Viele angehende Existenzgründer und Selbstständige benötigen Fremdkapital, um ein Geschäftsmodell erfolgreich umzusetzen oder ein geplantes Wachstum vorantreiben zu können. Mit diesen Geldern können Investitionen getätigt oder die Betriebsmittel (Gehälter, Miete, Marketing etc.) der ersten Monate nach der Kapitalaufnahme finanziert werden. Besonders attraktiv sind geförderte Darlehen wie z. B. das KfW-StartGeld. Diese Förderdarlehen sind zu relativ niedrigen Zinssätzen verfügbar und zeichnen sich zudem durch eine tilgungsfreie Anlaufzeit aus. Dies hat den Vorteil, dass das Darlehen z. B. in den ersten 12 Monaten nicht getilgt werden muss. Wer ein solches gefördertes Darlehen beantragen möchte, muss einen professionellen Businessplan erstellen. Dieser kann auch im Rahmen einer staatlich geförderten Existenzgründungsberatung in Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern erstellt werden.
Ein wichtiger Bestandteil dieses Geschäftsplans ist der Finanzplan, der die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens prognostiziert. Diese werden von den Förderbanken oder auch anderen Finanzierern intensiv geprüft, bevor eine Förderung bewilligt werden kann.
Als Rechtsform wird bei der Gründung oft eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ausgewählt. Attraktiv ist hierbei z. B. die Haftungsbeschränkung der Gesellschafter oder auch die relativ leichte Aufnahme von Investoren und weiteren Gesellschaftern. Wer in dieser Rechtsform gründet, muss bei der Erstellung eines Finanzplans jedoch einige Besonderheiten beachten. In diesem Artikel möchten wir erläutern, wie man einen Finanzplan für eine GmbH erstellt und welche Parameter hierbei zu berücksichtigen sind.
Finanzplan-Erstellung – wichtige Bestandteile
Zunächst gilt ein professionell erstellter Finanzplan als wichtigster Bestandteil einer Anfrage nach einer Förderung oder Finanzierung. Neben dem schriftlichen Teil des Businessplans sind die prognostizierten Zahlenwerke eines Geschäftsmodells letztlich noch wichtiger. Es ist für Förderbanken oder auch andere Finanzierer sehr wichtig, auf einen Blick zu erkennen, wie rentabel ein Unternehmen ist, wie viel Gewinn der Finanzplan ausweist und ob das Unternehmen den Kapitaldienst (Zins+Tilgung) leisten kann.
Ein bankenfähiger Finanzplan setzt sich aus den folgenden Bestandteilen zusammen:
- Kapitalbedarfsplan/Investitionsplan: In diesem wird aufgezeigt, wofür man die beantragten Gelder verwenden möchte (Ware, Maschinen, Kfz, Software, Büroausstattung, Marketing etc.).
- Umsatzentwicklung: In dieser wird der monatliche Umsatz ausgewiesen. Wichtig ist zu erkennen, wie sich dieser Umsatz zusammensetzt (Anzahl Aufträge, Verkäufe, abgerechnete Stunden, Pauschalhonorare etc.). Es reicht nicht aus, nur die Umsatzhöhe abzubilden.
- Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung): In dieser werden alle Umsätze und Kosten (inklusive Wareneinsatz, Personalkosten und Abschreibungen) dargestellt. So ergibt sich der Gewinn vor Steuern. Hiervon werden steuerliche Abgaben abgezogen, um den Gewinn nach Steuern auszuweisen.
- Cash-Flow und Liquiditätsplanung: Dieser gibt Aufschluss darüber, wie viel Liquidität sich monatlich auf dem Geschäftskonto befindet.
- Tilgungsplan: Dieser errechnet, wie viel Zins & Tilgung man monatlich zu leisten hat, falls man z. B. ein gefördertes Gründerdarlehen aufnimmt.
Diese Parameter eines Finanzplans müssen auf Monatsbasis für die nächsten drei Geschäftsjahre abgebildet werden. Bei der Erstellung eines solchen Finanzplans ist die Hinzunahme eines erfahrenen Unternehmensberaters zu empfehlen, um die Erfolgsaussichten der Finanzierung und allgemein des Unternehmens zu erhöhen. Diese Form der Existenzgründungsberatung und Unternehmensberatung wird daher bewusst staatlich gefördert.
Besonderheiten bei der Erstellung eines Finanzplans für eine GmbH
Nun stellt sich die Frage, auf welche Bestandteile man im Finanzplan achten muss, wenn man in der Rechtsform der GmbH agiert. In Abgrenzung zu anderen Rechtsformen wie einer Personengesellschaft (Einzelunternehmen oder GbR) müssen die folgenden Gegebenheiten berücksichtigt werden. Diese sind bei der Erstellung der Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung) zu beachten.
- Personalkosten: In diesen werden alle Personalkosten erfasst. Zum Bruttogehalt der angestellten Personen werden noch die Lohnnebenkosten addiert. Man kann hierfür das Bruttogehalt mit dem Faktor 1,22 multiplizieren, um alle Arbeitgeberkosten abzubilden. Während man als Inhaber eines Einzelunternehmens kein Gehalt aus dem Unternehmen bezieht und in selbigem formell nicht angestellt ist, verhält sich dies bei einer GmbH anders. Denn dort ist man als Geschäftsführer angestellt. Das Gehalt des Geschäftsführers ist damit auch in den Personalkosten im Finanzplan zu berücksichtigen.
- Körperschaftsteuer: Vom Gewinn vor Steuern ist im Finanzplan einer GmbH zunächst die Gewerbesteuer abzuziehen. Diese ist abhängig von der Höhe des Gewinns sowie vom Standort des Unternehmens. Die Gewerbesteuer wird auch von Personengesellschaften entrichtet. Anders verhält sich dies bei der Körperschaftsteuer. Diese fällt lediglich bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH an. Der aktuelle Steuersatz liegt bei 15 %. Hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag, so dass insgesamt ein Steuersatz von 15,83 Prozent auf den Gewinn vor Steuern fällig wird. Der Zahlungszeitpunkt der Körperschaftsteuer ist im letzten Monat eines Quartals (10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember). Diese Form der Steuer wird immer im Voraus bezahlt. Die Berechnungsformel lautet: Gewerbeertrag x 15,83 Prozent/4 Quartale.
Die gleiche Vorgehensweise gilt es auch anzuwenden, wenn man keine GmbH, sondern eine UG (Unternehmergesellschaft) als Rechtsform betreibt. Innerhalb dieser beiden Formen der Kapitalgesellschaft gibt es keine Unterschiede in der Abbildung eines Finanzplans.
Sowohl die Personalkosten als auch die Zeitpunkte der Zahlung der Körperschaftsteuer sind auch bei der Erstellung des Liquiditätsplans zu berücksichtigen. Beide Posten mindern die Liquidität eines Unternehmens und müssen als Abgang vom Geschäftskonto dargestellt werden.
Die anderen Bestandteile des Finanzplans, wie in Kapitel 1 beschrieben, sind bei einer GmbH genauso abzubilden wie bei anderen Rechtsformen auch.
Kapitalbedarfsplan erstellen für eine GmbH
Aus der Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung) wird auch ersichtlich, wie viel Kapital man zu Beginn der Selbstständigkeit oder für das Wachstum des Unternehmens benötigt, falls dieses schon am Markt agiert. Denn wenn man alle Umsätze und Kosten kalkuliert, stellt man fest, ab wann sich das Geschäftsmodell selber trägt. Meist ist es direkt nach Existenzgründung so, dass die Betriebsmittel wie z. B. Gehälter in den ersten Monaten vorfinanziert werden müssen, da man erst nach ein paar Monaten ausreichend Umsätze erzielt, um die Kosten decken zu können. Über ein Förderdarlehen kann man hier die ersten drei Monate nach dem Darlehenszugang finanzieren lassen.
Zu diesen Betriebsmitteln werden im Kapitalbedarfsplan alle Investitionen aufgelistet, die zu tätigen sind. Beispielsweise Maschinen, Werkzeug, ein Kfz, Software, Handelsware, Büroausstattung o. Ä. Die Gesamtsumme bildet den Kapitalbedarf ab, den man über ein gefördertes Darlehen oder eine andere Form der Finanzierung abdecken kann.
Fazit
Wenn man ein gefördertes Darlehen im Rahmen einer Existenzgründung oder für ein geplantes Wachstum eines Unternehmens beantragen möchte, muss man hierfür einen Businessplan und einen bankfähigen Finanzplan erstellen.
Bei einem Finanzplan gibt es formelle Unterschiede im Aufbau, insbesondere bei der Rentabilitätsvorschau (Gewinn- und Verlustrechnung). Diese Unterschiede sind durch die Rechtsform der Selbstständigkeit bedingt. Bei einer GmbH wird das Gehalt des Geschäftsführers in die Personalkosten integriert. Im Vergleich dazu wäre bei einer Personengesellschaft wie einem Einzelunternehmen die monatliche Privatentnahme für den Inhaber nicht in den Personalkosten aufzuführen, sondern nur im Liquiditätsplan.
Ebenso fällt die Körperschaftsteuer nur bei Kapitalgesellschaften wie einer GmbH oder einer UG an. Dies muss zusätzlich zur Gewerbesteuer ebenfalls berücksichtigt werden.
Sie möchten sich bei Ihrer Existenzgründung und insbesondere bei der Finanzplan-Erstellung unterstützen lassen? Füllen Sie hierfür gerne das Formular zur Beratersuche aus und vereinbaren Sie ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit einem Experten aus Ihrer Branche.
Berater suchen Fördercheck machen
FAQ
Welche Bestandteile gehören in einen Finanzplan?
Ein vollständiger Finanzplan umfasst in der Regel eine Umsatz- und Kostenplanung, einen Kapitalbedarfs- beziehungsweise Investitionsplan, eine Rentabilitätsvorschau sowie eine Liquiditätsplanung. Bei einer Finanzierung kommen außerdem der Finanzierungs- und Tilgungsplan hinzu. Auch das Existenzgründungsportal des Bundes nennt Umsatzplanung, Kostenplanung, Kapitalbedarf, Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplanung als zentrale Bestandteile.
Was muss bei einem Finanzplan für eine GmbH besonders berücksichtigt werden?
Bei einem Finanzplan für eine GmbH müssen insbesondere das Geschäftsführergehalt, Personalkosten, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und deren Auswirkungen auf die Liquidität berücksichtigt werden. Außerdem muss zwischen Ergebnisplanung und tatsächlichen Zahlungsabflüssen unterschieden werden.
Wie weit im Voraus sollte ein Finanzplan erstellt werden?
Für einen Businessplan und eine Finanzierungsanfrage wird häufig eine Planung über drei Geschäftsjahre erstellt. Das Existenzgründungsportal des Bundes nennt für Umsatz, Kosten und Gewinn ebenfalls eine Vorschau über die kommenden drei Jahre.
Warum ist die Umsatzplanung im Finanzplan so wichtig?
Die Umsatzplanung sollte nicht nur einen Gesamtumsatz nennen, sondern nachvollziehbar zeigen, wie dieser entsteht. Je nach Geschäftsmodell können dafür beispielsweise Kundenzahl, Aufträge, verkaufte Produkte, abrechenbare Stunden, Preise oder wiederkehrende Erlöse herangezogen werden.
Was ist eine Rentabilitätsvorschau?
Die Rentabilitätsvorschau stellt den geplanten Umsätzen die erwarteten betrieblichen Kosten gegenüber. Dadurch wird sichtbar, ob und ab wann das Unternehmen Gewinne erwirtschaften kann. Sie ist deshalb ein zentraler Bestandteil eines bankenfähigen Finanzplans.
Was ist der Unterschied zwischen Rentabilitätsplanung und Liquiditätsplanung?
Die Rentabilitätsplanung zeigt, ob ein Unternehmen wirtschaftlich Gewinne erzielt. Die Liquiditätsplanung betrachtet dagegen, wann Geld tatsächlich auf dem Geschäftskonto eingeht oder dieses verlässt. Ein Unternehmen kann deshalb rentabel sein und trotzdem vorübergehend Liquiditätsprobleme haben.
Muss das Geschäftsführergehalt in den Finanzplan einer GmbH?
Wird ein Geschäftsführergehalt vereinbart, gehört es in die Kostenplanung der GmbH. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern sollte zusätzlich geprüft werden, wie die konkrete Vergütung ausgestaltet ist und ob Sozialversicherungspflicht besteht. Diese hängt insbesondere von Beteiligung und Rechtsmacht innerhalb der Gesellschaft ab.
Welche Steuern müssen im Finanzplan einer GmbH berücksichtigt werden?
Zu den relevanten Steuerpositionen gehören insbesondere Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und je nach Planung auch Umsatzsteuer beziehungsweise Vorsteuer. Die Steuerzahlungen müssen nicht nur in der Ergebnisrechnung, sondern auch zum jeweiligen Zahlungszeitpunkt in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden.
Was gehört in den Kapitalbedarfsplan einer GmbH?
Im Kapitalbedarfsplan werden Investitionen und der Finanzierungsbedarf der Anlaufphase erfasst. Dazu können Maschinen, Fahrzeuge, Software, Büroausstattung, Warenlager sowie laufende Betriebsmittel wie Personal, Mieten oder Marketing gehören.
Können Betriebsmittel über ein Förderdarlehen finanziert werden?
Das hängt vom jeweiligen Förderprogramm ab. Beim aktuellen ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW können beispielsweise sowohl Investitionen als auch laufende Kosten beziehungsweise Betriebsmittel finanziert werden. Der Kredit umfasst derzeit bis zu 200.000 Euro, davon maximal 80.000 Euro für Betriebsmittel.
Warum verlangen Banken einen Finanzplan?
Der Finanzplan ermöglicht Finanzierungspartnern zu beurteilen, ob das Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist, wie hoch der Kapitalbedarf ausfällt und ob Zins und Tilgung aus den geplanten Überschüssen geleistet werden können.
Kann man einen Finanzplan selbst erstellen?
Grundsätzlich ja. Entscheidend ist jedoch, dass Umsatz, Kosten, Kapitalbedarf, Liquidität und Finanzierung nachvollziehbar miteinander verknüpft sind. Insbesondere bei Finanzierungsanfragen kann eine fachliche Prüfung sinnvoll sein, um Rechenfehler, unrealistische Annahmen oder Lücken zu vermeiden.