Finanzplan-Erstellung für einen Hausmeisterservice und haushaltsnahe Dienstleistungen

Der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen ist strukturell attraktiv. Der Bedarf wächst durch mehr Einpersonenhaushalte, mehr ältere Menschen und mehr häusliche Versorgung. Gleichzeitig zeigt auch der benachbarte Markt der Gebäudedienstleistungen, dass objektnahe Services wirtschaftlich stabil sind. Der Branchenumsatz der Hausmeisterdienste liegt bei über 12 Milliarden Euro und ist in den vergangenen Jahren gewachsen.

Der Begriff der haushaltsnahen Dienstleistungen umfasst u. a. Haushalts- und Reinigungsleistungen, darunter Treppenhausreinigung, Fensterreinigung und allgemeine Haushaltshilfe. Hinzu kommen Alltagsunterstützung wie Einkäufe, Essensvorbereitung oder kurzfristige Hilfe sowie Garten- und Außenpflege, individuelle Alltagsunterstützung, Express-Service, Pflanzenpflege sowie Unterstützung bei besonderen Anlässen. Im Hausmeisterservice kommen noch weitere kleinere handwerkliche Arbeiten sowie die Steuerung von Spezialdienstleistern, z. B. für die Elektrik, Aufzüge oder Kanalreinigung hinzu. Man kann beide Fachrichtungen in einem Unternehmen abbilden, natürlich kann man als Existenzgründer auch nur einen Hausmeisterservice oder nur haushaltsnahe Dienstleistungen anbieten.

Eine Existenzgründung in diesem Markt kann mit größeren Anschaffungen verbunden sein. Denn es wird mindestens ein Fahrzeug gebraucht, um zu den Kunden oder den betreuten Immobilien fahren zu können. Zudem werden Gerätschaften für die Reinigung, Gartenarbeit, ggfs. ein Aufsitzrasenmäher, Bohrer, Leitern etc. benötigt. So ist man schnell im fünfstelligen Bereich, um potentiellen Auftraggebern ein umfassendes Portfolio anbieten und erfolgreich in die Selbstständigkeit starten zu können.

Zur Finanzierung dieser Investitionen können staatliche Förderdarlehen beantragt werden, die insbesondere aufgrund der niedrigen Zinsen attraktiv sind. Zudem ist die tilgungsfreie Anlaufzeit bei Gründern gerne gesehen. Aufgrund dieser muss man das Darlehen erst nach einem gewissen Zeitraum zurückzahlen, was den Aufbau an Liquidität ermöglicht. Für die  Beantragung eines solchen geförderten Darlehens muss ein bankenfähiger Businessplan erstellt werden. Dieser enthält unter anderem einen bankenfähigen Finanzplan, der die prognostizierten betrieblichen Kennzahlen des Unternehmens abbildet.

In diesem Artikel wird erläutert, worauf man bei der Erstellung eines bankenfähigen Finanzplans achten muss.

Lesetipp: Businessplan erstellen für Gebäudemanagement – Erfolg clever planen

Warum einen Finanzplan erstellen?  

Ein professionell erstellter Finanzplan ist sehr wichtig, um ein staatliches Förderdarlehen für die Existenzgründung beantragen zu können. Denn der Förderbank, z. B. einer Landesbank oder auch der deutschlandweit agierenden KfW, müssen aussagekräftige Zahlenwerke zur Umsetzung der Geschäftsidee vorgelegt werden. Mit Hilfe der im Finanzplan prognostizierten betrieblichen Kennzahlen kann die Förderbank nachvollziehen, wie erfolgreich sich das Unternehmen in den ersten Jahren nach der Gründung entwickeln wird.  

Bevor man jedoch mit der Erstellung eines Finanzplans beginnt, sollte man sich als Existenzgründer mit allen wichtigen Parametern des geplanten Geschäftsmodells beschäftigen und zunächst für sich selber die folgenden Fragen beantworten können:

  • Wer ist die Zielgruppe, Privathaushalte oder auch gewerbliche Kunden (Verwaltungen)?
  • Mit welcher Preisstrategie geht man an den Markt?
  • An welchem Standort ist das Unternehmen aktiv, wie viele potentielle Kunden gibt es in der Region?
  • Wie viele Kunden kann man pro Woche betreuen?
  • Welche monatlichen Umsätze sind realistisch?
  • Wie hoch sind die monatlichen laufenden Kosten im Betrieb?
  • Welche Investitionen müssen für den Start in die Selbstständigkeit getätigt werden?

Kundenangebot, Umsatzquellen und Kosten festlegen

Die Kalkulation der möglichen Umsatzhöhen stellt den wichtigsten Schritt bei der Erstellung des Finanzplans dar. Wenn man ein Unternehmen in Bereich Hausmeisterservice und/oder haushaltsnahe Dienstleistungen gründet, rechnet man gegenüber den Auftraggebern die tatsächlich geleisteten Stunden und ggfs. die An- und Abfahrt ab. Hier muss man also kalkulieren, wie lange ein Einsatz dauert und wie viele Aufträge man pro Woche und Monat bedienen kann. Dies ist natürlich auch davon abhängig, über wie viel Personal, Fahrzeuge, Maschinen und Werkzeug man verfügen kann.  

Zum Kundenangebot/ Portfolio eines Unternehmens im Bereich haushaltsnahe Dienstleistungen gehören u.A.: 

Haushalts- und Reinigungsleistungen

  • Treppenhausreinigung für Mehrfamilienhäuser
  • Fensterreinigung
  • Grund- und Unterhaltsreinigung von Wohnungen und Häusern
  • Unterstützung bei allgemeinen Haushaltstätigkeiten

Alltagsunterstützung

  • Einkaufsservice, z. B. Supermarkt oder Wochenmarkt
  • Zubereitung einfacher Mahlzeiten
  • Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben im Haushalt
  • Kurzfristige Hilfe bei ungeplanten Situationen

Garten- und Außenpflege

  • Rasenpflege
  • Heckenschnitt
  • Allgemeine Gartenarbeiten
  • Pflege von Pflanzen und Beeten
  • Reinigung von Außenflächen

Erweiterte Dienstleistungen und flexible Einsätze

  • Unterstützung beim Umräumen oder Aufräumen
  • Vorbereitung von Umzügen; Entrümpelungen
  • Kleinere handwerkliche Tätigkeiten
  • Hilfe bei der Vorbereitung und Nachbereitung von besonderen Anlässen

Bei einem Hausmeisterservice können noch die folgenden Tätigkeiten hinzukommen:

  • Pflege von Gärten und Außenanlagen
  • Schneiden von Hecken, Sträuchern und kleineren Bäumen
  • Rasenpflege und allgemeine Grundstückspflege
  • Kleinere Pflaster- und Ausbesserungsarbeiten
  • Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten am Gebäude
  • Unterstützung bei Renovierungsarbeiten
  • Kleinere Transport- und Aufräumarbeiten rund um Haus und Grundstück
  • Steuerung von externen Dienstleistern
  • Winterdienst

Nun kann man bei der monatlichen Umsatzkalkulation passende Annahmen treffen. Ein Stundensatz ist in der Branche üblicherweise zwischen 25 und 50 Euro netto anzusetzen, je nach Komplexität und Dauer der Tätigkeit. Ein Winterdienst wird beispielsweise auch pauschal pro Wintersaison vergütet, für eine Treppenhausreinigung kann eine Monatspauschale in Rechnung gestellt werden.

Selbstständig mit einem Hausmeisterservice und haushaltsnahen Dienstleistungen: Finanzplan erstellen

Ein professioneller Finanzplan setzt sich aus den folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Investitionsplan: in diesem ist anzugeben, welche Investitionen getätigt werden müssen, um die Existenzgründung erfolgreich umsetzen zu können. Dies sind z. B. mindestens ein Kfz (ggfs. auch mehrere), Gerätschaften, Werkzeug, Gartengeräte, Verbrauchsmaterialien etc. Auch die Einrichtung von Arbeitsplätzen in einem Büro oder die Anmietung einer Lagerfläche können gefördert werden.
  • Umsatzentwicklung: hier ist wie beschrieben abzubilden, mit welchen Umsätzen man pro Monat und Geschäftsjahr man kalkuliert.
  • Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung): hier werden neben den kalkulierten Umsätzen auch alle betrieblichen Kosten berücksichtigt. Diese bestehen beispielsweise aus dem Wareneinsatz/ Verschleiß von Material, aus eventuellen Personalkosten, den Kosten für die Anmietung eines Büros oder einer Lagerfläche. Werbe- und Fahrtkosten, die Instandhaltung von Werkzeugen, Lizenzen für Software, und z. B. die Steuerberatung müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Die Rentabilitätsvorschau zeigt also an, wie hoch der Gewinn vor Steuern ausfällt.  Für den Gewinn nach Steuern muss man noch die Gewerbesteuer und eventuell die Körperschaftssteuer (bei Kapitalgesellschaften wie einer GmbH oder einer UG) ansetzen.
  • Cash-Flow und Liquiditätsplanung: Diese speist sich größtenteils aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Sie ist allerdings nicht statisch, sondern dynamisch und beinhaltet z. B. Zahlungsziele von Eingangs- und Ausgangsrechnungen, Zeitpunkte von Steuerzahlungen und -rückerstattungen. So wird klar angezeigt, wie viel Liquidität sich am Monatsende auf dem Geschäftskonto befindet. Der Liquiditätsbestand muss in der bankenfähigen Planung natürlich immer im positiven Bereich liegen. Sie sollte ebenfalls einen Puffer von ca. dem Dreifachen der monatlichen Fixkosten enthalten.
  • Tilgungsplan: dort wird der Kapitaldienst abgebildet. Dieser setzt sich aus den Zinsen, die für das Darlehen anfallen, sowie der monatlichen Tilgungsrate zusammen. Die Gesamtrate bleibt pro Monat gleich, was eine gute Planbarkeit ermöglicht.
  • Abschreibungen: Einige der genannten Investitionen wie z. B. das Fahrzeug oder Werkzeuge können über einen definierten Zeitraum abgeschrieben werden. Hierzu sind Abschreibungstabellen veröffentlicht, mit deren Unterstützung man die Abschreibungsdauer errechnen kann.

Der bankenfähige Finanzplan muss auf Monatsbasis für die ersten drei Geschäftsjahre nach der Gründung erstellt werden. Man geht hier nach Kalenderjahren. Sollte das erste Geschäftsjahr inmitten eines Kalenderjahres beginnen, ist es als Rumpfjahr zu bezeichnen. Bei einem bereits bestehenden Unternehmen sind drei Geschäftsjahre nach der Aufnahme des Förderdarlehens relevant. Für die Erstellung eines Finanzplans zur Beantragung eines Förderdarlehens kann man die Hilfestellung von erfahrenen Beratern in Anspruch nehmen.  Diese Beratungsleistung wird staatlich über das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) mit 50-80 % der Aufwände bezuschusst.

Fazit

Ein professionell erstellter Finanzplan ist grundsätzlich ein sehr wichtiger Bestandteil einer Finanzierungsanfrage für ein Förderdarlehen. 

In der Finanzplan-Erstellung für ein Unternehmen im Bereich Hausmeisterservice und/oder haushaltsnahe Dienstleistungen gibt es eine Vielzahl an möglichen Umsatzquellen. Je umfassender das Kundenangebot aufgestellt ist, desto höher sind die möglichen monatlichen Umsatzhöhen. Generell bevorzugen es mögliche Auftraggeber, möglichst wenige verschiedene Dienstleister zu beauftragen, um den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten. Je größer das Angebotsportfolio sein soll, desto höher ist natürlich zu Beginn der Selbstständigkeit der Kapitalbedarf für die Investitionen, die zu tätigen sind. Wer Winterdienst im ländlichen Raum anbieten möchte, benötigt ein entsprechendes Fahrzeug mit der passenden Ausstattung.

In der Rentabilitätsvorschau müssen zusätzlich alle laufenden Kosten mit aufgelistet werden. Wenn man über eine stabile Auftragslage und ein gutes Netzwerk auch zu gewerblichen Kunden wie größeren Unternehmen, Hausverwaltungen und Vermietern größerer Wohn- und Gewerbeeinheiten verfügt, kann man in der Branche ein sehr rentables Geschäftsmodell aufbauen. Der Start in die Selbstständigkeit kann durch die Inanspruchnahme von einem zinsgünstigen Förderdarlehen erleichtert werden.

Möchten Sie sich bei der Finanzplan-Erstellung Ihrer Selbstständigkeit professionell beraten lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten. Die Beratungsleistung wird durch staatliche Fördermittel bezuschusst.

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Weiterführende Informationen zur Finanzierung von Existenzgründungen sowie zu staatlichen Förderprogrammen stellt auch das Existenzgründungsportal des Bundes bereit. Dort finden Gründerinnen und Gründer umfassende Hinweise zu Businessplan, Fördermitteln und Finanzierungsmöglichkeiten.

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