Finanzplan-Erstellung für einen Gebrauchtwarenladen

Der Markt für Gebrauchtwarengeschäfte ist sehr attraktiv. Mit diesem Geschäftsmodell richten sich Existenzgründer an preisbewusste Haushalte, Familien, Möbel- und Einrichtungskäufer sowie Kunden, die gezielt nach besonderen Angeboten suchen.

Das Angebot eines Gebrauchtwaren- oder Restpostenladens (oder auch Outlet-Centers) verbindet zum Beispiel Möbel und Wohnen, Haushalts- und Küchenwaren, Spielwaren, Büroartikel, Textilien sowie Saison- und Aktionsware. Die Verkaufspreise liegen oftmals weit unter dem üblichen Marktpreis der Ware. Kunden müssen in einem Gebrauchtwarengeschäft einen klaren Preisvorteil gegenüber anderen Einkaufsmöglichkeiten erkennen, da jeder Einkauf wirtschaftlich sinnvoll sein muss.

Eine Existenzgründung in diesem Bereich kann mit größeren Investitionen verbunden sein. Denn es wird Ware gebraucht, die man vor Ort präsentiert. Je nach dem Zustand des Ladenlokals muss dieses ggf. auch renoviert oder zumindest neu eingerichtet werden. Wenn es zur Marketingstrategie und zur Positionierung des Unternehmens passt, können auch Sonderposten in einer ansprechenden Innenausstattung des Ladens präsentiert werden. Dies ist etwa der Fall, wenn hochpreisigere Produkte wie zum Beispiel Möbel verkauft werden.

Zur Finanzierung dieser Investitionen können staatliche Gründerdarlehen beantragt werden. Diese sind insbesondere aufgrund der niedrigen Zinsen stark nachgefragt. Auch die tilgungsfreie Anlaufzeit ist für Existenzgründer sehr attraktiv, da man das Darlehen erst nach einem gewissen Zeitraum zurückzahlen muss. So kann das Unternehmen Liquidität aufbauen, bevor die erste Tilgungsrate anfällt. Zur Beantragung eines solchen Förderdarlehens wird ein bankenfähiger Businessplan benötigt. Dieser beinhaltet unter anderem einen professionellen Finanzplan, der die Wirtschaftlichkeit und den Erfolg des Unternehmens in Kennzahlen abbildet.

In diesem Artikel wird erläutert, worauf man bei der Erstellung eines solchen bankenfähigen Finanzplans für einen Gebrauchtwarenladen achten muss.

Warum einen Finanzplan erstellen?  

Ein professionell erstellter Finanzplan ist unabdingbar, um ein Förderdarlehen im Rahmen einer Existenzgründung beantragen zu können. Denn einer Förderbank müssen aussagekräftige Zahlenwerke vorgelegt werden, welche die Erfolgswahrscheinlichkeit der Geschäftsidee klar aufzeigen. Anhand der im Finanzplan prognostizierten Kennzahlen kann die Förderbank nachvollziehen, wie gut sich das Unternehmen in den ersten Jahren nach der Existenzgründung entwickeln wird.  

Bevor man mit der Erstellung des Finanzplans beginnt, sollte man sich als Existenzgründer mit allen wichtigen Bestandteilen des geplanten Geschäftsmodells auseinandersetzen. So sollte man zunächst für sich selber die folgenden Fragen beantworten können:

  • An welchem Standort ist das Unternehmen aktiv, wie groß ist das Einzugsgebiet, wie viele potenzielle Kunden gibt es in der Region?
  • Wer ist die Zielgruppe, Privathaushalte oder auch gewerbliche Kunden für den Weiterverkauf?
  • Von welchen Lieferanten kann man Sonderposten oder gebrauchte Artikel beziehen?
  • Mit welcher Preisstrategie geht man an den Markt?
  • Wie hoch ist die Marge?
  • Welche monatlichen Umsätze sind realistisch?
  • Wie hoch sind die monatlichen laufenden Kosten im Betrieb?
  • Welche Investitionen müssen für den Start in die Selbstständigkeit getätigt werden?  

Ein solcher Finanzplan ist nicht nur für die Beantragung eines Förderdarlehens wichtig. Auch für den Existenzgründer selber ist es wichtig, einen konkreten Überblick der Planzahlen zu haben. Ebenso möchten die potentiellen Vermieter eines Ladenlokals Businesspläne und Finanzpläne von potentiellen Mietern sehen, um das Geschäftskonzept und dessen Erfolgsaussichten einschätzen zu können.

Kundenangebot, Umsatz und Kosten richtig kalkulieren

Die Kalkulation des Einkaufspreises sowie des Verkaufspreises an die Kunden ist die Basis bei der Erstellung des Finanzplans.

Man sollte sich schon vor der Unternehmensgründung mit möglichen Lieferanten und deren Konditionen beschäftigen. Hierbei ist es wichtig, dass man zu wirtschaftlich sinnvollen Preisen einkaufen kann und keine übertrieben großen Mengen von einem Artikel abnehmen muss. Gerade in der Anfangszeit nach der Existenzgründung muss man einige Warengruppen zunächst ausprobieren. Erst wenn diese nachweislich gut bei den Kunden ankommen, kann man größere Mengen bestellen.

Als Marge kann man exemplarisch die folgenden Aufschläge auf die Einkaufspreise ansetzen:

  • Haushaltswaren: ca. 200 %
  • Spielwaren: ca. 160–200 %
  • Textilien: ca. 160–200 %
  • Büro- und Schreibwaren: ca. 100–150 %
  • Möbel: ca. 150 %

Die Aufschläge dienen dem Gründer als Kalkulationsgrundlage, sind jedoch keine starren Verkaufsvorgaben. Entscheidend ist, dass ein Kunde gegenüber dem regulären Marktpreis einen erkennbaren Preisvorteil erhält und gleichzeitig eine ausreichende Marge für das Unternehmen verbleibt. Bei besonders günstig eingekauften Posten kann man einen größeren Teil des Einkaufsvorteils weitergeben. Umgekehrt berücksichtigt man bei der Preisbildung auch Warenqualität, Nachfrage und marktübliche Vergleichspreise.

Nun muss man ausrechnen, mit wie vielen Kunden man pro Tag/Woche/Monat kalkulieren kann. Die zweite wichtige Größe ist der durchschnittliche Warenkorb eines Kunden. Wie viel geben diese durchschnittlich pro Einkauf aus?

Daraus resultiert die mögliche Umsatzhöhe im Rahmen der Selbstständigkeit mit einem Gebrauchtwarenladen.

Zusätzlich zur Preisstrategie und der Kalkulation der Umsatzhöhe muss man sich mit den monatlichen betrieblichen Kosten auseinandersetzen. Hier wird – neben dem Warenbezug – der größte Kostenblock aus der monatlichen Miete inklusive der Nebenkosten bestehen. Oftmals werden auch erste Angestellte zum Start in die Selbstständigkeit benötigt, da man als Existenzgründer und Inhaber nicht selber dauerhaft vor Ort sein kann. Insofern sind auch Personalkosten im Arbeitgeberbrutto zu berücksichtigen,

Weitere Aufwände bestehen in Werbe- und Fahrtkosten, der Reinigung und Instandhaltung des Ladens, ggf. Lizenzen für Software und andere Systeme.

Selbstständig mit einem Gebrauchtwarenladen: Finanzplan erstellen

In einem professionellen Finanzplan müssen die folgenden Bestandteile enthalten sein:

  • Investitionsplan: In diesem ist anzugeben, welche Investitionen getätigt werden müssen, um die Existenzgründung erfolgreich umsetzen zu können. Das Darlehen wird hauptsächlich für den Bezug von Ware verwendet. Auch die Anschaffung eines Kfz, die Miete für die Verkaufs- und Lagerfläche sowie die Einrichtung von Arbeitsplätzen in einem Büro können mit dem Existenzgründerdarlehen gefördert werden. Ebenso die Aufwände zur Umsetzung der Marketingstrategie
  • Umsatzentwicklung: Hier ist wie beschrieben abzubilden, mit welchen Netto-Umsätzen man pro Tag/Woche/Monat und Geschäftsjahr kalkuliert.  
  • Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung): Hier werden neben den kalkulierten Umsätzen auch alle benannten betrieblichen Kosten aufgelistet. Die Rentabilitätsvorschau zeigt also an, wie hoch der Gewinn vor Steuern ausfällt. Für die Kennzahl des Gewinns nach Steuern muss man noch die Gewerbesteuer und eventuell die Körperschaftssteuer (bei Kapitalgesellschaften wie einer GmbH oder einer UG) mit berücksichtigen.
  • Cash-Flow und Liquiditätsplanung: Diese orientiert sich grundsätzlich an der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Liquiditätsplan beinhaltet zudem z. B. Zahlungsziele von Eingangs- und Ausgangsrechnungen, Zeitpunkte von Steuerzahlungen und -rückerstattungen. So wird klar ausgewiesen, wie viel Liquidität sich am Monatsende auf dem Geschäftskonto befindet. Der Liquiditätsbestand muss in der Planung natürlich immer im positiven Bereich sein, um einer Prüfung durch Förderbanken standzuhalten. Der angezeigte Bestand an Liquidität sollte immer einen Puffer von ca. dem Dreifachen der monatlichen Fixkosten enthalten.
  • Tilgungsplan: Dort wird der Kapitaldienst berechnet. Dieser setzt sich aus den Zinsen, die für das Förderdarlehen anfallen, und der monatlichen Tilgungsrate zusammen.
  • Abschreibungen: Einige der genannten Investitionen wie z. B. das Fahrzeug oder Regale können über einen definierten Zeitraum abgeschrieben werden. Hierzu sind Abschreibungstabellen veröffentlicht, mit deren Unterstützung man die Abschreibungsdauer errechnen kann.

Der Finanzplan muss auf Monatsbasis für die ersten drei Geschäftsjahre nach der Existenzgründung erstellt werden. Man geht hier nach Kalenderjahren. Sollte das erste Geschäftsjahr inmitten eines Kalenderjahres (z. B. im August) beginnen, ist es als Rumpfjahr zu bezeichnen. Bei einem bereits bestehenden Unternehmen sind drei Geschäftsjahre nach der Aufnahme des Förderdarlehens im Finanzplan abzubilden. Für die Erstellung eines Finanzplans zur Beantragung eines Förderdarlehens kann man die Hilfestellung von erfahrenen Beratern in Anspruch nehmen. Diese Existenzgründungsberatung wird staatlich mit 50–80 % der Aufwände bezuschusst.

Fazit

Ein professionell erstellter Finanzplan ist grundsätzlich ein sehr wichtiger Bestandteil einer Finanzierungsanfrage für ein gefördertes Gründerdarlehen. Dies ist auch der Fall, wenn man sich mit einem Gebrauchtwarenladen selbstständig machen möchte und hierfür Kapitalbedarf hat.

Der Erfolg bei der Umsetzung dieser Geschäftsidee ist von den Einkaufspreisen und Verkaufspreisen abhängig. Denn nur von dieser erzielten Marge lebt das gesamte Geschäftsmodell. Andere Umsatzquellen außer dem Verkauf der Artikel gibt es nicht, daher müssen diese gut kaufmännisch kalkuliert sein.

Wenn man über eine gute Lage und ein umfassendes Angebotsportfolio verfügt und attraktive Preise für die Endkunden anbieten kann, lässt sich in dieser Branche ein rentables Geschäftsmodell aufbauen. Der Start in die Existenzgründung kann durch die Inanspruchnahme von einem zinsgünstigen Förderdarlehen erleichtert werden.

Möchten Sie sich bei der Finanzplan-Erstellung Ihrer Selbständigkeit professionell beraten lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten. Die Beratungsleistung wird staatlich bezuschusst. und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten aus Ihrer Branche.

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FAQ

Was gehört in einen Finanzplan für einen Gebrauchtwarenladen?

Ein professioneller Finanzplan sollte mindestens einen Investitionsplan, eine Umsatzplanung, eine Rentabilitätsvorschau, eine Liquiditätsplanung, einen Tilgungsplan und die relevanten Abschreibungen enthalten. Diese Bestandteile helfen dabei, Wirtschaftlichkeit, Kapitalbedarf und Zahlungsfähigkeit des Geschäftsmodells abzubilden.

Wie berechnet man den Umsatz eines Gebrauchtwarenladens?

Der Umsatz kann insbesondere aus der erwarteten Anzahl an Kunden und dem durchschnittlichen Warenkorb abgeleitet werden. Wichtig ist, diese Annahmen realistisch auf Tages-, Wochen- und Monatsbasis zu kalkulieren.

Welche Kosten entstehen bei einem Gebrauchtwarenladen?

Zu den typischen Kosten gehören Wareneinkauf, Miete und Nebenkosten, Personalkosten, Marketing, Fahrtkosten, Reinigung, Instandhaltung sowie gegebenenfalls Software und weitere Systeme.

Wie wichtig ist die Marge bei einem Gebrauchtwarenladen?

Die Marge ist eine der wichtigsten Kennzahlen des Geschäftsmodells. Entscheidend ist, dass zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis ausreichend Deckungsbeitrag verbleibt, während Kunden gleichzeitig einen erkennbaren Preisvorteil gegenüber anderen Einkaufsmöglichkeiten erhalten.

Welche Produkte kann ein Gebrauchtwarenladen verkaufen?

Das Sortiment kann beispielsweise Möbel, Haushalts- und Küchenwaren, Spielwaren, Büroartikel, Textilien sowie Saison- und Aktionsware umfassen. Welche Produktgruppen sinnvoll sind, hängt von Zielgruppe, Standort und Einkaufsmöglichkeiten ab.

Brauche ich für die Gründung eines Gebrauchtwarenladens einen Businessplan?

Ein Businessplan ist insbesondere dann wichtig, wenn für die Gründung ein Förderdarlehen oder eine andere Finanzierung beantragt werden soll. Der Finanzplan ist dabei ein zentraler Bestandteil, weil er die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens in Zahlen abbildet.

Welche Investitionen müssen bei einem Gebrauchtwarenladen berücksichtigt werden?

Je nach Geschäftsmodell können unter anderem Warenbestand, Fahrzeug, Verkaufs- und Lagerfläche, Ladeneinrichtung, Büroarbeitsplätze sowie Marketingmaßnahmen relevant sein. Diese Positionen sollten im Investitions- und Kapitalbedarfsplan erfasst werden.

Warum ist die Liquiditätsplanung bei einem Gebrauchtwarenladen wichtig?

Die Liquiditätsplanung zeigt, wie viel Geld dem Unternehmen monatlich tatsächlich zur Verfügung steht. Sie berücksichtigt neben Ein- und Auszahlungen auch Zahlungsziele, Steuerzahlungen, Rückerstattungen und Tilgungen.

Wie weit im Voraus sollte der Finanzplan erstellt werden?

Im Beitrag wird eine monatliche Planung für die ersten drei Geschäftsjahre vorgesehen. Beginnt die Gründung mitten im Kalenderjahr, wird dieses erste Jahr als Rumpfjahr behandelt.

Kann ein Gebrauchtwarenladen über ein Förderdarlehen finanziert werden?

Im Beitrag wird die Finanzierung über staatliche Gründerdarlehen ausdrücklich als mögliche Option genannt. Dabei können je nach Förderprogramm sowohl Investitionen als auch Teile des betrieblichen Kapitalbedarfs berücksichtigt werden.

Welche Kennzahlen prüfen Banken bei einem Gebrauchtwarenladen besonders?

Besonders relevant sind Umsatzentwicklung, Marge, Kostenstruktur, Rentabilität, Liquidität, Kapitalbedarf und Kapitaldienst. Außerdem sollte nachvollziehbar sein, wie Kundenfrequenz, Warenkorb und Verkaufspreise kalkuliert wurden.

Kann man einen Finanzplan für einen Gebrauchtwarenladen selbst erstellen?

Grundsätzlich ja. Entscheidend ist jedoch, dass Einkauf, Verkauf, Marge, Personal, Miete, Liquidität und Finanzierung realistisch aufeinander abgestimmt sind. Bei einer Finanzierungsanfrage kann eine fachliche Prüfung sinnvoll sein, um Lücken und unrealistische Annahmen zu vermeiden.

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