Franchise-Konzepte ohne Gastraum – oft „Dark Kitchen“ oder „Ghost Store“ genannt – setzen auf Produktion und Auslieferung statt Bewirtung vor Ort. Bestellt wird über Plattformen oder die eigene Website, geliefert per Kurier. Das senkt sichtbare Raumkosten, verlangt aber präzise Abläufe, klare Kennzahlen und einen belastbaren Franchise-Businessplan mit Finanzplan. Dieser Beitrag ordnet Chancen und Grenzen für eine Existenzgründung bzw. Unternehmensgründung ein: von Lieferkonzepten über Fixkosten bis zu Qualitäts- und Skalierungsfragen.
Was hinter Dark Kitchen / Ghost Store steckt
Das Geschäftsmodell verlagert den Kundenkontakt in den digitalen Kanal: Sichtbarkeit entsteht über Plattform-Rankings, Bewertungen und lokale Online-Suche. In der Küche laufen Produktion, Portionierung, Verpackung und Übergabe an Fahrer. Für Systemtauglichkeit – also die Fähigkeit, Standorte verlässlich zu vervielfältigen – sind drei Dinge zentral: standardisierte Rezepturen und Arbeitsabläufe (SOPs), ein robustes Nachfragemix aus Plattformen und eigener Bestellstrecke sowie transparente Kennzahlen von Bestellzeit bis Lieferzeit und vom Wareneinsatz bis zu den Fixkosten.
Wirtschaftlichkeit: Fixkosten senken, variable Kosten steuern
Der Verzicht auf Gastraum reduziert Miete, Einrichtung und Servicepersonal im Gästebereich. Fixkosten bleiben dennoch relevant (Grundmiete, Energiegrundlast, Küchenpersonal, Abschreibungen), dazu kommen variable Kosten für Rohwaren, Verpackung, Plattformgebühren und Zustellung. Entscheidend sind Deckungsbeiträge je Bestellung und je Stunde. Im Finanzplan sollte ein konservatives, ein realistisches und ein ambitioniertes Szenario gerechnet werden; die Break-even-Analyse (Bestellzahl pro Tag zur Kostendeckung) gehört verpflichtend in jeden Franchise-Businessplan.
Lieferkonzepte: Eigene Fahrer, Plattform oder Hybrid?
Drei Wege sind üblich – oft kombiniert:
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Eigene Fahrer: volle Kontrolle über Erscheinungsbild und Lieferzeit, dafür Planung, Fahrzeuge/Versicherung, Personalbindung.
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Plattformen: Reichweite ab Tag eins, jedoch Gebühren, weniger Kontrolle und potenzieller Preisdruck.
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Eigene Bestellstrecke + externer Kurierdienst: Marke bleibt beim Unternehmen, Touren übernimmt ein Partner.
Aus Franchising-Sicht ist ein Hybridmodell robust: Stammkunden laufen über die eigene Strecke, zusätzliche Reichweite kommt über Plattformen. Wichtig bleibt die Kanalrechnung im Finanzplan: Welche Kombination aus Bestellkanal, Warenkorb und Entfernung trägt die Marge?
Qualität: Ohne Gastraum zählt die Online-Reputation
Da Rückmeldung nicht am Tisch erfolgt, wird Online-Reputation zum Gastraum: Bewertungen, Wiederbestellraten und Beschwerdequoten sind harte Qualitätsindikatoren. Qualitätssicherung beruht auf Temperaturmanagement, passender Verpackung, klaren Cut-off-Zeiten, sauberer Übergabe an Fahrer und eindeutigen Zuständigkeiten bei Reklamationen. Kurz gefasst: Vorproduktion mit Zeitstempeln, standardisierte Portionierung und ein Verpackungsleitfaden je Gericht stabilisieren Produktqualität – und damit Sternebewertung, Sichtbarkeit und Umsatz.
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Technik: Ohne Daten kein System
Systeme müssen Daten zusammenführen und zuverlässig ausgeben: Kassensystem mit Bestellimport (Plattformen + eigene Strecke), Warenwirtschaft für Wareneinsatz und Inventur, Produktionsmonitor in der Küche, Controlling-Dashboard für Tagesumsatz, Durchschnittsbon, Wareneinsatz, Personalkosten, Lieferzeiten und Reklamationen. Datenkonsistenz ist Pflicht: Gerichte, Preise und Allergene müssen überall identisch sein. Im Franchise-Businessplan empfiehlt sich ein Anhang „Systeme & Schnittstellen“, der Verantwortlichkeiten und Pflegezyklen benennt.
Recht und Behörden: Hygiene, Kennzeichnung, Arbeitssicherheit
Auch ohne Gastraum gelten Lebensmittel- und Hygienerecht, Kennzeichnungspflichten (inkl. Allergenen) und Vorgaben der Arbeitssicherheit. Kommunale Anforderungen (Abluft, Lärm, Nutzungsänderung) sowie Datenschutz bei eigener Bestellstrecke beeinflussen Zeitplan und Kosten – diese Positionen gehören früh in den Finanzplan. Wer mehrere „virtuelle Marken“ aus einer Küche betreibt, führt Kennzeichnung und Allergenlisten strikt getrennt.
Für Kreditfinanzierungen mit wenig Sicherheiten lohnt der Blick auf den Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB): Dort findet sich eine aktuelle Übersicht der Bürgschaftsbanken und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in allen Bundesländern – inklusive Ansprechpartner und Verfahren.
Risiken: Woran Ghost Stores scheitern
Typische Stolpersteine:
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Plattformabhängigkeit: Gebühren, Algorithmus-Änderungen und Werbedruck drücken die Marge; Gegengewicht sind eigene Bestellstrecke, Newsletter und Stammkundenprogramme.
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Letzte Meile: Zu späte Abholung, lange Wege oder ungeeignete Verpackungen senken Qualität und Bewertung.
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Personal-Taktung: Fehlsteuerung der Schichten treibt Personalkosten in ruhigen Zeiten und Reklamationen in Peaks.
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Sortimentsüberladung: Zu breite Karte erhöht Komplexität und Schwund; klar definierte Bestseller sind effizienter.
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Lagefehler: Günstige Miete nützt nichts, wenn Fahrer-Logistik schlecht funktioniert.
Skalierung: Drei Tests für Systemtauglichkeit
Ein Dark-Kitchen-Modell ist franchise-tauglich, wenn es:
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Reproduzierbar ist – ein neues Team kann mit Handbuch, Schulung und Checklisten starten, ohne „Meisterkoch“.
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Steuerbar ist – fünf bis sieben Kennzahlen (Umsatz/Tag, Wareneinsatzquote, Personalkostenquote, Deckungsbeitrag, Lieferzeit, Reklamationsquote, Bewertungsnote) genügen, um früh zu handeln.
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Finanziell tragfähig ist – der Finanzplan zeigt Fixkostendeckung nicht nur am Wochenende, sondern auch an schwächeren Wochentagen.
Businessplan & Finanzplan: Inhalte, die überzeugen
Banken und Förderinstitute erwarten einen bankfähigen Franchise-Businessplan mit belastbarem Finanzplan. Darin gehören:
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Geschäftsmodell & Lieferkonzepte mit Kanalrechnung und Deckungsbeiträgen,
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Standortlogik (Anlieferung, Fahrerwege, Reichweite, Mietniveau),
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Sortiment & Produktionsablauf inkl. Verpackung und Hygienekonzept,
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Marketing & Sichtbarkeit (Bewertungsmanagement, lokale Online-Suche, Stammkundenaufbau),
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Investitionsplan (Küche, Geräte, IT, Umbau, Genehmigungen, Anlaufmarketing),
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Betriebsmittelbedarf (Startbestand Waren/Verpackung, Löhne Anlaufphase, Kautionen, Puffer),
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Ertrags- und Liquiditätsvorschau über 12–24 Monate plus Break-even nach Bestellzahl/Tag,
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Risiken & Gegenmaßnahmen (Plattformabhängigkeit, Nachfrageflauten, Energiepreise).
Für die Finanzierung eignen sich – je nach Vorhaben – Eigenmittel, Hausbankdarlehen, Leasing/Mietkauf und geförderte Darlehen mit tilgungsfreien Anlaufmonaten. Das glättet die Startphase, bis Marketing und Stammkundschaft greifen.
Für die Ausgestaltung von Markenauftritt und lokaler Aktivierung empfiehlt sich unser Leitfaden „Franchise-Marketing: Vorgaben & Spielräume“ – er zeigt, wie zentrale Standards mit wirksamen Standort-Maßnahmen zusammenspielen.
Fazit: Franchise-tauglich planen, dann skalieren
Franchise-fähige Dark Kitchens funktionieren, wenn Prozesse, Qualität und Zahlen stimmen. Die Stärke liegt in schlanken Flächen und klaren Abläufen; die Schwäche in Abhängigkeiten der Lieferkonzepte und der engen Taktung von Nachfrage-Peaks. Wer Rezepturen und Übergaben standardisiert, Kennzahlen konsequent steuert und einen realistischen Finanzplan mit sauberer Deckungsbeitragsrechnung vorlegt, schafft die Basis für mehrere Standorte. So wird aus der ersten Lieferküche ein reproduzierbares, wachstumsfähiges System – bereit für die nächste Eröffnung.
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