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Ein Handy mit der App hängt an einer Windschutzscheibe

Aus der anfänglichen Geschäftsidee, ein „Smartcar für jedermann“ zu entwickeln, entstand eine App, die Autos in Smartcars verwandelt. Im Interview verraten die drei Existenzgründer, wie diese funktioniert und mit welchen Neuheiten Kunden in Zukunft rechnen können.

1.    Liebes Pace-Team, könnt ihr euch kurz vorstellen?

Wir sind PACE Telematics und machen herkömmliche Autos zu Smartcars. Zu unserem Team gehören Martin, Philip und Robin (ich). Mit uns wird das Autofahren günstiger, stressfreier und sicherer. Außerdem wird unser Produkt Pace als unabhängige, herstellerübergreifende Lösung sowohl das Werkstattgeschäft (Kundenbindung) als auch das Versicherungsgeschäft (pay-as-you-drive-Tarife) revolutionieren.

2.    Was genau ist der Pace-Link?

Der Pace-Link ist ein kleiner Bluetooth-Adapter und wird in die Diagnoseschnittstelle (OBD-2-Port) des Autos gesteckt. Dort verbindet er sich per Bluetooth LE mit der Pace-App auf dem Smartphone des Autofahrers. Der Einbau ist leicht und kann von jedem innerhalb weniger Minuten selbst vorgenommen werden. Neben unserem Smartcar-Adapter haben wir bereits ein Projekt umgesetzt, bei dem die Pace-Technologie direkt im Neufahrzeug integriert ist, wodurch die App sich direkt mit dem Steuergerät des Fahrzeugs verbindet.

3.    Wie seid ihr auf diese Geschäftsidee gekommen?

Da wir drei Gründer sehr auto- und technikbegeistert sind, beschäftigen wir uns schon lange mit Innovationen rund um das Auto. Unser anfänglicher Gründungsimpuls war es, das „Smartcar für jedermann“ möglich zu machen und damit eine bezahlbare Smartcar-Lösung für alle zu schaffen. Moderne Smartcars basieren auf herstellerspezifischen Systemen – oft mit recht eingeschränkter Funktionalität. Dies haben wir mit Pace geändert und eine herstellerunabhängige und markenübergreifende „Connected-Car-Plattform“ entwickelt. Wir haben heute unterschiedlichste Möglichkeiten, wie wir Fahrzeuge in die Pace-Welt integrieren, und planen noch weitere.

4.    Für welche Fahrzeuge ist Pace geeignet?

Unser Produkt funktioniert für fast alle Fahrzeuge ab Baujahr 1996. Wichtig ist hier momentan noch der OBD-2-Standard. Wird dieser seitens des Herstellers eingehalten, funktioniert unsere Lösung. Aktuell ist der Adapter hauptsächlich für Benzin- und Diesel-Fahrzeuge konzipiert. Wir empfehlen jedem potentiellen neuen Pace-Nutzer, einen Blick in unsere Kompatibilitätsliste zu werfen und nach seinem Automodell zu suchen. Die Fahrzeugdatenbank wird regelmäßig aktualisiert. Dies bedeutet, wer sein Modell nicht findet, kann Pace im Rahmen unseres 30-tägigen Testzeitraums trotzdem ausprobieren.

5.    Wie war euer beruflicher Werdegang vor der Unternehmensgründung?

Martin verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Automobilindustrie und hat unter anderem viele Jahre als Strategieberater für Automobilhersteller gearbeitet. Die unternehmerische Leidenschaft führte ihn 2012 zur Gründung eines Automotive- eCommerce-Start-ups. Philip hat umfangreiche Erfahrung im Bereich der Big Data Analytics, Datenlinguistik und Softwareentwicklung. Vor Pace war er bei SAP und gründete die Jamit Labs, eine auf die Entwicklung von Apps spezialisierte Agentur. Robin ist Serial Entrepreneur mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Business Development. Vor Pace war er Geschäftsführer der mentasys GmbH, CEO von Pangora sowie CEO der Become Europe GmbH (zwischenzeitlich Connexity Europe GmbH). Danach stieg er mit in die Jamit Labs ein.

6.    Wie lange hat die Planung und Umsetzung der Existenzgründung gedauert?

Wir haben uns für die Planung der Existenzgründung viel Zeit genommen. Die ersten Workshops zur Geschäftsidee Pace hatten wir schon im Jahr 2014. Die PACE Telematics GmbH haben wir im Frühjahr 2015 gegründet. Der erste Schritt war die Entwicklung der Hardware. Mit der Software-Entwicklung haben wir im Herbst 2015 begonnen und konnten bereits nach ein paar Monaten die erste Betaversion einführen.

7.    Was waren bisher eure größten Herausforderungen bzw. Stolpersteine?

Für ein Tech-Start-up ist es eine große Herausforderung, eine Hardware zu entwickeln, die im Straßenverkehr verwendet werden darf. Eine Lösung, die mit tausenden von Fahrzeug- und Handymodellen dauerhaft zuverlässig läuft, ist zudem äußerst komplex.
Außerdem halten Investoren Hardware-Start-ups häufig für sehr riskant. Um Pace überhaupt realisieren zu können, mussten wir als Existenzgründer ein hohes persönliches Risiko eingehen: Wir haben die Firma neun Monate lang mit Eigenkapital finanziert. Die ersten Investoren kamen dann im Herbst 2015 dazu. In der Zeit dazwischen haben wir ohne Gehalt und mit „gigantischem“ Einsatz gearbeitet. Was uns dabei unglaublich überrascht und motiviert hat, war unsere außergewöhnlich erfolgreiche Kickstarter-Kampagne. Unsere Geschäftsidee kam so gut an, dass wir in weniger als 24 Stunden 250 Prozent des Funding-Ziels erreicht haben. Dadurch hatte Pace lange vor der Fertigstellung des Produkts bereits 3.500 Kunden.

8.    Habt ihr an Gründerwettbewerben teilgenommen?

Ja, immer mal wieder. Was ein junges Start-up außer hochklassigen Mitarbeitern braucht, sind Imagegewinn, PR und auch den Marketingeffekt, den solche Wettbewerbe nach sich ziehen. Der Ausbau des Netzwerks mit Unternehmen und potentiellen Investoren kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz. Auf manche Auszeichnungen wie den „CyberChampion Award“, den „Frost & Sullivan Best Practice Award“ oder auch das Finale des „Entrepreneur Of The Year“ sind wir besonders stolz.

9.    Wer hat den Businessplan erstellt? Habt ihr dafür eine Förderung beansprucht?

Unseren Businessplan haben wir selbst erstellt. Da wir drei bereits vor Pace andere Existenzgründungen angegangen sind, hatten wir viel Erfahrung mit der Erstellung von Businessplänen. Unabhängig von der Businessplan-Erstellung haben wir im Rahmen der Finanzierungsrunden von Pace das INVEST-Programm des BAFA in Anspruch genommen.

10. Könnt ihr kurz beschreiben, warum ein Businessplan wichtig ist?

Um einen guten Businessplan zu erstellen, muss ein Gründerteam sich zwingen, die Geschäftsidee sehr genau zu durchdenken. Man muss vor allem viele Fragen beantworten auf die man im ersten Schritt bei einem innovativen Geschäftsmodell nicht so einfach Antworten finden wird, beispielsweise: Wie lange wird die Produktentwicklung dauern? Wie viele Leute benötige ich dafür und was wird es kosten? Oder auch: Wer kauft meine Produkte und Services später einmal und wieviel werden die Kunden bereit sein dafür zu bezahlen? Der Businessplan sollte als ständige Orientierung und Kontrolle dienen.

11. Habt ihr Fremdkapital für die Existenzgründung beansprucht?

Am Anfang haben wir Pace aus eigener Kraft finanziert. Anschließend folgte eine bereits siebenstellige Seed-Finanzierungsrunde und die erfolgreiche Kickstarter-Kampagne im April 2016, bei der über 330.000 Euro durch Vorbestellungen eingesammelt werden konnten. Es gab insgesamt zwei Finanzierungsrunden mit Business Angels und institutionellen Investoren.

12. Was wünscht ihr euch für die Zukunft, habt ihr spezielle Pläne?

Dieses Jahr wird Pace das „Connected Fueling“ und „Connected Parking“ umsetzen, an dem wir in Kooperation mit SAP arbeiten. Dadurch wird bargeldloses Tanken, Shoppen und Parken mithilfe der Pace-App möglich. Außerdem arbeiten wir an der IFTTT- (Dienstanbieter für die individuelle Verknüpfung von Webanwendungen) sowie Social-Media-Integration von Pace. Für unsere B2B-Kunden wird es ebenfalls viele gute Neuigkeiten geben: Für Werkstätten, Versicherungen und Automobilclubs wird Pace bald zur zentralen Anlaufstelle. Darüber hinaus sind wir dabei, unsere „Connected Services“ unabhängig vom OBD-2-Adapter auszubauen. Wir haben beispielsweise gerade ein Projekt mit einem führenden Automobilhersteller gestartet, bei dem es um die Integration einzelner Module der Pace-Software direkt in den Bordcomputer von Neufahrzeugen geht. Unsere Vision ist, dass wir uns als führender Anbieter von „Connected-Car-Services“ etablieren – sowohl in der Nachrüstung und mit Services für unsere B2B-Partner als auch direkt in der Serienproduktion in Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern. Es werden in jedem Fall viele spannende neue Services für den Autofahrer kommen.

13. Habt ihr Tipps für Existenzgründer? Was ist besonders wichtig?

Wenn man sich selbstständig machen möchte, sind zwei Dinge sind besonders wichtig: ein hohes Durchhaltevermögen und ein außergewöhnlicher Wille zum Erfolg.

Website von Pace: https://www.pace.car/de (externer Link)

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