Wer an eine Gründung im Handwerk denkt, hat häufig die klassische Neugründung vor Augen: einen eigenen Betrieb anmelden, Kunden gewinnen, Mitarbeiter einstellen, Maschinen und Fahrzeuge anschaffen und sich Schritt für Schritt einen Namen in der Region erarbeiten. Doch gerade im Handwerk gewinnt ein anderer Weg in die Selbstständigkeit an Bedeutung: die Übernahme eines bestehenden Betriebs.
Der Grund dafür ist vor allem demografisch. Viele Inhaberinnen und Inhaber von Handwerksbetrieben erreichen in den kommenden Jahren das Ruhestandsalter und suchen eine geeignete Nachfolge. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks ist bereits beinahe jeder vierte Betriebsinhaber im Handwerk älter als 60 Jahre. Innerhalb der kommenden fünf Jahre könnte bei bis zu 125.000 Handwerksbetrieben eine Übergabe anstehen.
Für Gründerinnen eröffnet diese Entwicklung eine besondere Chance. Denn Frauen sind sowohl bei Existenzgründungen insgesamt als auch in vielen Handwerksberufen weiterhin unterrepräsentiert. Laut KfW-Gründungsmonitor lag der Anteil der Gründerinnen an allen Existenzgründungen 2025 bei 35 Prozent. Bei Gründungen im Vollerwerb waren es sogar nur 27 Prozent.
Eine Betriebsübernahme kann deshalb ein interessanter Weg sein, um mehr Frauen nicht nur in die Selbstständigkeit, sondern unmittelbar in die Führung etablierter Unternehmen zu bringen. Statt einen Betrieb vollständig neu aufzubauen, können Gründerinnen vorhandene Kundenbeziehungen, Mitarbeiter, Ausstattung, Marktposition und betriebliche Strukturen übernehmen und auf dieser Grundlage ein Unternehmen weiterentwickeln.
Eine Unternehmensnachfolge ist jedoch keine einfache Abkürzung zur Selbstständigkeit. Kaufpreis, Finanzierung, Qualifikation, Mitarbeiterführung und die wirtschaftliche Situation des Betriebs müssen sorgfältig geprüft werden.
Im Handwerk steht eine große Nachfolgewelle bevor
Das Thema Unternehmensnachfolge betrifft die gesamte deutsche Wirtschaft, im Handwerk ist die Entwicklung jedoch besonders deutlich sichtbar. Viele Betriebe wurden über Jahrzehnte von derselben Person oder Familie geführt. Mit dem altersbedingten Ausscheiden der Inhaber stellt sich die Frage, wer diese Unternehmen zukünftig weiterführt.
Das Problem besteht nicht nur darin, dass viele Betriebe gleichzeitig eine Nachfolge benötigen. Geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger sind schwer zu finden.
In einer Sonderumfrage zur Betriebsnachfolge im Handwerk nennt der Zentralverband des Deutschen Handwerks die Suche nach einer geeigneten Nachfolge als größte Herausforderung bei Betriebsübergaben. 57 Prozent der befragten Inhaber sahen darin eine zentrale Schwierigkeit. Weitere wichtige Herausforderungen waren die Ermittlung des Unternehmenswertes und steuerliche Fragen.
Für potenzielle Gründerinnen verändert diese Entwicklung die Ausgangslage. Sie müssen nicht zwingend eine eigene Geschäftsidee entwickeln und einen neuen Betrieb am Markt etablieren. Gleichzeitig suchen bestehende Unternehmen Menschen, die bereit und qualifiziert sind, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.
Damit treffen zwei Herausforderungen aufeinander: Deutschland benötigt mehr unternehmerische Aktivität und das Handwerk benötigt Nachfolgerinnen und Nachfolger.
Frauen sind im Handwerk als Unternehmerinnen weiterhin unterrepräsentiert
Frauen arbeiten längst in zahlreichen handwerklichen Berufen und übernehmen Führungsverantwortung. Trotzdem ist der Schritt zur eigenen Betriebsführung weiterhin deutlich seltener als bei Männern.
Historische Daten aus dem Nachfolgemonitor Handwerk verdeutlichen diese Lücke. In der zugrunde liegenden Untersuchung lag der Frauenanteil bei Gründungen im Handwerk bei rund einem Viertel. Bei erfolgreichen Meisterprüfungen und in der Betriebsführung lag er jeweils bei rund einem Fünftel. Auch bei den tatsächlich untersuchten Unternehmensübernahmen waren Frauen deutlich in der Minderheit.
Dabei sollte aus solchen Zahlen nicht vorschnell geschlossen werden, dass Frauen grundsätzlich weniger Interesse an Unternehmertum oder Handwerk hätten. Gründungsentscheidungen werden von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören Erwerbsbiografien, Qualifikation, Finanzierungsmöglichkeiten, familiäre Rahmenbedingungen, persönliche Risikoeinschätzung und die Frage, welche unternehmerischen Rollenbilder sichtbar sind.
Auch die allgemeine Gründungsstatistik zeigt weiterhin eine deutliche Geschlechterlücke. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor weist für 2025 einen Gründerinnenanteil von 35 Prozent aus. Damit lag der Wert nicht nur unter dem Anteil der Männer, sondern auch unter dem langfristigen Durchschnitt von 39 Prozent. Gerade die Unternehmensnachfolge kann deshalb einen zusätzlichen Zugang zum Unternehmertum schaffen.
Warum eine Betriebsübernahme für Gründerinnen interessant sein kann
Eine Neugründung und eine Unternehmensübernahme unterscheiden sich grundlegend. Bei einer Neugründung muss zunächst ein Markt aufgebaut werden. Es müssen Kunden gewonnen, Prozesse entwickelt, Lieferanten gefunden und häufig Mitarbeiter eingestellt werden. Gleichzeitig liegen nur begrenzte Erfahrungswerte darüber vor, welche Umsätze tatsächlich erzielt werden können. Bei einer Betriebsübernahme existiert dagegen bereits ein Unternehmen. Im Idealfall verfügt dieses über einen etablierten Kundenstamm, qualifizierte Mitarbeiter, funktionierende Prozesse, Maschinen und Ausstattung sowie bestehende Beziehungen zu Lieferanten und Geschäftspartnern. Hinzu kommen historische Geschäftszahlen, anhand derer sich die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebs beurteilen lässt. Für Gründerinnen kann das eine interessante Alternative zur klassischen Gründung darstellen. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgt nicht mit einem vollständig neuen Unternehmen, sondern auf einer bestehenden wirtschaftlichen Basis. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Übernahme automatisch risikoärmer ist. Die Risiken sind lediglich andere.
Nicht jede Gründerin im Handwerk muss bei null anfangen
Gerade der Aufbau eines Kundenstamms kann bei einer handwerklichen Neugründung erhebliche Zeit beanspruchen. Viele Handwerksbetriebe leben von regionaler Bekanntheit, Empfehlungen und langjährigen Kundenbeziehungen. Bei der Übernahme eines etablierten Betriebs können diese Beziehungen bereits vorhanden sein. Eine Gründerin, die beispielsweise einen bestehenden Malerbetrieb, Friseursalon, eine Tischlerei oder einen anderen Handwerksbetrieb übernimmt, kauft deshalb nicht ausschließlich Maschinen und Geschäftsausstattung. Ein wesentlicher Teil des Unternehmenswertes kann in Kundenbeziehungen, Mitarbeitern, Standort und Reputation liegen. Auch die vorhandene Belegschaft kann ein wichtiger Vorteil sein. Angesichts des Fachkräftemangels ist es für neu gegründete Handwerksunternehmen nicht selbstverständlich, kurzfristig ein qualifiziertes Team aufzubauen. Eine Betriebsübernahme kann deshalb Zugang zu einer Ressource ermöglichen, die sich nicht einfach durch zusätzliches Kapital beschaffen lässt: eingearbeitete Fachkräfte mit Erfahrung im Betrieb.
Unternehmensnachfolge ist trotzdem eine echte Gründung
Eine Betriebsübernahme wird manchmal weniger als Gründung wahrgenommen als der Aufbau eines vollständig neuen Unternehmens. Wirtschaftlich ist diese Unterscheidung wenig hilfreich. Auch eine Nachfolgerin wird zur Unternehmerin. Sie trägt Verantwortung für Mitarbeiter, Investitionen, Finanzierung, Liquidität, Kunden und die strategische Entwicklung des Unternehmens. Gleichzeitig muss sie entscheiden, welche bestehenden Strukturen erhalten bleiben und welche verändert werden sollen. Gerade darin kann eine der größten Herausforderungen liegen. Wer neu gründet, kann Prozesse und Unternehmenskultur von Anfang an selbst gestalten. Wer einen bestehenden Handwerksbetrieb übernimmt, tritt dagegen in eine gewachsene Organisation ein. Mitarbeiter haben möglicherweise viele Jahre mit dem bisherigen Inhaber gearbeitet. Kunden sind bestimmte Abläufe gewohnt und auch Lieferanten haben etablierte Ansprechpartner. Eine erfolgreiche Nachfolge verlangt deshalb nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Führung und Veränderungsmanagement.
Die fachliche Qualifikation bleibt entscheidend
Wer einen Handwerksbetrieb übernehmen möchte, muss zunächst prüfen, welche handwerksrechtlichen Voraussetzungen für den konkreten Betrieb gelten. Im deutschen Handwerk wird zwischen zulassungspflichtigen Handwerken, zulassungsfreien Handwerken und handwerksähnlichen Gewerben unterschieden. Je nach Gewerk gelten unterschiedliche Voraussetzungen für die selbstständige Ausübung und Eintragung in die Handwerksrolle. Für Gründerinnen bedeutet das, dass eine interessante Übernahmemöglichkeit zunächst fachlich und rechtlich geprüft werden muss. Nicht jede Person kann jeden Handwerksbetrieb ohne Weiteres übernehmen und anschließend in gleicher Form fortführen. Das sollte jedoch nicht dazu führen, die Unternehmensnachfolge ausschließlich als Möglichkeit für Personen zu betrachten, die bereits seit Jahrzehnten selbst handwerklich tätig sind. Abhängig vom konkreten Betrieb und den rechtlichen Voraussetzungen können auch unterschiedliche Führungs- und Qualifikationsmodelle relevant sein. Entscheidend ist, die Voraussetzungen frühzeitig mit der zuständigen Handwerkskammer zu klären.
Ein bestehender Betrieb bietet Zahlen statt ausschließlich Prognosen
Ein weiterer Vorteil einer Unternehmensübernahme liegt in der Finanzplanung. Bei einer klassischen Neugründung basiert ein großer Teil des Businessplans auf Prognosen. Wie viele Kunden werden gewonnen? Welche Umsätze können erzielt werden? Wie entwickelt sich der Auftragsbestand? Wie hoch wird der tatsächliche Materialeinsatz? Bei einem bestehenden Handwerksbetrieb liegen dagegen Geschäftszahlen aus der Vergangenheit vor. Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen und weitere Unternehmensdaten können zeigen, wie sich Umsatz, Ertrag und Kosten entwickelt haben. Auch saisonale Schwankungen oder Veränderungen beim Material- und Personalaufwand werden sichtbar. Das verbessert die Informationsbasis erheblich. Allerdings dürfen historische Ergebnisse nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden. Eine Gründerin muss prüfen, welche Umsätze tatsächlich übertragbar sind und welche Veränderungen nach der Übernahme entstehen.
Warum der bisherige Inhaber für den Umsatz entscheidend sein kann
Gerade bei kleineren Handwerksbetrieben ist der bisherige Inhaber häufig weit mehr als Geschäftsführer. Er kennt langjährige Kunden persönlich, erstellt Angebote, koordiniert Baustellen, übernimmt die Akquise und verfügt über ein regionales Netzwerk. Teilweise ist ein erheblicher Teil der Kundenbindung unmittelbar mit seiner Person verbunden. Bei der Übernahme muss deshalb untersucht werden, was passiert, wenn diese Person ausscheidet. Bleiben Kunden dem Betrieb erhalten? Gibt es Mitarbeiter, die wichtige Kundenbeziehungen übernehmen können? Ist eine Übergangsphase vorgesehen, in der der bisherige Inhaber die Nachfolgerin einarbeitet und bei Kunden vorstellt? Eine gut geplante Übergabe kann hier einen erheblichen Unterschied machen. Statt eines abrupten Betreiberwechsels kann eine mehrmonatige Übergangsphase dazu beitragen, Wissen, Kontakte und Verantwortung schrittweise zu übertragen.
Unternehmenswert und Kaufpreis richtig unterscheiden
Eine der schwierigsten Fragen bei einer Unternehmensnachfolge lautet: Was ist der Betrieb wert? Verkäufer und Käufer betrachten diese Frage häufig aus unterschiedlichen Perspektiven. Für einen langjährigen Inhaber ist das Unternehmen möglicherweise sein Lebenswerk. Im Betrieb stecken Jahrzehnte an Arbeit, Kundenbeziehungen und persönlichem Engagement. Für die Käuferin muss der Kaufpreis dagegen wirtschaftlich finanzierbar sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welchen Wert der bisherige Eigentümer seinem Unternehmen beimisst. Die Gründerin muss prüfen, welchen nachhaltigen Ertrag der Betrieb zukünftig erwirtschaften kann und welche Belastung durch die Finanzierung des Kaufpreises entsteht. Gerade dieser Punkt ist für eine tragfähige Nachfolge entscheidend. Ein Unternehmen kann seit Jahren profitabel sein und für die Käuferin trotzdem wirtschaftlich problematisch werden, wenn der Kaufpreis zu hoch angesetzt ist.
Handwerksbetrieb übernehmen? Finanzierung vor der Unterschrift prüfen
Wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, muss häufig nicht nur den Kaufpreis finanzieren. Auch Modernisierungen, Maschinen, Fahrzeuge, Warenbestand und ausreichende Betriebsmittel können zusätzlichen Kapitalbedarf verursachen. Eine frühzeitige Finanzierungsplanung hilft dabei, den tatsächlichen Kapitalbedarf zu bestimmen und geeignete Förderdarlehen oder weitere Finanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmensnachfolge zu prüfen.
Finanzierung kann für Gründerinnen zur entscheidenden Frage werden
Eine Betriebsübernahme kann einen deutlich höheren Kapitalbedarf verursachen als manche Neugründung. Dafür wird jedoch ein bestehender Unternehmenswert erworben. Je nach Betrieb können Kaufpreis, Maschinen, Fahrzeuge, Grundstücke, Gebäude oder Warenbestände eine erhebliche Finanzierung erforderlich machen. Eigenkapital spielt dabei eine wichtige Rolle, ist aber nicht zwangsläufig die einzige Finanzierungsquelle. Je nach Vorhaben können klassische Bankdarlehen, Förderdarlehen, Bürgschaften oder weitere Finanzierungsbausteine infrage kommen. Für Gründerinnen ist eine frühzeitige Finanzierungsplanung besonders wichtig. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor zeigt insgesamt, dass die finanzielle Dimension von Gründungen stark variiert. Gerade Vollerwerbsgründungen benötigen häufiger größere Finanzierungsvolumina als Gründungen im Nebenerwerb. Eine Unternehmensübernahme sollte deshalb nicht allein danach beurteilt werden, ob der Kaufpreis grundsätzlich finanzierbar erscheint. Entscheidend ist, ob das Unternehmen anschließend genügend Cashflow erwirtschaftet, um Zinsen und Tilgung zu bedienen, notwendige Investitionen vorzunehmen und gleichzeitig ein angemessenes Einkommen für die neue Unternehmerin zu ermöglichen. Bei einer Betriebsübernahme besteht der Kapitalbedarf häufig nicht nur aus dem Kaufpreis. Auch Maschinen, Fahrzeuge, Modernisierungen und ausreichende Betriebsmittel können finanziert werden müssen. Eine frühzeitige Finanzierungsplanung hilft dabei, den tatsächlichen Kapitalbedarf zu bestimmen und passende Förderdarlehen oder weitere Finanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmensnachfolge zu prüfen. Unsere Experten unterstützen Sie bei der Planung: Auf zur Beratersuche oder zum Fördercheck!
Der Businessplan für eine Unternehmensnachfolge sieht anders aus
Auch bei einer Betriebsübernahme ist ein Businessplan sinnvoll und für eine externe Finanzierung regelmäßig erforderlich. Der Aufbau unterscheidet sich jedoch teilweise von einer klassischen Neugründung. Die Gründerin kann auf die Entwicklung eines bestehenden Unternehmens zurückgreifen. Dadurch können Umsätze und Kosten wesentlich konkreter dargestellt werden. Gleichzeitig muss erklärt werden, wie sich der Betrieb nach der Übernahme entwickeln soll. Dabei sind insbesondere die geplanten Veränderungen relevant. Soll der Betrieb digitalisiert werden? Werden neue Zielgruppen erschlossen? Soll das Leistungsangebot erweitert werden? Sind Investitionen in Maschinen oder Fahrzeuge geplant? Werden Mitarbeiter übernommen oder neu eingestellt? Die Planung sollte zeigen, wie aus dem bestehenden Betrieb das zukünftige Unternehmen der Nachfolgerin wird.
Eine Übernahme bietet Raum für Modernisierung
Unternehmensnachfolge bedeutet nicht, einen Betrieb unverändert weiterzuführen. Gerade darin kann eine große Chance liegen. Viele Handwerksbetriebe verfügen über hervorragende fachliche Kompetenzen und einen stabilen Kundenstamm, haben aber beispielsweise bei Digitalisierung, Marketing oder internen Prozessen Nachholbedarf. Eine Nachfolgerin kann auf dem vorhandenen Fundament aufbauen und gleichzeitig neue Strukturen etablieren. Das kann eine moderne Website und digitale Kundengewinnung betreffen, aber ebenso digitale Angebots- und Rechnungsprozesse, Terminplanung, Dokumentation oder Personalmanagement. Auch die Positionierung kann weiterentwickelt werden. Ein Betrieb kann sich beispielsweise stärker auf bestimmte Kundengruppen, hochwertige Leistungen, energetische Sanierung, Nachhaltigkeit oder spezialisierte Dienstleistungen konzentrieren. Damit verbindet die Unternehmensnachfolge zwei Perspektiven: Die wirtschaftliche Substanz eines bestehenden Betriebs bleibt erhalten, während gleichzeitig Raum für unternehmerische Erneuerung entsteht.
Nachfolge kann den Zugang zu Führung im Handwerk verändern
Gerade für Frauen ist dieser Punkt interessant. Der Weg zur Unternehmensführung im Handwerk muss nicht zwangsläufig darin bestehen, zunächst jahrelang einen eigenen Kleinbetrieb aufzubauen und diesen langsam zu vergrößern. Eine qualifizierte Gründerin kann über eine Unternehmensnachfolge unmittelbar Verantwortung für einen bestehenden Betrieb mit Mitarbeitern und Kunden übernehmen. Damit wird Unternehmensnachfolge auch zu einem Instrument für mehr weibliche Betriebsführung. Das ist nicht nur aus Gleichstellungsperspektive relevant. Für das Handwerk geht es ganz konkret um den Erhalt wirtschaftlich funktionierender Betriebe. Wenn für einen rentablen Betrieb keine Nachfolge gefunden wird, können Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Kundenbeziehungen und wirtschaftliche Strukturen verloren gehen. Der Kreis potenzieller Nachfolger sollte deshalb möglichst groß sein.
Frauen stärker für Betriebsübernahmen zu gewinnen, erschließt zusätzliches unternehmerisches Potenzial.
Familieninterne Nachfolge ist nur eine Möglichkeit
Traditionell werden Handwerksbetriebe häufig innerhalb der Familie weitergegeben. Der Sohn oder die Tochter übernimmt das Unternehmen der Eltern und führt es in der nächsten Generation fort. Dieses Modell bleibt wichtig, kann aber den Nachfolgebedarf allein nicht lösen. Nicht jedes Unternehmerkind möchte den Familienbetrieb übernehmen. Manche haben andere berufliche Wege eingeschlagen, leben an einem anderen Ort oder möchten keine unternehmerische Verantwortung tragen. Dadurch werden externe Nachfolgelösungen wichtiger. Für Gründerinnen bedeutet das, dass sie nicht aus einer Unternehmerfamilie stammen müssen, um einen etablierten Handwerksbetrieb übernehmen zu können. Eine externe Übernahme kann genauso ein Weg in die Selbstständigkeit sein.
Auch Töchter sollten früh als mögliche Nachfolgerinnen gesehen werden
Bei familieninternen Unternehmensnachfolgen spielt zusätzlich die Frage eine Rolle, wem eine Betriebsübernahme überhaupt zugetraut und angeboten wird. Traditionelle Rollenbilder können dazu führen, dass bei einem Handwerksbetrieb zunächst an einen Sohn als Nachfolger gedacht wird, während eine Tochter trotz fachlicher oder kaufmännischer Qualifikation weniger selbstverständlich als zukünftige Unternehmerin wahrgenommen wird. Gerade in Familienunternehmen sollte die Nachfolge deshalb nicht automatisch entlang traditioneller Erwartungen geplant werden. Entscheidend sind Interesse, Qualifikation, Führungsfähigkeit und unternehmerische Motivation. Eine frühzeitige und offene Nachfolgeplanung kann dazu beitragen, dass Töchter genauso selbstverständlich als potenzielle Unternehmensnachfolgerinnen betrachtet werden.
Die bestehende Belegschaft kann Chance und Herausforderung zugleich sein
Ein vorhandenes Team ist bei einer Übernahme ein großer Vorteil. Fachkräfte müssen nicht vollständig neu gesucht und eingearbeitet werden. Gleichzeitig kennen langjährige Mitarbeiter Kunden, Arbeitsabläufe und technische Besonderheiten des Betriebs. Für eine neue Inhaberin entsteht dadurch jedoch eine besondere Führungssituation. Manche Beschäftigte arbeiten möglicherweise seit Jahrzehnten im Unternehmen und haben eine enge Beziehung zum bisherigen Inhaber. Eine jüngere Nachfolgerin muss sich in dieser Struktur zunächst als Führungskraft etablieren. Das gelingt nicht allein durch den Eigentumsübergang. Klare Kommunikation, nachvollziehbare Entscheidungen und ein respektvoller Umgang mit dem vorhandenen Wissen der Mitarbeiter sind entscheidend. Gleichzeitig muss die neue Unternehmerin bereit sein, Veränderungen durchzusetzen, wenn Prozesse oder Strukturen nicht mehr wirtschaftlich sind. Gerade die ersten Monate nach der Übernahme können deshalb entscheidend für die weitere Entwicklung des Betriebs sein.
Der demografische Wandel erhöht den Nachfolgebedarf im deutschen Handwerk deutlich. Aktuelle Informationen zur Betriebsnachfolge und zur Entwicklung der Handwerksbetriebe stellt der Zentralverband des Deutschen Handwerks bereit.
Vor der Übernahme muss der Betrieb wirtschaftlich geprüft werden
Die große Zahl anstehender Nachfolgen bedeutet nicht, dass jeder angebotene Handwerksbetrieb eine attraktive Übernahme darstellt. Vor einer Kaufentscheidung sollten die wirtschaftlichen Verhältnisse gründlich geprüft werden. Dazu gehören insbesondere die Geschäftszahlen mehrerer Jahre, die aktuelle Auftragslage, Kundenstruktur, Personalstruktur, Verträge, Maschinen und Fahrzeuge sowie mögliche Verbindlichkeiten und notwendige Investitionen. Auch der Investitionsstau ist ein wichtiger Faktor. Ein Betrieb kann auf den ersten Blick günstig angeboten werden, gleichzeitig aber Maschinen besitzen, die kurzfristig ersetzt werden müssen. Sind zusätzlich Fahrzeuge veraltet oder Betriebsräume modernisierungsbedürftig, kann der tatsächliche Kapitalbedarf erheblich über dem Kaufpreis liegen. Eine Übernahme sollte deshalb immer auf Basis des gesamten Investitions- und Finanzierungsbedarfs bewertet werden.
Unternehmensnachfolge kann eine Alternative zur klassischen Gründung sein
Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor zeigt, dass Existenzgründungen in Deutschland 2025 wieder deutlich zugenommen haben. Insgesamt wurden rund 690.000 Existenzgründungen gezählt. Der Anstieg wurde allerdings vor allem durch den Nebenerwerb getragen. Die Übernahme eines bestehenden Betriebs bietet einen anderen Weg. Gerade im Handwerk kann sie den direkten Einstieg in eine Vollerwerbsselbstständigkeit ermöglichen, bei der bereits wirtschaftliche Strukturen vorhanden sind. Das kann insbesondere für Frauen interessant sein, die nicht bei null beginnen möchten, sondern ihre fachliche oder kaufmännische Erfahrung in ein bestehendes Unternehmen einbringen wollen. Dabei sollte Unternehmensnachfolge nicht als weniger unternehmerische Form der Gründung betrachtet werden. Im Gegenteil: Eine bestehende Organisation zu übernehmen, weiterzuentwickeln und durch einen Generationswechsel zu führen, stellt hohe Anforderungen an Strategie, Führung und Finanzplanung.
Vom bestehenden Handwerksbetrieb zum eigenen Unternehmen
Wer eine Betriebsübernahme plant, sollte frühzeitig prüfen, ob Kaufpreis, Finanzierung und zukünftige Ertragskraft zusammenpassen. Unsere Experten unterstützen Gründerinnen bei der Erstellung von Business- und Finanzplänen und bei der Prüfung geeigneter Finanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmensnachfolge.
Wo finden Gründerinnen übergabebereite Handwerksbetriebe?
Wer sich für eine Unternehmensnachfolge interessiert, muss nicht darauf warten, zufällig von einem passenden Betrieb zu erfahren. Eine wichtige erste Anlaufstelle sind die Handwerkskammern. Sie begleiten sowohl Betriebsinhaber bei der Nachfolgeplanung als auch potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger bei der Übernahme. Darüber hinaus können Unternehmensbörsen, regionale Netzwerke, Branchenkontakte sowie Steuerberater und Unternehmensberater bei der Suche eine Rolle spielen. Auch die direkte Ansprache kann sinnvoll sein. Nicht jede geplante Unternehmensnachfolge wird öffentlich ausgeschrieben. Manche Inhaber beschäftigen sich bereits mit ihrem Rückzug, haben aber noch keine konkrete Nachfolgerin oder keinen konkreten Nachfolger gefunden. Für Gründerinnen kann es deshalb sinnvoll sein, zunächst ein klares Suchprofil zu entwickeln. Welches Gewerk kommt infrage? In welcher Region soll der Betrieb liegen? Wie groß darf das Unternehmen sein? Welcher Kaufpreis beziehungsweise Kapitalbedarf ist realistisch? Soll ein Team vorhanden sein oder wird bewusst ein kleinerer Betrieb gesucht? Je konkreter diese Kriterien sind, desto gezielter kann nach geeigneten Unternehmen gesucht werden.
Fazit: Die Nachfolgewelle im Handwerk ist auch eine Chance für mehr Unternehmerinnen
Das deutsche Handwerk steht vor einem erheblichen Generationswechsel. Bis zu 125.000 Betriebe könnten nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks innerhalb von fünf Jahren vor einer Übergabe stehen. Gleichzeitig bleibt die Suche nach geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern für viele Betriebsinhaber eine der größten Herausforderungen. Für Frauen eröffnet diese Entwicklung einen interessanten Weg in die Selbstständigkeit. Statt einen Handwerksbetrieb vollständig neu aufzubauen, können Gründerinnen ein etabliertes Unternehmen mit Kunden, Mitarbeitern, Marktposition und vorhandenen Strukturen übernehmen. Das reduziert einige typische Herausforderungen einer Neugründung, schafft dafür aber neue Anforderungen bei Finanzierung, Unternehmensbewertung und Führung. Nicht jeder angebotene Betrieb ist automatisch eine gute Investition. Entscheidend sind ein nachvollziehbarer Kaufpreis, eine tragfähige Finanzierung und die Frage, ob das Unternehmen auch nach dem Ausscheiden des bisherigen Inhabers nachhaltig profitabel arbeiten kann. Gelingt diese Prüfung, kann Unternehmensnachfolge weit mehr sein als eine Lösung für ausscheidende Betriebsinhaber. Sie kann für Frauen eine attraktive Form der Existenzgründung darstellen und gleichzeitig dazu beitragen, etablierte Handwerksbetriebe, Fachkräfte und Ausbildungsplätze zu erhalten. Angesichts eines Gründerinnenanteils von nur 35 Prozent im Jahr 2025 und einer gleichzeitig großen Zahl bevorstehender Betriebsübergaben liegt darin ein erhebliches Potenzial.
Von der Nachfolge zur eigenen Unternehmerinnenperspektive
Die Übernahme eines bestehenden Handwerksbetriebs bietet die Chance, auf vorhandenen Kundenbeziehungen, Mitarbeitern und Strukturen aufzubauen. Gleichzeitig müssen Kaufpreis, Finanzierung und zukünftige Ertragskraft zusammenpassen. Unsere Experten unterstützen Gründerinnen bei Business- und Finanzplanung sowie bei der Vorbereitung einer tragfähigen Unternehmensnachfolge: Kontakt zu uns.
FAQ
Warum ist Unternehmensnachfolge für Gründerinnen im Handwerk interessant?
Bei einer Unternehmensnachfolge können Gründerinnen einen bereits bestehenden Betrieb mit Kunden, Mitarbeitern, Ausstattung und Geschäftszahlen übernehmen. Dadurch entfällt ein Teil der Aufbauarbeit einer klassischen Neugründung. Gleichzeitig muss geprüft werden, ob Kaufpreis und zukünftige Wirtschaftlichkeit des Betriebs zusammenpassen.
Wie viele Handwerksbetriebe suchen in den kommenden Jahren eine Nachfolge?
Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks könnte innerhalb von fünf Jahren bei bis zu 125.000 Handwerksbetrieben eine Übergabe an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger anstehen.
Wie hoch ist der Anteil von Gründerinnen in Deutschland?
Nach dem KfW-Gründungsmonitor lag der Anteil der Gründerinnen an allen Existenzgründungen 2025 bei 35 Prozent. Bei Vollerwerbsgründungen betrug der Frauenanteil 27 Prozent.
Können Frauen einen bestehenden Handwerksbetrieb übernehmen?
Grundsätzlich können Frauen ebenso wie Männer einen bestehenden Handwerksbetrieb übernehmen. Welche fachlichen und handwerksrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen, hängt vom jeweiligen Gewerk und der konkreten Betriebsstruktur ab.
Brauche ich einen Meistertitel, um einen Handwerksbetrieb zu übernehmen?
Das hängt vom jeweiligen Handwerk ab. Bei zulassungspflichtigen Handwerken gelten andere Voraussetzungen als bei zulassungsfreien Handwerken und handwerksähnlichen Gewerben. Vor einer Übernahme sollte deshalb die zuständige Handwerkskammer einbezogen werden.
Wie finde ich einen Handwerksbetrieb zur Übernahme?
Mögliche Anlaufstellen sind insbesondere Handwerkskammern, Unternehmensnachfolgebörsen, regionale Netzwerke und Branchenkontakte. Darüber hinaus kann die direkte Suche nach Betrieben ohne geregelte Nachfolge sinnvoll sein.
Wie finanziere ich die Übernahme eines Handwerksbetriebs?
Je nach Ausgangssituation können Eigenkapital, Bankdarlehen, Förderdarlehen, Bürgschaften und weitere Finanzierungsbausteine eingesetzt werden. Entscheidend ist, dass nicht nur der Kaufpreis, sondern auch Investitionen und ausreichende Betriebsmittel berücksichtigt werden.
Welche Zahlen sollte ich vor einer Betriebsübernahme prüfen?
Wichtig sind insbesondere Umsatz- und Ergebnisentwicklung, Personalkosten, Materialaufwand, Auftragslage, Kundenstruktur und bestehende Verbindlichkeiten. Zusätzlich sollten notwendige Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude oder Digitalisierung berücksichtigt werden.
Brauche ich für eine Unternehmensnachfolge einen Businessplan?
Insbesondere bei einer externen Finanzierung ist eine nachvollziehbare Business- und Finanzplanung regelmäßig erforderlich. Dabei können die historischen Zahlen des bestehenden Betriebs genutzt werden. Gleichzeitig muss dargestellt werden, wie sich das Unternehmen unter der neuen Inhaberin entwickeln soll.
Ist eine Betriebsübernahme weniger riskant als eine Neugründung?
Nicht automatisch. Eine Übernahme bietet den Vorteil bestehender Geschäftszahlen, Kunden und Strukturen. Gleichzeitig können ein zu hoher Kaufpreis, Investitionsstau oder eine starke Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber Risiken darstellen. Deshalb sollte der Betrieb vor der Übernahme wirtschaftlich sorgfältig geprüft werden.