die Beantragung eines Förderdarlehens benötigt?
In der Regel werden ein aussagekräftiger Businessplan und ein bankenfähiger Finanzplan benötigt. Dieser enthält unter anderem den Kapitalbedarfsplan, die Rentabilitätsvorschau, die Liquiditätsplanung und den Tilgungsplan.
Können auch bestehende Unternehmen Förderdarlehen beantragen?
Ja. Förderdarlehen können nicht nur für Existenzgründungen, sondern teilweise auch für junge Unternehmen, Investitionen, Wachstumsvorhaben oder Unternehmensübernahmen eingesetzt werden.
Lesetipp: Geförderte Finanzierung durch Mikromezzaninfonds Deutschland: Zweck und Ziele